Kabel-Fernsehen in der Miete vor dem Aus: Das ist gut so – und schlecht zugleich

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Der Mieter kennt es in der Stadt nicht anders: Nach dem Einzug wird der Fernseher aufgestellt, angeschlossen und das Fernsehbild ist da. Damit ist demnächst Schluss. Denn die Nebenkostenabrechnung fällt weg. Diese Gesetzesänderung ist so gut wie sie schlecht ist. Ein Kommentar.
Eine Fernbedienung im Vordergrund steuert einen Fernseher im Hintergrund
Bildquelle: Pixabay

Es wirkt schon etwas antiquiert: Kabel-Fernsehen hat ein wenig den Charme der 1990er-Jahre, wenn man den Begriff hört. Mit Exklusiv-Sendern wie „Der Kabelkanal“ (heute „Kabel 1“) versuchte die Deutsche Post ihr TV-Kabelnetz gegenüber dem boomenden Satelliten-Empfang attraktiver zu machen. Doch zu oft rauschte das Bild und zu klein war die Senderauswahl gegenüber dem Satelliten-TV.

Kabel-TV muss sich beweisen

Das hat sich geändert. Längst ist analoges Fernsehen abgeschaltet, HD und UHD sind in die Kabelnetze eingezogen und auch interaktive Anwendungen sind – gegen Aufpreis – möglich. Doch eines ist über die Jahre geblieben: Die Abrechnung der Kabelkosten über die Miete. Der Kabel-Anbieter hatte – wenn er die Hausgemeinschaft oder wie Wohnungswirtschaft für sich gewinnen konnte – quasi ein TV-Monopol. Satellitenschüsseln wurden mit dem Verweis aufs Kabelnetz oft verboten, zusätzliche Kosten für IPTV wollten sich die wenigsten Mieter ans Bein binden.

Damit ist 2024 Schluss. Erstmals muss sich das Kabel-Fernsehen auf breiter Front beweisen, dass es Konkurrenzfähig ist. Denn Einzelverträge, wie es sie bisher nur in wenigen Mietwohnungen und zumeist ist Eigenheim-Siedlungen gab, werden dann zum Standard, die Umlage der TV-Kosten untersagt.

Das hat Vorteile für dich, wenn du lieber über TV-Streaming-Dienste oder IPTV-Anbieter Fernsehen nutzen möchtest. Auch wenn das klassische Fernsehen für dich gar keine Rolle mehr spielt, profitierst du. Denn du sparst monatlich etwa zehn Euro bei den Miet-Nebenkosten. Gut ist auch, dass innovative Anbieter mit anderen Technologien eine bessere Chance haben, Kunden zu bekommen. Der Wettbewerb wird belebt.

Doch wer den Vorteil des Prinzips „Stecker rein, glücklich sein“ beim Kabel-TV genossen hat, der muss sich umgewöhnen. Denn das Kabel-Fernsehen wird nur noch funktionieren, wenn du es buchst. Dazu musst du einen Vertrag mit dem Kabelanbieter in deinem Haus schließen. Vermutlich werden Smartcard & Co. notwendig. Möglich auch, dass dieser Kabelvertrag dann mehr kostet als die heutigen Mietnebenkosten.

Viele Mieter dürften damit überfordert sein, schließlich hat es Jahrzehntelang anders funktioniert. Und wer sich nicht rechtzeitig für einen TV-Anbieter entscheidet – egal ob nun Kabel, Satellit, DVB-T2 oder aber per Internet – dessen Bildschirm bleibt schwarz. Voraussichtlich im Sommer 2024. Pünktlich zur Fußball-EM 2024. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Kabelanbieter hier ein Einsehen haben und übergangsweise kostenlos weiter übertragen.

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12 KOMMENTARE

  1. Die Aussage, ‚Analog TV ist abgeschafft und HD und UHD haben Einzug gehalten‘ ist aber nicht ganz richtig.
    Beim Kabelanbieter PYUR gibt es sehrwohl noch Analog TV.
    Mit der Pressecampagne 2019 wurde nur Augenwischerei betrieben.
    Da PYUR kein Geld für den öffentlichen Netzausbau und die Anbindung an die Backbone nach Berlin bleiben viele Netze in der Steinzeit stehen. PYUR versucht die Weiterführung der Analog Ausstrahlung noch als positiv zu verkaufen, da bräuchten die Rentner mit Röhrenfernseher nicht laufend die Senderliste korrigieren. Wir haben bei PYUR noch nicht einmal alle Öffentlichen Rechtlichen in HD. Viele Standardsender, die in der heutigen Zeit überall zu sehen sind, fehlen hier ganz und gar.
    Von Servus TV, HGTV,kabeleins doku oder Deutsches Musikfernsehen können wir in Gotha nur träumen.
    Preislich stehen wir den ausgebauten Netzen natürlich nichts nach.
    Internet gibt’s morgens 400Mbts und abends 120Mbts oder auch mal 4 Tage gar kein Netz.
    Die Abarbeitung von Bildproblemen bei den Privaten in HD dauert bereits 4 Monate.
    Von daher ist jede Lohudelei auf Kabelempfang mit einem Geschmäckle versehen.
    Wenn viele Mieter jetzt selbst für ihren Anschluss sorgen sollen oder müssen, haben sie jetzt die A- Karte am Backen und dürfen sich an den Hotlines der CallCenter beschwichtigen und beschwindeln lassen.
    So ist das wahre Leben.

