Kommentar: Irres Wettbieten um 10 Megahertz für 5G – es reicht!

4 Minuten
Seit Wochen zieht sich die Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen in Mainz wie Kaugummi. Auch nach den Ostertagen kam keiner der Anbieter zur Besinnung. Niemand will nachgeben, dabei scheint fast alles geklärt. Es hängt an 10 Megahertz Spektrum. Ein Kommentar von Auktions-Beobachter Thorsten Neuhetzki.
Ein Sendemast für Handynetze im ländlichen Raum
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside handy

Vor zwei Wochen verabschiedete sich mein Chefredakteur in den Oster-Urlaub – im festen Glauben, dass die Auktion der kommenden 5G-Frequenzen erledigt ist, wenn er zurückkommt. Nun, zwei Wochen später wissen wir: Es ist noch nicht vorbei. Doch man möchte den Mobilfunkern zurufen: „Es reicht!“. Es reicht deswegen, weil es schon längst nicht mehr um die ganz großen Strategien geht.

Der vierte Mobilfunkanbieter kommt

Es geht nicht mehr darum, einen vierten Mobilfunkanbieter in Deutschland zu verhindern. 1&1 Drillisch wird – wenn nicht noch etwas total Unerwartetes passiert – Frequenzen bekommen und somit ein eigenes Netz aufbauen.

Auch geht es schon lange nicht mehr darum, wer welche Frequenzen aus dem UMTS-Bereich bekommt. Seit mehr als 60 Auktionsrunden scheint die Vergabe dieser Frequenzen erledigt. Es geht auch nicht um die ganz große Strategie bei 5G, ob ein Anbieter mit nur 50 und der andere mit 100 Megahertz Spektrum sein Netz aufbauen kann.

310 Megahertz Bedarf bei nur 300 Megahertz Angebot

Am Ende hängt derzeit alles an einem Spektrum von ganzen 10 Megahertz. Das ist genau ein einziger Frequenzblock. Gemeint ist damit keine bestimmte Frequenz aus dem Bereich um 3,6 GHz, sondern aufgrund der abstrakten Vergabe nur die am Ende nutzbare Bandbreite. Seit Tagen zeigt sich, dass die Mobilfunkunternehmen feste Pläne haben. Demnach will die Telekom ein Spektrum von 90 Megahertz, O2 hat es auf 70 Megahertz und Drillisch auf 60 Megahertz abgesehen. Vodafone möchte wie die Telekom ebenfalls 90 Megahertz ersteigern und ist dabei bereit, den problembehafteten 20-Megahertz-Block 01K mit 20 Megahertz Spektrum zu ersteigern.

In Summe wollen die Mobilfunker somit 310 Megahertz in diesem Frequenzbereich ersteigern. Das Problem: Es gibt nur 300 Megahertz in der Auktion. Es ist ein Problem, dass die Bundesnetzagentur geschaffen hat. Denn sie hat weitere 100 Megahertz Spektrum exklusiv für die Nutzung auf Firmengeländen, Industriegebieten oder Häfen reserviert.

Seit 60 Runden geht es um einen Frequenzblock

Keiner der Anbieter ist bereit, nachzugeben. Und so bietet in jeder Auktionsrunde der zuletzt Unterlegene auf einen der günstigsten Frequenzblöcke, der gerade einem anderen Anbieter „gehört“. In der nächsten Runde kegelt dieser dann den nächsten Anbieter raus. Dieses Spielchen treiben die Anbieter nun mit einer Ausnahme seit 60 Auktionsrunden. Und es ist ein teures Spiel. 265,7 Millionen Euro sind in diesen 60 Runden alleine für diese 10 Megahertz draufgegangen.

Das sind 26,57 Millionen Euro pro Megahertz. Es sind 3,20 Euro pro Einwohner Deutschlands. Um die 265,7 Millionen Euro wieder in die Kasse zu bekommen, sind bei der Lizenzlaufzeit von 20 Jahren mehr als 44.000 dauerhaft laufende Verträge mit Grundkosten von 25 Euro notwendig.

10 Megahertz oder 1.155 Mobilfunksender?

265,7 Millionen Euro entsprechen aber auch etwa 1.155 Mobilfunksender im ländlichen Raum. Die Kosten für einen solchen Standort beziffern Insider mit etwa 230.000 Euro. 1.155 Mobilfunksender würden unzählige Mobilfunklöcher schließen. Sie werden nun weiter fehlen, weil die Anbieter das Geld in Frequenzen stecken.

Klar, die Mobilfunker bieten nicht freiwillig auf die Frequenzen. Alle Anbieter hatten sich im Vorfeld gegen eine Auktion ausgesprochen. Dass sie überhaupt Geld ausgeben und bieten, kann man ihnen also nicht zum Vorwurf machen. Dass man nun aber ohne jegliche Umsicht und mit Blick auf die Außenwirkung um 10 Megahertz bietet, ist alles – außer nachvollziehbar und vermittelbar.

Letztlich geht es um Frequenzen, die nur in der Stadt sinnvoll einsetzbar sind. Die haben eine Reichweite von wenigen hundert Metern. Und es geht bei den 10 Megahertz um gerade einmal – je nach Technik – um etwa 100 bis 250 Mbit/s Bandbreite. Dabei haben die Anbieter aktuell zwischen 600 und 900 Megabit pro Sekunde Kapazität sicher, je nach Technologie sogar bis zu 2 Gigabit pro Sekunde. Und die nächsten Frequenzen kommen bestimmt.

Deine Technik. Deine Meinung.

2 KOMMENTARE

  1. Wieder einmal hat ein Autor bei diesem Thema nicht wirklich Ahnung wovon er eigentlich spricht. Schön zu sehen ist das am schlechten Umgang mit dem Begriff Spektrum sowie allgemeine mit der Beschreibung und Differenzierung von Frequenzblöcken und Trägerfrequenzen.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen

VERWANDTE ARTIKEL