Mobilfunk-Ausbau: So will Deutschland alle Funklöcher schließen

3 Minuten
Gerade erst haben sich des Bundesverkehrsministerium und die vier Mobilfunk-Anbieter auf einen Vertrag geeinigt, der zu besseren Handynetzen führen soll. Doch damit werden noch nicht alle weißen Flecken beseitigt sein. Einer der möglichen Pläne für ein flächendeckendes Netz: Eine staatliche Förderung von Sendemasten.
Ein Mobilfunk-Sendemast vor blauem Himmel
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside handy

Auf dem Gigabit-Symposium 2019 in Berlin, veranstaltet von verschiedenen Breitband-Lobby-Verbänden, gab es in dieser Woche Einblicke in die Pläne der Regierung, wie man die weißen Flecken in Deutschland schließen könne. Zwar ließ sich der eigentlich angekündigte Bundesminister Andreas Scheuer (CSU) kurzfristig entschuldigen, ließ sich aber durch seinen parlamentarischen Staatssekretär Steffen Bilger vertreten. Ungewohnt offen und direkt sprach der über die immer noch bestehenden Probleme und Herausforderungen für die Zukunft.

Bemerkenswert ist der Eingriff der Politik vor allem, weil sich der Staat in den vergangenen Jahren im Mobilfunkmarkt kaum regulatorisch eingemischt hat. Lediglich über die Stellschraube der 5G-Frequenzauktionen wirkte er beispielsweise mit Ausbauauflagen ein. Zuletzt suchte das Bundesverkehrsministerium aber den Schulterschluss mit den Netzbetreibern. Heraus kam ein Mobilfunkpakt, der in der vergangenen Woche auf rechtlich verbindliche Beine gestellt wurde. Der Deal: Mehr Sendemasten von den nunmehr vier Anbietern, dafür müssen sie die Milliarden-Beträge aus der 5G-Auktion erst später zahlen.

„Wir haben zu viele weiße Flecken“

Das Ziel: 99 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland bis 2021 mit LTE zu versorgen. Doch auch dann werden noch weiße Flecken bleiben. „Wir haben zu viele weiße Flecken in unserem Land“, sagte Bilger. Es seien massive Investitionen in die Netze notwendig. „Wir werden den Rahmen schaffen, damit noch mehr Investitionen in die Netze möglich sind. Auch die letzten Funklöcher müssen verschwinden.“

Staatssekretär Bilger
Staatssekretär Bilger

Dazu ist der Staat offenbar auch zu einem Schritt bereit, der bisher als ausgeschlossen galt: „Als ultima ratio müssen wir den Ausbau in extrem unwirtschaftlichen Gebieten auch staatlich unterstützen.“ Denkbar in diesem Zusammenhang sei auch, für die weißen Flecken eine Auktion zu veranstalten: Der Netzbetreiber, der einen weißen Fleck ausbaut und mit den wenigsten Fördermitteln auskommt, könne den Zuschlag bekommen. Ob dieser Standort dann wegen der Förderung auch für die anderen Anbieter zur Verfügung stehen muss, ist unklar.

Verlängerung der LTE-Flächenfrequenzen statt Auktion?

Dazu gebe es verschiedene Methoden, die man derzeit diskutiere. Eine davon sei die mögliche Verlängerung der sogenannten Flächen-Frequenzen. Dabei geht es um das LTE Band 20, mit dem LTE auf dem Land angeboten wird. Diese Lizenzen laufen Ende 2025 aus, es würde also in drei bis vier Jahren die nächste Auktion anstehen, die die Netzbetreiber erneut Geld kostet. Es ist allerdings zu erwarten, dass der Neueinsteiger 1&1 hier auf die Barrikaden geht, denn er ginge leer aus. Eine Auktion würde allerdings wohl sehr teuer werden. Der Grund: Derzeit hält jeder der drei etablierten Netzbetreiber ein Spektrum von 10 Megahertz, es gibt in Summe nur 30 Megahertz. Das müssen sich künftig vier Anbieter teilen.

Auch überlege das Bundesverkehrsministerium, gezielte Förderungen für Kommunen aufzulegen. Wenn diese einen möglichen Mobilfunkstandort errichten, den sie dann an die Mobilfunker vermieten, soll dies gefördert werden. Letztlich müsse aber auch die Akzeptanz für Mobilfunkmasten in der Bevölkerung erhöht werden, schließlich müssten die Masten möglichst dort gebaut werden, wo der Bedarf besteht und nicht auf der grünen Wiese.

Deine Technik. Deine Meinung.

1 KOMMENTAR

  1. Sehr wohl müssen die Masten gerade auf der grünen Wiese gebaut werden. Im Haushalt hat man ja noch Wlan und WifiCalling. Über Land hingegen kann ich bislang nicht einmal telefonieren. Neulich habe ich versucht, im ICE zwischen Nürnberg und München im Telekom-Netz zu telefonieren. Die Verbindung brach ständig ab. Entweder, da es auf der grünen Wiese neben den Gleisen keine Masten gab oder, weil ich Tunnel war.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen

VERWANDTE ARTIKEL