Grundversorgung: Diese Stadtwerke kassieren Abmahnung für Strompreise

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Gegenwind für Stadtwerke und Grundversorger. Zahlreiche Strom-Grundversorger haben jetzt von Verbraucherschützern eine Abmahnung erhalten. Grund dafür sind die massiv gestiegenen Preise für die (unfreiwilligen) Neukunden.
Stromanbieter abgemahnt: Diese Energieversorger erhöhen Preise illegal um 100 Prozent
Stromanbieter abgemahnt: Diese Energieversorger erhöhen Preise illegal um 100 ProzentBildquelle: Lisa-S / Shutterstock.com

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat in dieser Woche eine aktuelle Marktstichprobe gemacht. Das Resultat: Neukunden werden aus ihrer Sicht bei Grundversorgern benachteiligt und müssen hohe Preisaufschläge in Kauf nehmen. Die Folge: Abmahnungen gegen Rheinenergie, die Stadtwerke Gütersloh und die Wuppertaler WSW Energie & Wasser AG.

Im Dezember haben Anbieter wie Stromio und Grünwelt von heute auf morgen die Stromlieferung eingestellt. Die Folge: Hunderttausende betroffene Haushalte fielen damit in die Ersatzversorgung zurück. Immerhin standen die Betroffenen so nicht ohne Strom da, dafür nun aber mit einem deutlich niedrigeren Kontostand. Denn wie die Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW für Strom belegt, verlangt ein Großteil der Grundversorger von den unfreiwilligen Neukunden Preise, die um ein Vielfaches höher liegen als die des bisherigen Kundenstamms.

Strompreise: Eigene Preise für Neukunden rechtswidrig

„Eine Ungleichbehandlung, die gegen geltende Vorschriften des Energierechts verstößt“, so die Verbraucherzentrale NRW. Sie hat deshalb nun Abmahnungen an die Rheinenergie, die Stadtwerke Gütersloh und die Wuppertaler WSW Energie & Wasser AG verschickt und ruft die Energiekartellbehörde NRW zum Handeln auf. Die Benachteiligung von Verbrauchern, die ohne eigenes Verschulden in die Grundversorgung zurückfallen, sei rechtswidrig und widerspreche dem eigentlichen Schutzzweck der Grundversorgung, heißt es von der Verbraucherzentrale NRW.

„Wir werden daher mit allen juristischen Mitteln gegen diese Benachteiligung vorgehen, die nur auf Grundlage eines willkürlich festgelegten Stichtags erfolgt.“ Denn die abgemahnten Energieunternehmen berechnen nur jenen Kunden, die ab einem bestimmten Datum in die Ersatzversorgung gefallen sind, die neuen, deutlich höheren Tarife. Die bisherige Kundschaft im Grundversorgungstarif bezahlt dagegen weiterhin einen geringeren Preis pro Kilowattstunde.

Viele betroffene Verbraucher frisst die Höhe der Abschlagszahlungen auf, weil sie ein Vielfaches der bisherigen monatlichen Kosten betragen. Das bringt gerade Haushalte mit weniger Einkommen in Bedrängnis.

18 von 23 Anbietern haben teure Neukundentarife eingeführt

Von den insgesamt 23 untersuchten Anbietern haben 18 Unternehmen einen Neukundentarif für die Stromgrundversorgung eingeführt. Die Differenz zwischen Neukunden- und Bestandskundenpreisen dieser Anbieter beträgt dabei durchschnittlich mehr als das Doppelte. Drei der untersuchten Anbieter nahmen sogar einen Neukundenarbeitspreis pro Kilowattstunde von über 90 Cent. Dabei handelt es sich um die Stadtwerke in Düren, Gütersloh und Soest. Ein weiterer Anbieter, die NEW Energie, ist noch vor der Untersuchung wieder zurückgerudert. Statt 99 Cent pro Kilowattstunde berechnet sie „nur“ noch 58 Cent.

In der Stadt mit dem teuersten Tarif kamen bei 3.000 kWh im Jahr 1.137 Euro Kosten für Bestandsverträgen zusammen. Mit Neuverträgen waren es 3.090 Euro – ein Unterschied von fast 2.000 Euro. Hierbei handelte es sich in der Stichprobe um die Stadtwerke Düren.

Die durchschnittlichen Strompreise (Arbeitspreis und Grundpreis zusammengenommen) für 3.000 kWh Jahresverbrauch in der Grundversorgung lagen zwischen 32 Cent pro kWh (kein Spalttarif) und 103 Cent pro kWh (Spalttarif). Bei den fünf Anbietern, die auf eine Spaltung der Tarif verzichtet haben, lag der Durchschnittspreis pro Kilowattstunde bei 34 Cent. Das sind die Stadtwerke in Hamm und Düsseldorf, sowie E.ON Essen, Stawag und ELE Gelsenkirchen.

