Elvah-Chef Ziems: "Eine Erhöhung der Flatrate-Preise ist nicht geplant"

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Jüngst hatten wir die Möglichkeit, die Lade-Flatrate von elvah auf die Probe zu stellen. Mit ihr ist es möglich, zum Pauschalpreis Elektroauto zu fahren. Im Interview mit Gründer und Produktchef Sören Ziems blickt unser Redakteur Hayo Lücke nicht nur zurück, sondern auch in die Zukunft.
Foto von Sören Ziems, Chef von Elvah
Sören Ziems, Co-Gründer von elvah, hat mit seinem jungen Unternehmen noch viel vor.Bildquelle: elvah

inside digital: Im Tarifdschungel der Ladetarife für E-Autos ist elvah mit seiner Lade-Flatrate vor allem für Vielfahrer eine ziemlich interessante Alternative. Welche Zielgruppe möchtet ihr eigentlich konkret ansprechen? Ein bisschen Geld muss man ja schon in der Tasche haben, um sich elvah leisten zu können.

Sören Ziems: Mit elvah sprechen wir alle Elektroautofahrer und Elektroautofahrerinnen an. Auch solche, die es noch werden wollen. Dabei meinen wir nicht nur Leute, die bereits ein Elektroauto besitzen, sondern ebenso alle, die generell ein Auto haben und über den Umstieg auf nachhaltige Mobilität nachdenken. Wir wollen Elektromobilität massentauglich und so einfach machen, sodass jeder sie nutzen kann, möchte und schlussendlich vollkommen begeistert ist. Teil dessen ist es, die derzeitige Komplexität des Marktes von Ladesäulenanbietern und individuellen Tarifen maximal zu vereinfachen.

Flex-Tarif als Alternative zur Elvah Flatrate

inside digital: Als Alternative zum recht hochpreisigen Flat-Tarif steht bei elvah auch ein Tarif für Wenig-Fahrer zur Verfügung…

Ziems: …unser Flex-Tarif mit aktuell drei 25-kWh-Paketen zum Vorzugspreis…

inside digital: …der sich aber an weit weniger Ladesäulen nutzen lässt als der Flat-Tarif und bei dem auch die attraktive Geld-zurück-Garantie für Ladesäulen, an denen mit elvah noch keine Ladung über die App möglich ist, fehlt.

Ziems: Der Flex-Tarif ist sehr straff kalkuliert, wir stellen hier Strom zu kWh-Preisen von 36 Cent an über 90 Prozent der deutschen Ladestationen bereit. Damit bieten wir ein Produkt an, das andere Anbieter nicht ermöglichen. Die Geld-Zurück-Ladung steht daher nur in der Flatrate zur Verfügung.

inside digital: Die umgerechnet 36 Cent pro kWh im Flex-Tarif sind im Marktvergleich vor allem an DC-Schnellladesäulen ziemlich attraktiv. Wie ist es euch möglich einen solchen Preis sogar an Ladesäulen von Ionity anzubieten, wo andere Anbieter teils den doppelten oder sogar dreifachen Preis berechnen?

Ziems: Das bleibt das Geheimnis von elvah. Anders als die anderen Anbieter wollen wir eben nicht, dass unsere Kundinnen und Kunden an manchen Säulen den dreifachen Preis bezahlen müssen, denn genau das macht Elektromobilität derzeit so unübersichtlich und kompliziert. Wir haben die beste App im Markt und wollen, dass dies alle Elektroautofahrerinnen und Elektrofahrer erleben können – unabhängig davon, wo oder wie viel sie laden. So können wir sie überzeugen, langfristig bei elvah zu bleiben und genau daran sind wir interessiert.  

Ein Blick in die Zukunft

inside digital: Lass uns über noch mehr nackte Zahlen sprechen. Wie viele Kunden hat elvah derzeit und wie viele sollen es perspektivisch bis Ende 2021 sein? 

Ziems: Die Anzahl unserer Kundinnen und Kunden verraten wir derzeit nicht. Wir können nur so viel sagen: Die elvah App ist seit April offiziell erhältlich und seither wachsen wir täglich um das zwei- bis dreifache unserer ursprünglichen Erwartungen.

inside digital: Das dürfte unter anderem daran liegen, dass elvah mit nur einem Monat Mindestvertragslaufzeit nutzbar ist. Keine Angst, dass viele Kunden euer Angebot nur einen Monat ausprobieren und dann wieder verschwinden?

Ziems: Nein, wir sind überzeugt, dass elvah mit Qualität und Komfort überzeugt. Vielmehr sehen wir sogar auf Basis unserer Daten, dass viele unserer Kundinnen und Kunden nach einem Monat vom Flex-Tarif zur Flatrate wechseln. Uns zeigt das auch, dass unser Angebot funktioniert und wir einen echten Bedarf decken. Als Unternehmen sind wir außerdem absolut zukunftsgetrieben: Wir sind dann glücklich, wenn möglichst viele Menschen auf saubere Mobilität umsteigen. Deshalb gilt bei uns auch ein Motto, das wir „radikale Kundenorientierung“ nennen. Wir messen uns an der Zufriedenheit unserer Kundinnen und Kunden. Das schlägt sich eben auch in den Kundendaten nieder.

