Katastrophaler Katastrophenschutz: Deshalb werden die meisten Deutschen nicht gewarnt

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Warnapps wie NINA oder die App des Deutschen Wetterdienstes, Sirenen, Durchsagen: Die Katastrophen-Warnungen der deutschen Behörden sind schwer zugänglich, aufwendig oder langsam. Das soll sich ändern. Doch nun bahnt sich der nächste Tiefschlag an.
Eine Person der Feuerwehr vor einem Polizeiauto
Eine Person der Feuerwehr vor einem PolizeiautoBildquelle: Rico Löb/Pixabay

In einem Katastrophenfall sollen die Behörden die Bevölkerung warnen. Diese Warnung geschieht bisher unter anderem über Sirenen, Lautsprecherdurchsagen und Warn-Apps. Wie unzureichend diese Systeme funktionieren, ist gerade Diskussion rund um die Flutkatastrophe im vergangenen Jahr. Doch es soll alles besser werden. Und zwar mit Cell Broadcast. Die Technik ist vorhanden und man erreicht theoretisch eine riesige Menge an Menschen ohne App, aufwendige Sirenen und langsame Durchsagen der Feuerwehr oder Polizei. Doch jetzt zeigt sich, dass das deutsche System DE-Alert, das darauf beruht, ein großes Problem hat. 

Warnungen gehen nicht an alle

Wie die WirtschaftsWoche jetzt berichtet, steht es um den Hoffnungsträger nicht so gut, wie von vielen erwartet. Denn die Software, die dafür nötig ist, befindet sich gar nicht automatisch auf allen Handys und Smartphones in Deutschland. Die Bilanz ist dabei erschreckend: Nur Android-Smartphones mit den Versionen 11 und 12 besitzen die Fähigkeit, solche Warnungen zu empfangen. Das stellt für Besitzer von älteren Smartphones ein echtes Problem dar. Denn sie können die Software wohl nicht separat herunterladen und installieren, sondern muss in der Regel vom Smartphone-Hersteller über ein Update eingespielt werden. 

Apple beschickt wohl seine iPhones mit der Software erst im Herbst. Und dann versorgt Apple wohl auch nur diese, die iOS 16 bekommen. Damit fallen erstaunlich viele Geräte aus der Warnkette heraus. Das ist auch der Grund, so die WirtschaftsWoche, dass der geplante Warntag Anfang September abgesagt wurde. Die Projektverantwortlichen lassen sich in der WiWo mit den Worten zitieren, dass ein solcher Test  „nur eine große Enttäuschung werden“ würde. 

Warntag 2020 war ein Misserfolg

Schon der Warntag 2020, also der letztmalige Tag, an dem alle Warnsysteme in Deutschland auf die Probe gestellt wurden, wurde zum Desaster. Mit dem neuen System wollte man alles besser machen, doch nun scheint dieses Ziel in weite ferne gerückt. Aus Mobilfunkkreisen zitiert die WiWo folgenschwer: „Wenn wir mittelfristig 60 Prozent der Handys in Deutschland warnen können, wäre das schon ein guter Wert.“ Damit wäre die erhoffte flächendeckende Warninfrastruktur über Cell Broadcast eher ein Flickenteppich und erreichte nur Menschen mit neuen oder eher teureren Smartphones. 

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3 KOMMENTARE

  1. Frei

    Cell Broadcast + Warnapps sind leider nicht zuverlässig, und abhängig von u.a. GSM- Netz Infrastruktur.
    Die Akku in den GSM- Funkzellen reichen nur einige Stunden. Danach geht auch kein Cell Broadcast und auch keine Warnapps!
    Auch wenn z.B. bei Erdbeben die Glasfaser zu den Funkzellen reißen geht auch nix.
    Und Richtfunk- Anbindung geht nur wenn Strom an den Funkzellen noch ist.
    Dagegen sind die Sirenen autark, mit eigenen Stromversorgung und mit eigenen autarken Funkübertragung.
    Funktioniert auch bei Total- Blackout, Groß-Katastrophen, usw.
    Deswegen nutzen auch Militärs, Polizei, Rettungswesen und sonstige BOS Anwender autarkes Funknetz, statt GSM oder Handy mit Apps.
    Das ist teurer als GSM- Handys, aber deutlich zuverlässiger in Krisenzeiten.
    Die Kommunikation ist so wichtig, das es von fremden Infrastruktur unabhängig = autark sein muss!

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    • Ingo

      Das mag vielleicht in der Analogen Zeit mit den BOS funktioniert haben. Also die Warnungen. Wenn heute eine Zelle%Umsetzer/ Relais ausfällt haben die Behörden das gleiche Problem. Zumal so ein umsetzen der BOS eine Laufzeit ohne Strom von wenigen Stunden hat. Dann ist auch hier Schluss. Zumal zu ein Behördenimsetzer für Polizei/THW/Rettungsdienst und Feuerwer vorhanden ist. Das bedeutet das mit Ausfall von einem Umseter alles aber auch alles Offline ist. Analog konnte man mit der RS 2 Schaltung ein Kfz ausstatten und auf einem Berg/Hügel ein Notrelais aufbauen. Das ist im Digitalen Bereich möglich nur nicht so auf die schnelle und kompliziert.

      Antwort
  2. Frei

    Für einige ausgefallene Funk- Umsetzer, könnten die Ersatz- Umsetzer schell mit einen Hubschauber in die Höhe bringen…
    Oder provisorisch auf einen Mast befestigen …

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