Mobilfunk-Tarife: So teuer ist Deutschland im Vergleich wirklich

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Immer wieder geistern Studien durch die Gegend, in denen Deutschland als eines der teuersten Länder in Sachen Mobilfunk bezeichnet wird. Der Branchenverband Bitkom kommt nun zu einem anderen, überraschenden Ergebnis.
Mann mit Smartphone in einem Mobilfunk-Shop
Bildquelle: Igor Kardasov / Adobe Stock

Im Vergleich mit anderen großen Industrieländern liegen die Preise für Handy- oder Datenverträge durchweg im internationalen Schnitt. Das zumindest hat jetzt eine vom Bitkom beauftragte Studie ergeben. Speziell für Einsteiger und Normalnutzer sind die Tarife hierzulande demnach sogar günstig. Doch klar ist: Deutschland ist kein Billigland. Am günstigsten sind die Preise in Polen und Italien, am teuersten ist mobile Kommunikation in der Schweiz, den USA und Japan.

Untersucht hat das Marktforschungsunternehmen Tarifica die Preise in den Flächenländern Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen, Schweden, der Schweiz, Spanien und dem Vereinigten Königreich sowie außerhalb Europas in den USA und Japan. „Was die Kosten angeht, so ist Mobilkommunikation in Deutschland viel günstiger als angenommen. Der deutsche Mobilfunkmarkt ist hart umkämpft, vor allem bei Einsteigertarifen ist der Preisdruck hoch“. Das sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Nutzerprofile zum besseren Vergleich

Der Preisvergleich orientierte sich an sechs exemplarischen Nutzerprofilen, „die das gesamte Spektrum der Mobilfunknutzung abdecken“, so heißt es. Allerdings: Datenflatrates hat man außen vor gelassen. Auch haben die Ersteller der Studie für jedes Land nur die größten Anbieter in die Betrachtung einbezogen. In Deutschland seien das elf Anbieter gewesen, teilte man auf Nachfrage mit. Angesichts der Vielfalt auf dem deutschen Markt erscheint das doch recht wenig.

Folgt man den Ergebnissen der Studie, zählt Deutschland bei leistungsärmeren Tarifen zu den günstigeren Ländern. Für Gelegenheitssurfer und Normalnutzer belege Deutschland den vierten Platz. Bei diesen Profilen werden 1 beziehungsweise 3 GB Daten im Monat mit bis zu 20 Mbit/s angenommen, beim Normalnutzer kommen noch 150 Gesprächsminuten hinzu.

Für Nutzer mit geringer Leistungsnachfrage haben deutsche Anbieter zudem die zweitniedrigsten Durchschnittskosten aller untersuchten Länder. Im günstigsten Tarif zahlen Verbraucher in Deutschland im Schnitt 5,20 Euro pro Monat. Die billigsten Tarife für beide leistungsärmeren Profile dieser Studie bietet jeweils Polen, gefolgt von Italien und Spanien. Die höchsten Preise zahlen Einsteiger in der Schweiz mit mehr als 14 Euro monatlich.

Premium-Leistung in Premium-Tarifen – zum Premium-Preis

„Hohe Download-Geschwindigkeiten bieten vor allem Premiumtarife“, so Berg. Auf Rang sieben liegt Deutschland bei Nutzern, die das Internet intensiv nutzen und zudem überdurchschnittlich viel telefonieren. Bis zu 20 GB mit 20 Mbit/s und 250 Minuten haben die Tester angenommen. Laut der Studie können Submarken und Dienstleister ohne eigenes Netz in Deutschland die vergleichsweise hohen Anforderungen dieses Profils nicht abdecken.

Für sogenannte Heavy-User liegen die Preise in Deutschland auf Rang 6 der zwölf untersuchten Länder. Hier wurden 40 GB, 250 Minuten und 200 Mbit/s angenommen. Damit liegt Deutschland vor Großbritannien, Finnland und Spanien. Vor allem in Polen und Italien, aber auch in Frankreich sind entsprechende Leistungspakete günstiger.

Ein Grund dafür sei die Tarifstruktur in Deutschland, die große Datenvolumen und hohe Download-Geschwindigkeiten nur über Premiumtarife abdecke. „Wer in Deutschland Intensivnutzer ist, zahlt zwar einerseits etwas mehr als in manchen Nachbarländern“, so Berg. „Dafür bekommen Heavy-User hierzulande aber auch mehr Zusatzdienste geboten.“ Hier spielt er auf Zero-Rating-Dienste wie Stream On der Telekom an. „Zero-Rating-Angebote sind eine Besonderheit des deutschen Marktes.“, so Berg. Über alle Nutzerprofile hinweg seien Mobilfunkpreise in Deutschland durchweg günstiger als in Finnland, Japan und den USA und sie sind durchgängig teurer als in Polen und Italien.

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4 KOMMENTARE

  1. Eine Korrektur: Datenflatrates sind in der Bitkom/Tarifica-Studie durchaus berücksichtigt. In das Heavy User-Profil fließen Tarifpakete mit mindestens 200 GB ein, das sind in der Praxis vielfach Datenflatrates. Auch im lesenswerten Abschnitt zu Finnland wird darauf hingewiesen, dass alle betrachteten Tarife unbegrenzte Daten bieten. Die Aussage im Artikel, dass Datenflatrates außen vor gelassen wurden, ist nicht zutreffend.

    • Die Aussage ist falsch. Im Heavy User Profil sind lediglich 40 GB berücksichtigt, nicht 200 GB. In der PK zur Studie wurde auf Nachfrage explizit darauf verwiesen, dass die recht hochpreisigen Datenflatrates für dieses Profil keine Rolle gespielt haben.

  2. Das Problem ist nicht nur die knappe Ressource „Datenvolumen“ des Kunden, sondern deren unerwünschte Verschwendung, die sie noch knapper macht.

    Je schneller die Verbindung ist, die man hat, desto mehr Datenvolumen geht drauf für Werbevideos, die einem mit der Webseite aufs Handy geschaufelt werden. 50 bis 90 Prozent schätze ich, wenn man eigentlich nur den Text eines Zeitungsartikels lesen wollte. Das ist echt bitter.

    Bei einer langsamen Verbindung wie Edge werden solche Filmchen meist gar nicht erst geladen. Das hat damit immerhin den positiven Nebeneffekt, dass man einiges an Volumen einspart.

  3. Hier hat jemand (absichtlich?) falsch recherchiert, Faktencheck mal bitte!
    Deutschlands Internet und Mobilfunktarife sind von Preisleistung absolut mieserable, nur Griechenland und Schweiz sind teurer. Doch das LTE ist dort ebenfalls besser! Was hier beschrieben wird ist eine Ente, da wurde geschönt um Telecom und Co gut dastehen zu lassen. Pfui! Schämt euch!

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