Probleme melden, bitte!

inside digital: Unser Test von elvah hat in weiten Teilen keinerlei Probleme offenbart. In einem Fall war aber keine Verbindung zur Ladesäule möglich. Ein solcher Defekt ist natürlich ärgerlich…

Ziems: …und deswegen ist es wichtig, dass man in diesem Fall unserem Support Bescheid gibt. Die Probleme der Ladesäule werden dann dem Betreiber gemeldet, sodass dieser das Problem beheben kann. So wollen wir mit elvah dazu beitragen, dass Probleme mit Ladesäulen schnellstmöglich behoben werden und Elektroautofahrer und Elektroautofahrerinnen die Ladesäule schnell wieder nutzen können. 

inside digital: Ein weiteres von uns entdecktes Problem: In der elvah App wird derzeit nicht der Ladefortschritt – etwa die Angabe der schon geladenen kWh – sondern nur die verstrichene Zeit angezeigt. Wird sich das in Zukunft ändern?

Ziems: Das gibt es bereits, jedoch sind wir hierzu auf die übermittelten Daten der Säule angewiesen. Bei vielen Stationen werden die kWh im Lade-Screen angezeigt. Wenn wir die Daten nicht von der Station erhalten, können wir sie leider nicht anzeigen und beschränken uns in diesen Fällen auf die Ladezeit. Wir stehen jedoch im Austausch mit vielen Betreibern, diese wichtige Information zu übermitteln.

Überwachung einer missbräuchlichen Nutzung der elvah Flat ist möglich

inside digital: Wozu werden im Rahmen der Registrierung eigentlich Kennzeichen und die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) abgefragt? Derartige Daten werden doch nirgendwo im Rahmen der Ladevorgänge abgefragt, oder täuschen wir uns?

Ziems: Ein Flatrate-Modell kann für uns als Betreiber nur dann funktionieren, wenn es einem Auto direkt zuzuordnen ist und einzig dieses geladen wird. Zudem ist der Preis der Flatrate an den Fahrzeugtyp gekoppelt: kleinere, günstigere Elektroautos zahlen monatlich weniger als jene aus dem Premiumsegment. Durch die Angabe von FIN und Kennzeichen können wir sichergehen, dass ein Auto nicht mehrfach angemeldet wird und einen Plausibilitätscheck machen, ob die Angaben korrekt sind. Sollten Unregelmäßigkeiten auftreten, können wir so mit den Kundinnen und Kunden zu Klärung in Kontakt treten.

inside digital: Unregelmäßigkeiten ist ein gutes Stichwort. Denn eurem Flat-Tarif liegt auch ein Fair-Use-Prinzip zugrunde. Es besagt, dass das Aufladen etwa von Zweitwagen nicht gestattet ist. Welche Konsequenzen drohen, wenn ich es doch tue? So richtig überprüfen lässt sich das alles doch nicht. 

Ziems: Wir können durchaus nachvollziehen, ob unsere Kundinnen und Kunden mit mehreren Fahrzeugen laden. Dazu haben wir unterschiedliche Kontrollmöglichkeiten, auf die ich im Detail nicht näher eingehen möchte. Nur soviel: Uns fallen gewisse sogenannte Pattern auf, die auf die Nutzung eines weiteren Fahrzeugs schließen lassen. Auch hardwareseitig gibt es immer mehr Möglichkeiten, dies zu identifizieren. Wenn wir einen Verstoß registrieren, gehen wir zunächst mit dem Kunden in den Austausch um eine Lösung zu finden.

Die Preise werden steigen – oder doch nicht?

inside digital: Lass uns nochmals in die Zukunft blicken. Dass Strompreise in Deutschland eher steigen als sinken ist ein offenes Geheimnis. Müssen wir davon ausgehen, dass auch die Preise für das Laden von E-Autos weiter anziehen und in diesem Zusammenhang auch die elvah Flatrate noch teurer wird? Oder sind perspektivisch sogar günstigere Flatrate-Kosten denkbar?

Ziems: Auf dem Markt ist aktuell viel Bewegung; wir sehen, dass unsere Konkurrenten die Preise anpassen. Bei uns ist das allerdings derzeit nicht geplant, weder eine Senkung noch eine Erhöhung der Preise. 

inside digital: Seit wenigen Tagen ist es möglich, elvah nicht nur in Deutschland, sondern auch in der EU zu nutzen

Ziems: …passend zum Ferienstart in mehr als 30 Ländern in der EU. Das allerbeste dabei: Die Empfehlungen in unserer App sind auch im Ausland Teil unseres Services. Außerdem sind auch außerhalb Deutschlands nicht nur „Langsamlader“, sondern auch Hypercharger inkludiert. Die Funktion muss nur in der App freigeschaltet werden.

inside digital: Kostet das dann in euren beiden aktuellen Tarifen einen Aufpreis?

Ziems: Nein, vorerst gelten unsere Tarife genau so, wie sie sind, auch im Ausland. Derzeit bedienen wir damit aktuell schon über 150.000 Ladestationen – und täglich kommen weitere hinzu.

inside digital: Sören, vielen Dank für das Gespräch. Aber eine Frage gestatte uns noch zum Abschluss: Was heißt „elvah“ überhaupt?

Ziems: Der Begriff „Vah” heißt in Sanskrit so viel wie: „to ride along the land”. Wir haben dort ein „el” für electric hinzugefügt und so ist elvah entstanden. Also ein unbeschwertes Fahren über Land mit einem elektrischen Gefährt. Das fanden wir ziemlich passend.

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