Google muss Auswertung von Assistant-Sprachaufnahmen stoppen

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Google Assistant
Bildquelle: Nokia
Google Assistant, Amazon Alexa und Apples Siri sollen das Leben der Nutzer leichter machen. Doch der Umgang der drei Anbieter mit Sprachaufzeichnungen sorgte in den vergangenen Wochen für massive Kritik. Sie holt jetzt Datenschützer und die Politik auf den Plan. Nach Apple setzt nun auch Google die Auswertungen von aufgenommenen Sprachbefehlen aus. Bisher jedoch nur zeitlich befristet.

Google trainiert seinen Assistant mit der Auswertung von Nutzerbefehlen und will ihn so unter anderem besser auf sprachliche Feinheiten einstellen. Die Herangehensweise ist dabei jedoch bedenklich. Der Anbieter lässt nämlich Audiodateien von Mitarbeitern anhören und auf Fehlinterpretationen untersuchen. Das hat zur Folge, dass auch intime Informationen wie Namen, Passwörter, sexuelle Neigungen oder Adressen auf dem Tisch der Mitarbeiter landen. Damit soll jetzt Schluss sein.

Google steht nicht alleine da

Neben Google steht auch Amazon mit Alexa und Apple mit Siri in der Kritik. Auch diese beiden Technologie-Konzerne betreiben die Auswertung von Kunden-Aufnahmen. Apple zog aus der Kritik erste Konsequenzen und schränkt die Analysen und die Bereitstellung von Nutzerdaten an dritte ein. Google verzichtet jetzt ebenso auf dieses Vorgehen. Doch erstens nur in der EU und zweitens vorerst zeitlich begrenzt.

Assistant-Aufnahmen werden nicht mehr transkribiert

Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (HmbBfDI) hat vor diesem Hintergrund ein Verwaltungsverfahren eröffnet, um Google zu untersagen, entsprechende Auswertungen durch Mitarbeiter oder Dritte für den Zeitraum von drei Monaten vorzunehmen. Damit sollen die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen zunächst vorläufig geschützt werden. Im Zuge dieses Verwaltungsverfahrens erklärte Google, dass man die Transkription von Audioaufnahmen aus der EU aussetzt. Das gelte vorerst für drei Monate mit Starttermin 1. August.

Die verantwortliche Datenschutzbehörde in Europa sitzt jedoch nicht in Hamburg, sondern in Irland. Sie muss in den kommenden Wochen und Monaten aktiv werden, um das Verwaltungsverfahren um Regeln der „federführenden Aufsichtsbehörden“ zu ergänzen.

„Empfindliche Geldbußen“ – Justizministerin Lambrecht droht Google, Apple und Amazon

Eine Drohung ist derweil aus der deutschen Politik zu hören: Bundesjustizministerin Christine Lambrecht von der SPD erinnert Apple, Google und Amazon an die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und die darin enthaltenen Strafmaßnahmen bei Verstößen. Sie können bis zu 4 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes erreichen. Lambrecht betont gegenüber des Handelsblatt die Verantwortung der Anbieter und stellt klar, dass sie „Kunden einfach, klar und verständlich über Art und Umfang der Datennutzung informieren“ müssen. Die Ministerin steht dabei hinter den Datenschützern aus Hamburg. „Ich begrüße es nachdrücklich, dass sich die Behörden den Umgang der Anbieter mit den Aufzeichnungen digitaler Sprachassistenten genau anschauen und, wo es erforderlich ist, auch einschreiten.“

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1 KOMMENTAR

  1. Wieder Orkane im Wasserglas und aufgeblasene Wichtigtuerei der Politik sowie gierige ABM „zuständiger“ Institutionen.
    Denn:
            Wie teste ich die Straßenlage eines neuen Autos? – Indem ich das Fahrzeug auf einem Testparcours im Kreise fahren lasse oder indem ich es auf ganz gewöhnliche Strassen schicke, wo es sich später ja auch bewähren soll?
    Ein Insider hinter vorgehaltener Hand:
           „Die ausgewerteten Aufzeichnungen sind keinem tatsächlichen Benutzer zuzuordnen. Keiner der Prüfer weiss, wer da spricht und wo er wohnt. Und wenn einmal sensible Daten vorkommen, sind diese nicht weniger sicher als in den Aufzeichnungen von Behörden oder Dienstleistern. Natürlich laufen die Auswertungen weiter… – warum auch nicht? Sie sind sowieso nur für einen begrenzten Zeitraum notwendig, bis alle Eventualitäten ausgeschöpft sind und die Systeme perfekt funktionieren. Dann schwimmen nur noch die Ausnahmen hoch, in denen die Systeme irritiert sind.“
    Also?
            Die „zuständigen Instanzen“ stehen einer Perfektionierung von Spracherkennungssystemen nur im Weg. Es geht nur darum, den Benutzern einen „Schutz von Persönlichkeitsrechten“ vorzugaukeln. Die Benutzer wünschen sich jedoch perfekt funktionierende Systeme.
    – mlskbh –

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