Insolvenz bei Handyflash: Was Kunden jetzt wissen müssen

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Die W.E.S. Kommunikation aus Bochum hat Insolvenz angemeldet. Die Firma steckt hinter der Marke Handyflash, einem Mobilfunk-Händler, der auch mit Rückzahlung von Grundgebühren als Rabatt gearbeitet hat. inside handy zeigt, was die Insolvenz für die Kunden bedeutet.
Symbolbild Handyvertrag: Ein Handy, ein beschriebenes Blatt Papier und ein Stift liegen auf einem Tisch
Bildquelle: Pixabay

Die Handyflash-Insolvenz kommt überraschend. Der Händler war viele Jahre am Markt aktiv und galt als seriös. Daher haben viele Kunden bei den oftmals guten Angeboten auch dann zugeschlagen, wenn es um eine Bar-Rückzahlung durch Handyflash ging. Die letzte größere Pleite dieser Art am deutschen Mobilfunkmarkt war übrigens die Insolvenz von Mediaspar. Auch hier kamen oftmals Barauszahlungen zum Tragen.

Das Prinzip einer solchen Barauszahlung: Der Händler nutzt einen Teil der Provision, die er von dem Mobilfunkprovider bekommt, und zahlt sie dem Kunden aus. Damit sinkt der rechnerische monatliche Grundpreis für den abgeschlossenen Vertrag. Die Auszahlungen erfolgten in der Regel einmalig einige Wochen nach Vertragsabschluss, in seltenen Fällen auch durch eine monatliche Überweisung. So oder so: Wer als Kunde einen solchen Vertrag über Handyflash abgeschlossen und seine Barauszahlung noch nicht erhalten hat, der wird jetzt in die Röhre schauen.

Insolvenzrecht: Keine Zahlungen mehr zulässig

W.E.S. Kommunikation darf aus rechtlichen Gründen ab sofort keine Zahlungen mehr leisten. Das Insolvenzrecht sieht vor, dass die Firma keine Zahlungen mehr vornehmen und auch keine mehr entgegennehmen darf. Auch, wer noch auf ein Handy von Handyflash wartet, wird unter Umständen enttäuscht. Ob diese noch den Weg in die Paketpost finden, ist zweifelhaft. Hier sollten Kunden bei Handyflash oder dem zuständigen Insolvenzverwalter nachfragen. Zur vorläufigen Insolvenzverwalterin wurde seitens des zuständigen Amtsgerichts Bochum die Rechtsanwältin Dorothee Madsen, Meinolphusstr. 10, 44789 Bochum bestellt.

Kunden, die erst in den vergangenen 14 Tagen ihren Vertrag abgeschlossen haben, können daher in Erwägung ziehen, von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch zu machen. Damit wird der komplette Vertrag widerrufen – allerdings auch inzwischen eingeleitete Portierungen von Handynummern. Den Widerruf sollten die Kunden einerseits an die W.E.S. Kommunikation schicken, sicherheitshalber aber auch an den eigentlichen Vertragspartner hinter dem Mobilfunkangebot. Das können Provider wie mobilcom-debitel, aber auch direkt die Handynetzbetreiber Telekom, Vodafone oder Telefónica Deutschland sein. Der Widerruf sollte so viele Informationen über den Vertrag wie möglich beinhalten, damit die entsprechenden Provider diesen zuordnen können.

Bestehende Verträge laufen normal weiter

Kunden, deren Vertragsabschluss länger als 14 Tagen her ist, müssen sich möglicherweise mit einem Verlust abfinden. Offene Forderungen können sie zu einem späteren Zeitpunkt, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet wird, in der Insolvenztabelle anmelden. Doch erfahrungsgemäß ist dieses den Aufwand nicht wert, da oftmals keine Gelder vorhanden sind, die unter den Schuldnern aufgeteilt werden können.

