Nach dem 9 Euro-Ticket: Darum musst du ab September tiefer in die Tasche greifen

3 Minuten
Das 9 Euro-Ticket hätte den Nahverkehr neu gestalten können. Man wollte Autofahrer von der Straße in Busse und Bahnen holen. Doch wie sieht die Realität ab September für Verbraucher aus? Und war der Nahverkehr jemals finanziell attraktiv? Wir zeigen es dir.
Der Nahverkehr wird nach dem 9 Euro-Ticket wohl teurer.
Wird der Nahverkehr nach dem 9 Euro-Ticket teurer?Bildquelle: Freestocks/Unsplash

Groß angekündigt, gebangt – und dann beschloss der Bundestag das 9 Euro-Ticket doch. Seit dem 23. Mai ist es erhältlich, ab dem 1. Juni dann in ganz Deutschland gültig. Zumindest in den meisten Zügen und Verbindungen. Doch trotz der guten Intention zeigt sich, dass hinter dem 9 Euro-Ticket auch viel Augenwischerei steckt. Denn danach kommen auf Verbraucher einmal mehr Kosten zu.

Den Autofahrern den Gar ausmachen: Öffentlicher Nahverkehr bleibt zu teuer

Dazu muss man zunächst ein wenig ausholen. Denn nicht erst seitdem die Politik das 9 Euro-Ticket beschlossen hat, will man Autofahrer von der Straße und hinein in die öffentlichen Verkehrsmittel holen. Zugunsten der grünen Wende sowie der gewollten Reduktion des CO2-Ausstoßes. Das Problem ist, neben den unzuverlässigen Fahrzeiten vor allem bei der Deutschen Bahn, dass Tickets für Bus und Bahn unerschwinglich sind.

Und das hat sich in den vergangenen Jahren nicht zum Besseren gewendet, wie eine Statistik des Statistischen Bundesamts offenlegt. Anders, als von der Politik hinsichtlich der Verkehrswende hin zu einer klimafreundlichen Nutzung, sind die Preise für den Nahverkehr seit 2015 stetig gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt im Allgemeinen um satte 19 Prozent. Verbundtickets beispielsweise, die die Nutzung von Bus, Bahn und Co. ermöglichen, wurden um 13 Prozent teurer. Einzel- und Tageskarten für Erwachsene stiegen im Vergleich zu 2015 um 14,4 Prozent, was leicht unter dem Durchschnitt liegt. Im gleichen Zeitraum stiegen die generellen Verbraucherpreise deutlich geringer, „nur“ 16,2 Prozent.

Auch ein Blick auf 2022 zeigt, dass die sukzessive Preiserhöhung weitergeht, obgleich derzeit auch ein wenig geringer. Im Vergleich zum März 2021 zahlten Kunden für Bahntickets im Nahverkehr im April 2022 2,6 Prozent mehr. Mit dem 9 Euro-Ticket erhofften sich nun viele, dass sich der Nahverkehr und damit auch die Preisgestaltung zugunsten der Verbraucher verbessert. Doch das ist Augenwischerei.

Teurerer Nahverkehr nach 9 Euro-Ticket?

Bevor das günstige Ticket in den Verkauf startete, keimte Hoffnung. Wird der Nahverkehr dadurch revolutioniert, holt er Autofahrer in Busse und Bahnen? Und vor allem: Wird der öffentliche Nahverkehr für Verbraucher erschwinglicher? Diese Hoffnung wird nun jäh im Keim erstickt und das Gegenteil prognostiziert.

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, wird ein deutlicher Preisanstieg für Bus- und Bahntickets nach August erwartet – wenn auch nicht gleich im September. Der Grund ist simpel wie offensichtlich: die hohen Spritpreise. Schaut man eine Ebene tiefer, kommen auch fehlende Ausgleichszahlungen für die lokal ansässigen Verkehrsunternehmen hinzu, erklärt Ingo Wortmann, der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) im Interview mit dem RND. Diese Differenz sowie die fehlenden Gelder durch das 9 Euro-Ticket müssen langfristig wieder erwirtschaftet werden, was man letztlich auf die Fahrpreise für Busse und Bahnen umschlagen müsse.

Wortmann sieht darüber hinaus nicht, dass nach Ablaufen des 9 Euro-Tickets mehr Menschen mit Bus und Bahn fahren werden. „Alle bisherigen Erfahrungen mit besonders günstigem ÖPNV zeigen: Zuerst muss das Angebot stimmen, der Preis ist zweitrangig“, so Wortmann gegenüber dem RND.

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6 KOMMENTARE

  1. Daniel

    Sollen sie versuchen den Preis anzuheben, dann werde ich mit einem Lächeln entweder laufen oder schwarz fahren! Verarschen können die gerne sich selbst.

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  2. Frei

    Durch die Unterstützung der pro USA Sanktionen gegen Russland, wird noch vieles sehr sehr viel teurer!
    Es schadet den Menschen!
    Es nutzt nur der USA, und der USA Waffenindustrie.

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  3. Frei

    Die durch Sanktionen gegen Russland und Nordstream2 verursachte Energiepreis- Steigerungen, werden auch die Betriebskosten für Bahnen steigern. Denn auch die fahren mit Diesel oder Strom… Und IHR bezahlt es!

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  4. Geringverdiener

    Wenn ich mit der Bahn jeden Tag zur Arbeit fahren würde, wären die Kosten mit Monatstickets doppelt so hoch, wie mit dem Auto (2,20 €/l gerechnet). Das ist nicht bezahlbar. Die 3 Monate für 27 Euro nehme ich dankend mit, danach werde ich wieder meinen 18 Jahre alten Kleinwagen bemühen.
    Um dauerhaft was für das Klima zu tun, müssen die Kosten dafür für den Normalverbraucher dauerhaft massiv sinken.

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  5. Tim

    In Österreich klappt es doch auch mit dem 365 Euro Ticket.
    Wieso wird es dann in Deutschland immer teurer? Irgendwie hat es Österreich ja auch geschafft.Bei den Preisen hier und der Unpünktlichkeit und zudem zu Stoßzeiten so überfüllt,dass man Angst haben muss nicht mehr mit zu kommen.Lieber zahle ich die hohen Spritpreise. Dann sitze ich im warmen auf mein Sessel und habe mein Privaten Bereich.

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  6. XY

    Nach dem 9 Euro Ticket kommt erst einmal die große Fahrpreiserhöhung. Und diesmal soll sie in Höhe der Inflationsrate ausfallen. Sollte dem die Politik nicht zustimmen, wird es eine deutliche Angebotseinschränkung geben. Das sagte mir ein Mitarbeiter eines großen Verkehrsverbundes. Über ein 365 Euro Ticket wird z. Z. nicht nachgedacht. Unser FDP Finanzminister Lindner will eigenen Angaben zu Folge seine Kasse für weitere Entlastungen der Bürger geschlossen halten. Die FDP wird wieder einmal ihrem Ruf gerecht, die Partei der Besserverdienenden zu sein und auch zu bleiben.

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