Lufthansa-Schock: Essen und Getränke nicht mehr kostenlos

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Wenn du in Zukunft mit Lufthansa, Austrian Airlines oder Swiss in der Economy Class abhebst, musst du dich auf Änderungen einstellen. Denn anders als bisher sind Snacks und Getränke nicht mehr kostenlos.
Lufthansa Kabinenservice
Borservice bei Lufthansa: Bisher kostenlos, ab Frühjahr 2021 nicht mehr.Bildquelle: Lufthansa

Eine Konzernmitteilung, die Lufthansa am Dienstag verschickte, liest sich auf den ersten Blick vielversprechend: „Größere Auswahl an Bord: Qualität und Frische mit regionalem Bezug bei Speisen und Getränken“, heißt es dort. Also ist künftig Schluss mit den lieblos zusammengepappten Graubrot-Sandwiches? Durchaus, ja. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn viel entscheidender ist, dass Speisen und Getränke in der Economy Class ab Frühjahr kommenden Jahres nicht mehr kostenlos sind. Und das nicht nur bei Lufthansa selbst, sondern auch bei den zum Unternehmen gehörenden Partner-Airlines Austrian und Swiss.

Lufthansa: Premium-Charakter geht immer mehr verloren

Auf der Kurz- und Mittelstrecke bis zu drei Stunden Flugzeit werden in Zukunft alle Gesellschaften der Lufthansa Group ausgewählte Snacks und Getränke in der Economy Class nur noch gegen Bezahlung anbieten. Je nach Airline in unterschiedlichen Ausprägungen und teilweise mit regionalen Bezügen. Bei Austrian lässt sich dann zum Beispiel ein gebackenes Hühnerschnitzel, Kaiserschmarrn oder Apfelstrudel käuflich erwerben. Damit folgen die drei Premium-Airlines den ebenfalls zur Lufthansa Group gehörenden Gesellschaften Eurowings und Brussels Airlines. Dort ist schon länger für Extra-Leistungen an Bord Geld zu zahlen.

Kostenlos ist in der „Holzklasse“ bei Lufthansa und Swiss in Zukunft nur noch eine Flasche Wasser, die kurz vor oder kurz nach dem Start an Passagiere verteilt wird. Der bisher gereichte Gratis-Snack ist nicht mehr Teil des Service-Konzepts an Bord. Bei Austrian dürfen sich Passagiere ab Frühjahr kommenden Jahres nur noch auf einen „Signature Treat“, ein süßes Gastgeschenk, freuen. Dort ist nicht einmal mehr die kostenlose Wasserflasche an Inklusivleistungen vorgesehen. Die bei Swiss beliebte Schöggeli bleibt jedoch erhalten.

Lufthansa übernimmt den Eurowings-Standard

Mit der neuen Preispolitik setzt Lufthansa ein in der Corona-Krise eingeführtes Prozedere in Zukunft nahtlos fort. Schon seit einigen Monaten sind in der 2. Klasse auf Europa-Flügen keine spezifischen Getränke-Wünsche mehr möglich. Ziel dieser Maßnahme war es eigentlich, vorübergehend die Kontakte zwischen Kabinenbesatzung und Passagieren auf das Nötigste zu reduzieren. Jetzt versucht Lufthansa, mit der Verpflegung an Bord zusätzliches Geld zu verdienen.

Geld, dass die Kranich-Airline dringend nötig hat. Denn allein zwischen Juli und September ging der Umsatz wegen des im Zuge der Corona-Pandemie eingebrochenen Flugverkehrs um satte 74 Prozent auf 2,66 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich sorgte das für einen Quartalsverlust von 1,97 Milliarden Euro – nach einem Gewinn von 1,15 Milliarden Euro ein Jahr zuvor.

Umsetzung ab Anfang 2021

Christina Foerster, bei Lufthansa unter anderem für das Kundenerlebnis an Bord zuständig, sagt: „Unser bisheriges Snackangebot in der Economy Class erfüllt häufig nicht die Erwartungen unserer Gäste. Das neue Angebot wurde auf Basis unserer Kundenfeedbacks entwickelt. Mit dem kostenpflichtigen, dafür qualitativ hochwertigen Angebot werden unsere Passagiere ganz individuell entscheiden können, was sie auf ihrer Reise essen und trinken wollen.“

Die Einführung des neuen Angebots erfolgt gestaffelt im Frühjahr 2021: Austrian Airlines beginnt, Swiss und Lufthansa folgen. Am Service in der Business Class werden keine Anpassungen vorgenommen.

Hayo Lücke

Kommentar

Von Hayo Lücke

Das Billigflieger-Konzept ist auf der Kurz- und Mittelstrecke endgültig bei Lufthansa angekommen. Bisher unterschied sich zumindest der Service an Bord bei Deutschlands namhafter Airline auf Europaflügen noch von Discount-Fliegern wie Ryanair und Easyjet. Ab Frühjahr 2021 müssen sich nun auch Lufthansa-Passagiere damit arrangieren, dass an Bord (fast) alles extra kostet.

Damit verabschiedet sich die Kranich-Airline endgültig von ihrem Premium-Ansatz. Und Corona-Krise hin oder her: das ist einfach nur schade.

Auf der anderen Seite aber auch ein Stück weit nachvollziehbar, wenn man einen Blick auf die hohen Verluste blickt, die Lufthansa in diesen Tagen Woche für Woche einfliegt. So oder so gilt für die Zukunft: Kostenloser Service auf der Kurz- und Mittelstrecke? Das war einmal!

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1 KOMMENTAR

  1. Vor vielen Jahren ging in Deutschland eine noble Privatbank beinahe pleite. Der persönlich haftende Gesellschafter beschrieb seine Situation etwa so. Bevor ich ins Büro ging trank ich am Morgen eine Tasse heisse Schokolade und machte einen Ausritt mit meinem Pferd. Ich habe die heisse Schokolade weg gelassen. Nach einiger Zeit wurde mir dann klar, dass ich mir die Schokolade weiterhin leisten kann aber das Pferd abschaffen muss.
    Mir kommts so vor, dass die Lufthansa noch einge Zeit braucht, um zu sich klar zu werden was die Stunde geschlagen hat.

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