Huawei Mate 30 Pro: Ohne WhatsApp, YouTube und Google Maps

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Huawei hat am 19. September seine Mate-30-Serie vorgestellt. Die Smartphones sind technisch weit über dem Niveau eines Apple iPhone 11 Pro oder Samsung Galaxy Note 10+. Insbesondere was die Kameraausstattung angeht, dreht Huawei den Markt auf Links. Noch nie gab es Vergleichbares in dem Segment der Smartphone-Kameras. Und doch könnte das Mate 30 Pro ein Rohrkrepierer werden; das beste Smartphone aller Zeiten, das niemand kaufen wird.
Huawei Mate 30 ProBildquelle: Michael Büttner

Bei der Präsentation warf Huawei mit Superlativen um sich. Vor allem das ums Eck gebogene Display und die vier Objektive auf der Rückseite hinterlassen Eindruck. Mit den Kameras sind Ultra-Zeitlupen-Videos mit überirdischen 7.680 Bildern pro Sekunde möglich – das gab es noch nie! Zudem hat Huawei die Kameras noch lichtempfindlicher gemacht. Für Hobby-Fotografen, die im manuellen Modus knipsen: Der ISO-Wert lässt sich bis zu 409.600 hochjagen. Das bedeutet, dass Huawei eine Art Nachtsichtgerät produziert hat.

Das große Problem des Huawei Mate 30 Pro

Neben dem beeindruckenden Display, einem gewaltigen 4.500-mAh-Akku und einer Kameraausstattung, die für ein Smartphone nicht von dieser Welt ist, hat Huawei Prozessor, KI und viele weitere technische Innereien überholt. Was die Software angeht, fällt man in der Entwicklung aber mehr als zehn Jahre zurück. In eine Zeit, in der es noch kein Android gab. Denn Donald Trumps Machtspiele und die damit einhergehenden US-Sanktionen verbieten es amerikanischen Unternehmen wie Google, mit Huawei zu kooperieren. Das Mate 30 Pro, das Mate 30 und die 5G-Variante des neuen Stars auf dem Smartphone-Markt kommen also ohne Google-Apps. Doch was bedeutet das für den Nutzer?

Ein Smartphone-Leben ohne diese Google-Apps?

Kein Gmail, kein Google Maps, weder Chrome-Browser noch YouTube. Keine Sicherung der eigenen Bilder über Google Fotos, kein kontakt- und bargeldloses Bezahlen mehr via Google Pay. Nie mehr „OK Google“, keine Steuerung der smarten Lampen im Smart Home. Zudem fehlt der Play Store, das Eingangstor zur Welt der Apps.

Darüber hinaus fehlen die Google Dienste, die von Apps als Programmbestandteile im Unterbau verwendet werden, ohne dass der Nutzer etwas davon sieht. Wer sich mit seinem Google-Konto bei anderen Diensten wie Spotify anmeldet, wird ebenfalls vor Herausforderungen gestellt.

Huawei Mate 30 ProQuelle: Michael Büttner

Nie mehr WhatsApp?!

Aber nicht nur Google fehlt. Auch einem anderen US-amerikanischen Unternehmen ist es verboten, mit Huawei gemeinsame Sache zu machen. Facebook. Somit fehlen weitere Apps wie eben Facebook, der Facebook Messenger, Instagram und WhatsApp. Halt! Was? WhatsApp fehlt? Ja, und über den Play Store, der ebenfalls nicht vorhanden ist, lässt es sich auch nicht nachträglich installieren. Nun können findige Nutzer auf die Idee kommen, eine APK-Datei des beliebten Messengers herunterzuladen und zu installieren. Ja, das geht. Aber: WhatsApp erstellt das Backup aller Nachrichten, Fotos und Videos in der Google-Cloud. Und da Google-Dienste auf den Mate-30-Modellen so vorhanden sind wie ein Bikini-Shop in der Arktis, wird das Nichts mit dem Backup. Das bedeutet, dass alle Chatverläufe weg sind, wenn man sich für das Mate 30 Pro entscheidet.

Was offen bleibt

Statt auf Google Dienste sollen App-Entwickler auf Huawei-Services zurückgreifen. Die App-Gallery, Huaweis Play Store sozusagen, enthält zum aktuellen Zeitpunkt nur wenige Top-Apps. So ist zwar auch WhatsApp vorhanden, es lässt sich aber nicht herunterladen. Entwickler müssten für Huawei also jede App neu programmieren.

Lässt sich der Play Store nachträglich auf dem Mate 30 Pro installieren? Wie komme ich als Nutzer an Apps wie Instagram und WhatsApp? Bekommt das Smartphone Software-Updates? Viele Fragen lässt Huawei unbeantwortet.

Huawei Mate 30 ProQuelle: Michael Büttner

Ausblick und Empfehlung

Wann die Mate-Modelle in Deutschland verfügbar sein werden, ließ Huawei ebenfalls offen. Möglich ist sogar, dass sie den Weg hierher überhaupt nicht finden. Sollte jedoch das Mate 30 Pro ohne weitere Informationen seitens Huawei so auf den Markt kommen, wie es angekündigt wurde, könnte es zwar das beste Smartphone aller Zeiten sein, dass jedoch niemand kaufen wird. Denn ohne Google-Dienste, ohne WhatsApp und Facebook, ohne YouTube und Google Maps dürfte wohl keiner das Gerät haben wollen – nicht für 1.000 Euro.

Bildquellen:

  • Huawei Mate 30 Pro: Michael Büttner
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  • Huawei Mate 30 Pro: Michael Büttner
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6 KOMMENTARE

  1. So ein quatsch bis auf whatsapp, google maps sehr selten und YouTube, nutze ich den anderen Mist überhaupt nicht. Ansonsten wird man whatsapp sicher über apk quer installieren können, sowie für den Rest gibt es gute bis sehr gute Alternativen. Ich find das Telefon richtig gelungen.

  2. So kann man unliebsame Konkurenz auch beseitigen. Naja China hat ja Glück. Damals haben die USA wie auch in diesem Fall ganz ohne Beweise den Irak anfegriffen. Jetzt wird ohne Beweise ein Unternehmen der Spionage beschuldigt…. Das ganze dient wohl dem Weltfrieden. Schade schade

  3. Und richtig Testen konntet ihr das Mate 30 Pro auf der Vorstellung auch nicht,oder? Das Mate sollte bei der Vorstellung doch nur eine Unfertige Kamerasoftware Installiert haben die alle paar Sekunden abstürzte.

  4. Es gibt auch Telegramm, ich scheiß auf google Dienste ich nutze diese schon seit Jahren nicht. Im Gegenteil ich versuch immer wieder diese Dienste zu deaktivieren usw. Ich bin froh das diese Dienste in Mate 30 pro nicht dabei sind.

  5. Ich bin eh jedesmal ewig via ADB beschäftigt diesen ganzen Google Kram und einiges anderes an Bloatware zu deinstallieren. Ich würde mir ein Huawei Mate 30 Pro ohne Google sogar wünschen!!!

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