Mobilfunkpakt: Bund und Netzbetreiber stopfen Funklöcher - 1&1 inklusive

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Wer viel in Deutschland unterwegs ist, wird die weißen Flecken bemerkt haben, die die Mobilfunkversorgung vor allem im ländlichen Bereich noch aufweist. Bundesminister Andreas Scheuer nimmt nun die Netzbetreiber an die Kandare: Ein Mobilfunkpakt soll aus Flickenteppich Flächendeckung machen.
Mann installiert Antennen auf Mast
O2 NetzausbauBildquelle: O2

Besonders das LTE-Netz macht den Netzbetreibern zuweilen zu schaffen: Abseits der Städte ist mobiles Internet zu häufig auf langsame UMTS- oder GPRS-Netze angewiesen, da Deutschlands Netzbetreiber noch kein flächendeckendes 4G-Netz bereitstellen können. Und das wo der Nachfolger 5G bereits in den Startlöchern steht.

Dieses Problem hat auch die Bundesregierung längst erkannt und mit den deutschen Netzbetreibern Telekom, Vodafone, Telefónica und sogar 1&1 Drillisch eine Vereinbarung geschlossen, die dem Netzausbau Beine machen soll. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) – sein Ministerium ist ebenfalls zuständig für digitale Infrastruktur – verkündete ehrgeizige Ziele der Ausbauoffensive: „99 Prozent der deutschen Haushalte werden bis Ende 2020 unterbrechungsfrei telefonieren und surfen können“, so Scheuer. Erreicht werden soll dies mit mehr als 1.400 neuen Sendemasten, die in den nächsten Monaten ans Netz gehen sollen.

99 Prozent der deutschen Haushalte zu versorgen ist aber nicht alles, wozu sich die Netzbetreiber gegenüber dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur verpflichtet haben. Ein Jahr später, also 2021, sollen nämlich auch 99 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland mit schnellem 4G-Mobilfunk versorgt sein. Also nicht nur in bevölkerungsreichen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder Bayern, sondern auch in dünn besiedelten Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen.

„Unsere heutige Unterschrift unter den Mobilfunkpakt ist ein klares Commitment gegenüber Deutschlands Mobilfunkkunden und dem Wirtschaftsstandort“, findet Telefónica-Chef Markus Haas, mahnt aber an: „Dieser Pakt kann nur ein erster Schritt gewesen sein. Für die Bevölkerung und die Wirtschaft dieses Landes braucht es ein langfristiges und tragfähiges Gesamtkonzept für die Entwicklung der Mobilfunkinfrastruktur.“ Dieses Konzept schließt für den O2-Chef auch verlängerte Nutzungsrechte für die vergebenen Frequenzen ein.

Scheuer macht Angebot, das Mobilfunker nicht abschlagen konnten

Nach der langwierigen und für die Mobilfunk-Anbieter kostspieligen 5G-Auktion hat die Bundesregierung schlagkräftige Argumente für ihren Mobilfunkpakt. Und die dürfte sie auch ausgespielt haben. So erhalten die Netzbetreiber die Möglichkeit, die für die 5G-Frequenzen fälligen Entgelte bis 2030 in Raten zu begleichen. Günstiger als dem Bund den fälligen Milliardenbetrag in einem Stück zahlen zu müssen. Telekom-Vorstand Dirk Wössner hält dies für ein wichtiges Signal für den 5G-Aufbau:

„Ein Jahr nach dem Mobilfunkgipfel haben wir einen entscheidenden Schritt gemacht, um Funklöcher zu schließen. Wir halten unsere Versprechen zum Netzausbau - indem wir weiße Flecken konsequent schließen, jeden Tag. Mittlerweile haben wir rund 30.000 Standorte für Mobilfunk am Netz. Im Gegenzug haben wir uns nun über die Zahlungsmodalitäten für die Vergabe der 5G-Lizenzen geeinigt. Das ist wichtig. Denn nun haben wir Planungssicherheit und können mit 5G loslegen. Wir wollen 5G nicht nur schnell, sondern vor allem in zusammenhängenden Gebieten ausbauen. Weiße Flecken zu schließen, ist besonders wichtig. Denn damit wird die Basis gelegt, dass künftig auch dort 5G ausgebaut wird.“ Dr. Dirk Wössner, Deutsche Telekom

Und auch bei 1&1 nimmt man die Herausforderung des Netzausbaus an. „Mit dem Bau zusätzlicher Mobilfunkstandorte tragen wir zur flächendeckenden Mobilfunk-Versorgung bei und leisten einen Beitrag, dass insbesondere auch der ländliche Raum mit modernster Technologie versorgt wird“, sagt Unternehmenschef Ralph Dommermuth. „Kooperationen bei der Mobilfunk-Infrastruktur werden in den nächsten Jahren noch wichtiger werden, denn kein Netzbetreiber wird ein leistungsstarkes 5G-Netz für ganz Deutschland alleine bauen können.“

Trotz Mobilfunkpakt gelten die im Vorfeld der 5G-Versteigerung definierten Ziele für Deutschlands Netzbetreiber weiterhin. Dazu zählen die Versorgung aller Bundesautobahnen und der wichtigsten Bundesstraßen mit mindestens 100 MBit/s bis 2022. Außerdem aller übrigen Bundes-, Landes- und Staatsstraßen mit 50 MBit/s bis 2024. Sowie der wichtigsten Schienenwege mit mindestens 100 MBit/s bis 2022 und aller übrigen Schienenwege mit mindestens 50 MBit/s bis 2024.

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