Klassisches TV vs. Streaming-Dienste: Wie Netflix und Co. immer mehr Zuschauer abwerben

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Die Medienwelt befindet sich seit geraumer Zeit im Wandel. In der Vernetzung und Kommunikation sind es vor allem Soziale Netzwerke, die den zwischenmenschlichen Umgang nachhaltig beeinflussen. In puncto Unterhaltung scheinen Streaming-Dienste das klassische Fernsehen abzulösen. Das könnte für sogenanntes lineares Fernsehen zum Problem werden.
Das Netflix Logo in Los Gatos
Bildquelle: Netflix

Es wird immer wieder betont, ist aber auch so mehr als deutlich: Das klassische Fernsehen kann vor allem junge Leute nicht mehr begeistern und für sich gewinnen. Die Konsequenz: Immer weniger Menschen schauen die typischen TV-Formate. Stattdessen wechseln sie zu den neuen, großen Playern am Markt, den Streaming-Diensten. Das Aus für lineares Fernsehen?

Zu dieser Frage gehen die Meinungen auseinander. Immer wieder werden Studien zur Nutzung von Fernsehen und Streaming-Diensten gemacht. Auf der einen Seite wird prophezeit, dass sowohl lineares Fernsehen sowie non-lineare Streaming-Dienste parallel auf dem Markt existieren können. Auf der anderen Seite malt man die Zukunft des Fernsehens düster aus. So auch das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatungsgesellschaft Roland Berger und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

„Zur Zukunft deutscher Fernsehanbieter in digitalen Streaming-Zeiten“

Die Studie bestätigt im Prinzip das, was unter anderem deutsche Fernsehanstalten schon seit geraumer Zeit mit Sorge beobachten: das lineare Fernsehen verliert immer mehr Zuschauer. Was in den 1950er Jahren zum Highlight des Familienabends gehörte, finden vor allem junge Menschen heute bei Netflix und Co. Wie die Studie zeigt, werden die Zuschauer des klassischen Fernsehen zusehends älter. Die Herausforderung für lineare Fernsehangebote: Den Spagat zwischen älteren und jüngeren Zuschauern hinzubekommen. Ein gutes Beispiel: Die Tagesthemen rund um den noch jungen „Anchorman“ Ingo Zamperoni, der mit eben diesem Auftrag vor knapp drei Jahren als Tagesthemen-Moderator in die ARD gelotst wurde. Zweifelsohne keine einfache Aufgabe.

Auch die Studie belegt, dass nur noch knapp 54 Prozent des Fernsehkonsums in das klassische TV-Format fließt. Schon jetzt verbringen Deutsche im Schnitt 10,5 Prozent ihrer Sehzeit mit dem hierzulande populären Dienst Netflix. Hinzu kommt, dass in der jungen Generation zwischen 16 und 29 Jahren bereits mehr als 85 Prozent einen Streaming-Dienst nutzen. Auch die unter 30-jährigen tendieren immer stärker zu Netflix, Amazon Prime Video und Co., sodass sich die Nutzung um bis zu 42,3 Prozent erhöht hat.

Ein weiteres Problem, das die Studie anspricht: Unter den hier führenden Streaming-Anbietern sind zwei amerikanische Dienste, gegen die deutsche Medien auf ihrem Heimatmarkt ebenfalls bestehen müssen. Resultierend aus diesen Tendenzen prophezeit die Studie, dass die traditionellen TV-Sender immer weniger Werbeeinnahmen oder Ähnliches erwirtschaften. Konkret erwartet man einen Rückgang über alle Sender hinweg zwischen 4,5 und 8,8 Milliarden Euro im Jahr.

Wie geht es weiter?

Den digitalen Wandel verschlafen? Den Generationenwechsel nicht oder zu spät bemerkt? Das Aus für die klassischen Medien, wie man sie bisher kannte? Fragen über Fragen, die alle nicht mit eindeutiger Bestimmtheit beantwortet werden können. Am Nutzerverhalten lassen sich immer nur Tendenzen ablesen, auf die entsprechende Unternehmen – wie in diesem Fall klassische TV-Anstalten – reagieren müssen, wenn sie neben neuen Wettbewerbern auch in Zukunft bestehen wollen.

Die Studie der Unternehmensberatungsgesellschaft Roland Berger und Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sieht dafür drei Optionen: Zum einen könnte ein geordneter Rückzug aus dem Markt helfen, bei dem sukzessive profitable Geschäftsbereiche abgestoßen werden. Andererseits könnte ebenso gut ein radikaler Wandel des Geschäftsmodells den TV-Anstalten zu mehr Interesse bei der jungen Generation verhelfen. Die dritte Option umfasst ebenfalls einen Geschäftswandel in allen Bereichen, zeitgleich aber auch eine synergetische Transformation.

Netflix als Vorreiter

Vor allem Netflix wird bei deutschen Nutzern laut der Studie als sympathische Marke wahrgenommen. ARD, ZDF, RTL und Co. könnten sich an Marken wie diesen orientieren, um einen Imagewandel vollziehen zu können. Das zielt dann vor allem darauf ab, dass die traditionellen Anstalten wissen müssten, was ihre Zuschauer sehen wollen. Denn Netflix und Co. ermitteln anhand eines Algorithmus, was zum jeweiligen Nutzer passt, um basierend darauf neue Film- und Serien-Vorschläge machen zu können. Laut der Studie gehen mittlerweile knapp sechs von zehn Sehstunden auf die personalisierte Empfehlung der Streaming-Dienste zurück. Wie sich dieses Wissen allerdings auf das lineare Fernsehprogramm übertragen lassen soll, steht in den Sternen.

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