Kunden, die sich durch den Rückfall in die Ersatzversorgung mit ähnlich hohen Preisen konfrontiert sehen, sollten also offenbar eine rechtliche Prüfung in Betracht ziehen. Immer wieder wird auch der Rat geäußert, den bisherigen Stromanbieter mit Schadenersatzforderungen zu konfrontieren, wenn der Vertrag entsprechende Bindungs- und Garantie-Klauseln enthielt.

Es ist zu vermuten, dass die Verbraucherschützer sich als nächstes Anbieter zur Brust nehmen, die trotz einer Preisgarantie die Preise erhöhen wollen.

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17 KOMMENTARE

  1. andreaskramer

    die politiker in den vorständen der energie anbieter müssen ja finanziert werden auf kosten der bevölkerung. nur zur errinnerung mappus fordert eine jahresgehalt von 3 millionen € im jahr . ………

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  2. Sancho

    Man sollte dabei aber bedenken, dass die Grundversorger zusätzliche Stromkontingente sündteuer für die gestrandeten Schnäppchenjäger zukaufen müssen. Es ist nicht einzusehen, dass Bestandskunden, die mit ihren höheren Beiträgen dem Grundversorger das langfristige Wirtschaften erlauben, jetzt für die Geiz-ist-geil-Fraktion mitbluten soll.

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    • Daniel

      So ein Schwachsinn…..

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  3. Christian Palm

    Naja ich habe seit Jahren einen Vertrag mit der Firma Maingau da ich ebenfalls deren Autostrom Tarif nutze.
    Nun bekomme ich weil meine Vertragsbindung ausläuft ein neuen Tarif mit 68 Cent statt der vorherigen 25 Cent pro KW/h aufgedrückt. Ich glaube kaum das ich zur Geiz ist Geil Fraktion gehört habe.
    Es ist einfach ein Unding, dass Stromkonzerne Jahrelang fette Gewinne bei niedrigen Einkaufspreisen machen aber bei kurzen Hochpreiszeiten sofort alle Kosten 1 zu 1 umlegen.
    2020 bei teilweise negativen Preisen hat mich auch keiner gefragt ob ich nicht ab sofort Geld bekommen möchte dafür das ich Strom verbrauche. Da wurde mir trotzdem der volle Preis abgezogen und im Hintergrund fett verdient.

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  4. Dirk

    Wer glaubt, dass die typischen Stadtwerke hier den Reibach machen der irrt. Sehr viele kämpfen gerade um das Überleben. Neukunden zum alten Preis aufzunehmen während der Börsen Preis 3-5x so hoch ist wie vor einem Jahr, ist schlichtweg nicht möglich. Bleibt nur die Tarife für alle Kunden zu erhöhen und somit die treuen Kunden für die Insolvenzen der Discounter bluten zu lassen.

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  5. Werner Michael Müller

    Was haben sich die Kunden denn gedacht? Den billigsten der billigen Anbieter wählen und dadurch viel Geld sparen. Nun rächt sich diese Geiz-ist-geil-Mentalität. Die Grundversorger holen sich den zusätzlichen Strom teuer an der Strombörse, um damit jene zu versorgen, die dachten, die Schnäppchenjagd wäre unendlich. Nun bekommen sie die Quittung dafür. Tja, billig heißt nicht immer besser.

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  6. Tobias Hoeffer

    Man sollte mal die so genannten Verbraucherschützer abmahen. Die Energieversorger müssen die Kunden übernehmen und zusätzliche Stromkontingente am Spotmarkt der EEX zu aktuell sehr hohen Preisen einkaufen. Anders als bei den Bestandskunden können Sie die Kontingente nicht planen und auch nicht vorhalten. Da die Strompreise am Spotmarkt durch die Abschaltung der Grundlastkraftwerke seit November regelrecht explodiert sind, können sie gar nicht anders, als gesonderte Preise für die neuen Kunden auszuweisen. Ansonsten würden sie die Altkunden für die Schnäppchenjagd der Pleitegeier bestrafen. Das wäre ja nun maximal ungerecht, weil gerade die Altkunden durch ihre Loyalität für eine planbare, damit berechenbare und damit eben auch günstige Stromversorgung gesorgt haben.

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  7. MaDem 75

    Ich kann den Gedanken der Wahrung der Bestandskunden verstehen, allerdings sollte man in Betracht ziehen das diese Geiz ist geil Fraktion schlussendlich auch dafür gesorgt hat das der Markt einen Wettbewerb erlebt und die Preise moderat bleiben. Ohne Wettbewerb müssten Bestandskunden der Stadtwerken heute schon mehr zahlen. Mir ist bewusst das die Stadtwerke jetzt teuer Strom einkaufen müssen. Es ist ein echtes Dilemma, das jetzt der Bürger ausbaden darf. Warum hat die Politik nicht geholfen? Lufthansa? Banken?