Wer indes seine Bargeldauszahlung und sein Handy erhalten hat, dessen Handyvertrag läuft ganz normal weiter. Das Geschäft gilt als abgeschlossen, Vertragspartner ist nur noch der jeweilige Mobilfunkanbieter. Eine Verlängerung des Vertrages ist dann später über den Vertragspartner direkt oder einen anderen Händler möglich. Da Handyflash selber keine Mobilfunkdienstleistungen angeboten, sondern nur Verträge vermittelt hat, ist für die Kunden hier nicht mit einer Abschaltung von Handyverträgen zu rechnen.

Wie es mit Handyflash weitergeht, ist offen. Zumindest aktuell scheint der Geschäftsbetrieb unter der Regie der vorläufigen Insolvenzverwalterin weiterzulaufen. Die Webseite ist zumindest weiterhin online. Das ist durchaus üblich, um die Chancen zu erhöhen, die Firma zu verkaufen oder nach der Insolvenz auf neue Beine stellen zu können.

Bildquellen:

  • Symbolbild Handyvertrag: Pixabay
Senatsverhandlung
Vertragsverlängerung trotz Kündigung: Kostenfalle Rückholangebot
Wer kennt es nicht: Ein Mobilfunkvertrag wurde gekündigt, man entscheidet sich für ein Angebot eines neuen Anbieters und wenige Tage später klingelt das Telefon. "Guten Tag, Ihre Kündigung ist bei uns eingegangen, aber wir hätten da ein ganz tolles Angebot für Sie…" Wer jetzt nicht aufpasst, kann schnell in die Kostenfalle tappen.
Thorsten Neuhetzki
Thorsten liebt Technik und ist seit 2018 als Redakteur an Bord. Als "alter Hase" in der Branche schreibt Thorsten am liebsten über alles, was mit Breitband, Netzen und Tarifen zu tun hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Super Vectoring, DOCSIS 3.1 oder 5G geht - schnelles Internet ist für Thorsten und seine Berichterstattung das A und O. Abseits des Newsdesks ist Thorsten mit großer Begeisterung auf seinem Tourenrad unterwegs. Vor allem Schweden hat es dem in Berlin wohnhaften Ostwestfalen angetan.

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4 KOMMENTARE

  1. Ein fehlender Punkt: Sollte man abgeschlossene Verträge behalten, können die Gewährleistungsansprüche womöglich kaum gegenüber Handyflash geltend gemacht werden, sondern müssen ggf. direkt beim Hersteller gefordert werden. Ein Rücktritt oder eine Wandlung wäre somit nach mehrfachen Nachbesserungsversuchen kaum möglich.

    Der Erwerb von Geräten via Handyflash zieht somit womöglich den Verlust von Käuferrechten mit sich, sodass man bei frisch abgeschlossenen Verträgen diesen Faktor miteinbeziehen sollte, falls man über einen Widerruf nachdenkt.

  2. Leider bin ich auch betroffen .habe Anfang April eine Vertragsverlängerung über Handyflash gemacht mit einer Barauszahlung die ich jetzt nicht bekomme und ich auch jetzt erst per Mail erhalten habe das die Firma in Insolvenz geht .Von der Seite Otelo wo mein Vertag läuft heißt es auch nur die Verlängerung des Vertrages bleibt bestehen da diese auch nicht ändern können. leider lässt man mich dort auch nicht raus das heißt 24 Monate den Vertag verlängert für nicht.Schade

  3. handyflash ist nicht mehr insolvent, sondern wurde zum 1.6. durch einsAmobile übernommen. Ein Update dazu wäre cool.
    Ansprüche und Forderungen an W.E.S., die natürlich nach wie vor insolvent sind, muss jeder Kunde bei der Insolvenzverwalterin anmelden. handyflash aber besteht weiter und bekommt jetzt seine Rückendeckung von einsAmobile. Also kann man hier wieder ganz normal Handyverträge abschließen, wahrscheinlich sogar günstiger als vorher. Da muss man auch keine Angst mehr vor irgendwelchen Ausfällen haben.

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