  2. ENDLICH muss man sagen. Ich kann es gar nicht glauben (und tu es erst, wenn es soweit ist), dass Vodafone nach den Milliarden von Unitymedia und Kabel Deutschland nun mit „leeren“ Händen da stehen soll. In erster Linie natürlich schlecht für die bisherigen Kabelnetzbetreiber, aber gut für IPTV und DVB-T, denen sich jetzt Kabel-TV in den Wettbewerb stellen muss. Für die Verbraucher auf jeden Fall zur Vorteil, denn Vodafone und die lokalen Netzbetreiber müssen sich jetzt ins Zeug legen.

  3. Für die junge Generation ist das sicherlich sehr gut,aber für die ältere,da habe ich meine Zweifel.Viele Ältere werden sich da wohl nicht zurecht finden.

  4. Joar, mir war das Recht so mit den Mietnebenkosten. Ich finde das neue Gesetz undurchdacht. Millionenverluste drohen, gerade bei der nachwachsenden Jugend, die YouTube jederzeit normalen TV vorziehen wird es kaum Interesse an einem Kabelvertrag geben. 😉 Kabel rein und los, HD-CI+ Karte einmalig 2€, was wollte ich mehr. Ist das Bild ab 2024 schwarz, bleibt es auch so. Ich brauche kein lineares TV mehr!

  5. So ein Schwachsinn aber das musste ja so kommen. Doch was ist mit denen die sich keinen extra kabel vertrag leisten können oder bei denen es verboten ist eine sat Schüssel aufzustelln? Dvbt funktioniert hier auch nicht damit bekommt man hier nicht mal die öffentlich rechtlichen sender rein.

  6. Sehr gut, fehlt nurnoch dass man keine GEZ-Gebühr mehr bezahlen muss, wenn man die öffentlich rechtlichen nicht in Anspruch nimmt. Dann wäre es ein bisschen fairer.

  7. GEZ ist eine Pflichtangabe. Genauso wie der Schornsteinfeger. Bei der GEZ kann man Antrag auf Befreiung oder Ermäßigung stellen.

  8. Klasse Aktion. Dann wird für mich auf dem Land das Fernsehen inkl. Internet und Festnetz mal wieder teurer. Hier gibt es ohne Kabel (Glasfaser) von Vodafone(Unitymedia) kein abnehmbares Internetangebot. LTE nur durch O2 (D1 und D2 so gut wie kein Netz), kein DVB-T, Telekom schafft nur langsames Internet und wird das auch nicht ausbauen wg kaum Rentabilität.

  9. Man kann sagen: Regierung vor Netzbetreibern eingeknickt – denn für die, die es wollen, wird es teurer: Statt einem Anschluss wird man pro angeschlossenem Gerät zahlen müssen. Für die weniger technikaffine Generation: Blöd.

    Trotzdem ein Schuß in den Ofen: Denn wie der eine oder andere hier schon ganz richtig gesagt hat: YouTube und Streaming-Dienste laufen dem linearen Fernsehen gerade sowieso den Rang ab.

  10. Das heisst doch nicht, dass abgeschaltet wird… Es wurde doch nur beschlossen, die Standard-Gebühr aus den Nebenkosten zu entfernen! Also zahlt man das zukünfig direkt per Vertrag an den Kabelbetreiber, wo liegt das Problem? Ob ich nun die ~15€ monatlich in der Betriebskosten-Rechnung drin habe oder es eben direkt bezahle, macht jedenfalls für mich keinen Unterschied …

  11. Was ein Glück! Das hätte schon vor zig Jahren sein müssen. Ich bezahle jedes Jahr über 100 Euro für nichts und kommen aus dem Vertrag nicht raus, weil wir in einem Mehrhaushalteanschluss stecken. Ich schaue seit Jahren nur magenta tv.

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