Konkurrenz für Telekom, Vodafone & O2: Das 1&1-Netz ist ein Ritt auf der Rasierklinge

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2019 hat 1&1 seine 5G-Frequenzen ersteigert. Das sorgte für Kopfschütteln in der Branche. 18 Monate später hat 1&1-Chef Dommermuth alle Puzzle-Teile für den Start des Netzausbaus zusammen. So gezielt seine Pläne seit Jahren sind, so sehr ist es auch ein Ritt auf der Rasierklinge. Ein Kommentar.
1&1 Zentrale in Montabaur
1&1 Zentrale in MontabaurBildquelle: 1&1

Mindestens seit 2014 muss es das Ziel von United-Internet-Chef Ralph Dommermuth gewesen sein, ein eigenes Mobilfunknetz in Deutschland aufzubauen. Denn der Mann, der mit seiner Firma als erstes Unternehmen überhaupt in großem Stil schon 1992 BTX-Zugänge der Telekom unter eigenem Namen verkaufte, tut selten etwas ohne langfristigen Plan.

Netzbetreiber-Ambitionen schon seit mindestens 2014

In seiner Karriere baute er sich ein IT-Imperium auf, das nun die Grundlage für sein erstes eigenes Netz ist. Dabei sind im United-Internet-Komplex schon seit langem Firmen zu finden, die eigene Netze betreiben. Sie sind aber aufgekauft – so wie das Glasfaserunternehmen Versatel, das Dommermuths Firma im Herbst 2014 übernahm.

Im Sommer desselben Jahres unterschrieb Drillisch die Vereinbarung zur Nutzung des O2-Netzes als virtueller Netzbetreiber, der Zugriff auf 30 Prozent der Kapazitäten des Netzes hat. Schon dieser Vertrag sah vor – wenn man ihn genau las –, dass er Drillisch den Weg ebnet, vom Provider zum Netzbetreiber zu werden. Schon damals gehörte Drillisch zu 20 Prozent zu United Internet. Das Ziel Dommermuths war aber schon erkennbar, bis er 2017 Drillisch in die United Internet eingliederte und 2019 die notwendigen Frequenzen ersteigerte.

1&1 betritt Neuland

Ralph Dommermuth
Ralph Dommermuth

Nun also der nächste Schritt, den man mit der mit Telefónica geschlossenen Vereinbarung über das National Roaming nun final gehen kann. Dieser Schritt wird zum Ritt auf der Rasierklinge. Warum? Erstmals muss Dommermuths Imperium ein eigenes Netz aufbauen. Das ist völliges Neuland für das Imperium, das sich bisher bestehende Infrastrukturen samt der Teams einkaufte.

Es ist Neuland, das leicht unterschätzt werden kann. Denn es steckt weitaus mehr hinter einem Mobilfunknetz, als ein paar Sendemasten irgendwo hinzustellen. Man muss sich um perfekte Signale für die Kunden kümmern, Netze optimieren, Genehmigungen einholen, Verträge für Roaming und Gesprächsübergaben in andere Netze schließen und vieles, vieles mehr. Dabei bleibt kaum noch Zeit. Ende 2022 laufen die ersten Fristen zum Aufbau des Netzes aus.

Dommermuth ist nicht der Erste, der sich daran versucht, Telekom, Vodafone, O2 und damals noch E-Plus Konkurrenz zu machen. Die Älteren werden sich beispielsweise an Quam und mobilcom-debitel erinnern, die Anfang der 2000er Jahre eigene Netze aufbauten. Sie verschwanden so schnell wieder, wie sie kamen. Zu groß waren damals schon die Probleme und die Steine, die man ihnen in den Weg legte.

Dabei waren die Kunden damals noch nicht so anspruchsvoll und die Endkundenpreise im Discounter-Segment so im Keller wie heute. Beides in Kombination dürfte es sein, was 1&1 Probleme bereiten wird. Kunden sind heute entweder über ein enorm gutes Netz und die damit verbundene Qualität zum entsprechend hohen Preis zu gewinnen. Oder aber über den Preis. Ein gutes Netz im Sinne von Telekom-Niveau wird 1&1 auf Jahre nicht bieten können. Und Discount-Preise stehen im Widerspruch zu einem Ausbau, der Milliarden kosten wird.

Es ist 1&1 und dem deutschen Markt zu wünschen, dass die Transformation vom Provider zum Netzbetreiber gelingt. Es würde noch einmal Schwung in den Markt bringen – und sicher auch die ein oder andere Innovation. Doch es bleibt das Risiko, dass 1&1 mit seinen eigenen Sendemasten genauso schnell wieder verschwindet, wie man das Netz nun aufbauen muss.  Gleichzeitig darf man aber auch nicht vergessen, mit wem man es zu tun hat und bei welchen Firmen Dommermuth seine Finger im Spiel hat. Wenn einer es schaffen kann, einen vierten Netzbetreiber in Deutschland zu etablieren, dann er.

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