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  8. Carsten

    @Sancho. Man zahlt keine Beiträge. Strom und Gas sind keine Versicherung, es sind Produkte. Der Abschlag ist auch nicht der Strompreis, was viele glauben. Der Abschlag setzt sich aus dem monatlichen Verbrauch in kWh zusammen und der monatlichen Grundgebühr. Also erst überlegen und erkundigen bevor Du hier was schreibst.

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  9. Eugen Koch

    @Sancho doch es kann sein, und es wird so kommen. Du Nur sind nicht die Kunden schuld, sondern die Anbieter die sich verspekuliert haben. Jetzt zu sagen, selber schuld, ist etwas egoistisch. Nur weil man sich nicht beschäftigen wollte und zu gemütlich war und am ende etwas glück hatte. Wie gesagt teuer wirds am ende für alle. Für mich seid jetzt, für dich etwas später 🙂 Übrigens hab in 5 Tagen wieder 30ct/kwh 😉 der nächste Anbieter wittert chance Kunden abzugreifen.

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  10. Aktuar

    @Christian Palm
    Du hast offenbar nicht verstanden, wie ein Festpreisvertrag funktioniert. Der Anbieter kauft den Strom eben nicht ständig neu an der EEX, sondern für r die gesamte Laufzeit zu einem festen(!!!) Preis. Egal wie sich der Preis entwickelt (rauf, runter, negativ) Du und der Versorger zahlen immer den gleichen Einkaufspreis. Also nichts mit „dumm und dämlich“ verdienen. Nur die Discounter dachten sich, man geil, dem dummen Nutzer einen niedrigen Preis garantieren, den Strom laufend billiger am Markt kaufen oder sogar geschenkt bekommen und das große Geld machen. Jetzt wo das schief gegangen ist schnell Insolvenz anmelden und die Kunden den seriösen Anbietern aufbürden. Sinn und Ziel der Ersatzversorgung ist eben die Versorgungssicherheit und nicht die Vergemeinschaftung der persönlichen Probleme der „Schnäppchenjäger. Auch darüber sollten die sogenannten „Verbrauchschützer“ Mal nachdenken. Diese sind nämlich nicht ganz unschuldig an der jetzigen Situation.

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  11. Aktuar

    Wem das Angebot der Grundversorger nicht passt, kann doch jederzeit zu einem anderen Versorger wechseln. Bleibt nur zu hoffen, das dieser dann seriöser kalkuliert und beschafft, als es die windigen (und nun insolventen) Billigheimer zu Lasten der Allgemeinheit getan haben. Es waren eben Politik und Verbraucherschutz, die eine solide Preisplanung durch das Verbot langlaufender Verträge erst unmöglich gemacht haben.

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  12. Renni

    Wer hat denn den Markt für Billiganbieter geöffnet? Wer wollte denn mehr Wettbewerb?
    Die Kunden die sich einen Billiganbieter gesucht haben, haben nichts falsch gemacht, das war doch so gewollt, man sollte doch „vergleichen und ganz einfach wechseln“.
    Das dieses Vorgehen in die Hose gehen musste war mir von Anfang an klar, nur das „wann“ war die Frage.

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  13. Mike

    Das Problem haben nicht wir als Verbraucher, sondern die Energiepolitik unserer Regierung zu verantworten.
    Warten wir mal ab, was in einem Jahr passiert, wenn unsere letzten 3 AKW auch noch abgeschaltet sind.

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  14. Iwan

    Mike Daum hoch!Du bist der einzige(unter die Leute die hier seine Kommentare Hinterlassen haben),der versteht was in Deutschland vorgeht. In Kasachstan sind die Leute auf die Straßen gegangen wegen die Gaspreiserhöhung von 60 Tenge (12 Zent) auf 120 Tenge. In Deutschland wird es keine Grenzen in die Preiserhöhungen wahrscheinlich nicht geben. Und die Leute werden immer weiter schweigen.

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  15. Drachen_Flieger

    Für alle, die über die so teuren Grundversorgern meckern. Die meisten von denen sorgen dafür, dass das Geld in der Region bleibt und die Gemeinden und Städte ihren Nahverkehr, Schwimmbäder und Kultur bieten können. Warum kann nicht der Markt wirklich frei sein? Wessen Stromanbieter kündigt sorgt sich selber um einen neuen Vertrag – So wie E.Koch

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  16. Examinator

    Leute, nicht aufregen!
    Wir bekommen gerade bloß, was wir gewählt haben 🙂

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