Kommentar: Darum überraschen Telekom und Vodafone bei 5G

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"5G wird teuer", "Niemand wird 5G bezahlen können." Da waren sich spätestens nach der Milliarden-Frequenz-Auktion alle einig. Doch die Netzbetreiber strafen Kunden und Branchenkenner gleichermaßen Lügen. Und das ist gut so, kommentiert unser Redakteur Thorsten Neuhetzki. Doch nicht alles, was glänzt ist Gold.
5G Logo
Bildquelle: Hayo Lücke / inside digital

Blicken wir zurück in die Jahre 2010 und 2011. LTE erblickte in Deutschland gerade das Licht der Welt. Die ersten Sendemasten wurden in der Szene genauso beklatscht wie die heutigen ersten 5G-Sender. Tech-Journalisten machen sich auf den Weg für erste Speedtests, sammeln Erfahrungen und teilen ihren Lesern, Zuschauern und Zuhörern mit, warum LTE alles verändern wird. Genau so ist es heute bei 5G auch. Und doch gibt es gravierende Unterschiede.

Zum LTE-Start gab es keine LTE-Handys

Denn als 2010 und 2011 die Netzbetreiber die ersten Sendemasten „on air“ nahmen, gab es eines nicht: LTE-Handys. LTE war zunächst nur für den Computer verfügbar – in Form von USB-Surfsticks. Das ist bei 5G anders: Smartphones von Huawei und Samsung sind schon jetzt zu haben, USB-Surfsticks hingegen nicht. Und noch etwas ist anders: Der Kunde braucht seit dieser Woche keinen separaten 5G-Tarif mehr – und das noch, bevor man eigentlich von einem echten 5G-Start sprechen kann.

Zwar hat Vodafone 50 Standorte in ganz Deutschland an sein Netz angeschlossen, doch ein Netz ist das noch lange nicht. Und die Telekom hat erst mit der IFA ihr Netz in fünf Städten in Betrieb genommen. Das aber gleich mit einer Ansage: Denn statt wie noch im Frühsommer geplant eine hohe zweistellige Grundgebühr für einen 5G-Vertrag zu verlangen, berechnet die Telekom in ihren neuen Magenta Mobil-Tarifen nun gar nichts mehr für 5G. Es ist inklusive. Das liegt wohl auch an Vodafone, die erst 5G für 5 Euro angeboten haben, nach kurzer Zeit aber selbst diesen Aufpreis wieder strichen.

5G: Kein Aufpreis aber auch kein billiger Jakob

Das ist gut so. Denn so ist die Hürde, 5G auch wirklich zu nutzen, für die Kunden deutlich niedriger. Sie brauchen neben einem normalen Tarif von (mindestens) einem der beiden Netzbetreiber dann nur noch ein 5G-Handys. Und die werden in den kommenden Monaten nach und nach auf den Markt kommen – genau so wie die Sendemasten. Der günstigste Tarif bei Vodafone mit 5G liegt derzeit bei 29,99 Euro (im ersten Jahr günstiger) und bei der Telekom bei 39,95 Euro monatlich. Junge Kunden zahlen 10 Euro weniger. Es bleiben also Tarife, die ein Teil der Kunden als Apothekenpreise bezeichnet. Doch immerhin kommt zu den Apothekenpreisen nicht noch ein Nachtzuschlag dazu.

Zum billigen Jakob wird 5G also wohl dennoch nicht. Denn die Netzbetreiber sind nicht verpflichtet, den Providern und Discountern 5G anzubieten. Es gibt nur ein Verhandlungsgebot. Was dabei rauskommt, muss man abwarten. Wer sich anguckt, wie lange es gedauert hat, bis Vodafone und Telekom ihren Wiederverkäufern LTE angeboten haben, der kann sich grob ausrechnen, dass es lange dauern wird, bis der neue Mobilfunkstandard für die breite Masse erschwinglich ist.

Und: Selbst mit den aktuellen Netzbetreiber-Tarifen sind die Datenvolumen schneller aufgebraucht, als der 5G-Nutzer „Speedtest“ sagen kann. 12 GB Datenvolumen sind bei einem Downstream mit 1 Gbit/s nach einer Minute und 36 Sekunden aufgebraucht. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja auch hier noch ein Umdenken – in Richtung echter Flatrates ohne Limit.

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