Glasfaser & Kabel: So langsam sind die gigabitfähigen Anschlüsse in der Praxis

2 Minuten
Dass ein Anschluss Datenraten mit 1 Gbit/s liefern kann, heißt nicht, dass die Kunden diese Datenraten auch wirklich buchen. Denn in der Praxis buchen sie oftmals viel langsamere Anschlüsse - egal ob per Kabel oder per Glasfaser.
Glasfaser-Leerrohr
Glasfaser-LeerrohrBildquelle: Thorsten Neuhetzki

Denn letztlich brauchen nur die wenigstens Haushalte schon heute einen Internetanschluss mit 1.000 Mbit/s. Dennoch: Bereits knapp 18 Prozent der Haushalte mit gigabitfähigen Anschlüssen nutzen auch einen Tarif mit einer Bandbreite von 1 Gbit/s oder mehr. Das ergab eine Gigabit-Marktstudie des VATM zusammen mit der Firma Dialog Consult und dem angesehenen Telekommunikationsexperten Professor Dr. Torsten J. Gerpott. Bei 35,8 Millionen gigabitfähigen Anschlüssen sind das immerhin 12,4 Millionen Anschlüsse.

Knapp die Hälfte der Haushalte mit gigabitfähigen Anschlüssen nutzen Bandbreiten oberhalb der mit VDSL-Technologien möglichen 250 Mbit/s. Das heißt aber auch: 6,2 Millionen von 12,3 Millionen gebuchten Anschlüssen auf einer gigabitfähigen Infrastruktur könnten genauso gut per VDSL realisiert werden. Denn diese Anschlüsse werden mit Datenraten unter 250 Mbit/s gebucht. Da die Kunden sich für einen Kabelanschluss entscheiden oder diese Datenrate per Glasfaser nutzen, zählen sie in diese Statistik hinein. In dieser vergleichsweise niedrigen Geschwindigkeitsklasse verzeichnen die Anbieter auch das größte Wachstum.

2,2 Millionen Gigabit-Anschlüsse in Deutschland – per Kabel

Umgekehrt gilt aber auch: 2,2 Millionen von 12,3 Millionen geschalteten Anschlüssen haben Datenraten mit 1 Gbit/s oder mehr gebucht. Hier wiederum werden die meisten Anschlüsse nicht per Glasfaser, sondern über das Kabelnetz geschaltet, wie Gerpott auf Nachfrage von inside digital sagte. Zwar sind hier die Latenzen schlechter und der Upload geringer. Doch ist der Preis durch ein aggressives Auftreten der Anbieter deutlich attraktiver als bei Glasfaser.

1,7 Millionen dieser gigabitfähigen Anschlüsse werden Mitte 2022 von Geschäftskunden eingesetzt. Im Vergleich zur Nutzungsverteilung über alle Anschlüsse fällt die bandbreitenintensivere Nutzung auf: 23 Prozent buchen Tarife mit mindestens 1 Gbit/s und zwei Drittel nutzen Bandbreiten oberhalb der VDSL-Bandbreiten.

Das über Gigabit-Anschlüsse übertragene Datenvolumen beträgt 24,4 Milliarden GB. Das entspricht etwa der Hälfte des Volumens, das über alle Breitbandanschlüsse fließt. Pro Anschluss und Monat sind es im Schnitt 340 GB.

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9 KOMMENTARE

  1. Markus Hersch

    Ich habe Halsfaser geordert. Zuerstmal mit Gigabit. Aber später wird es auf 400 Mbit/s gedrosselt. Da mir die Kosten für Gigabit viel zu Hoch sind.

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  2. Marco

    Da vergisst du upload, latency, maintenance, die Möglichkeit später für höhere Brandbreite etc.

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  3. ByteChild

    Und warum werden hauptsächlich die kleineren Tarife gewählt? Ich würde vermuten, dass das mit der Preisstruktur der Tarife zusammenhängt. Für einen 300MBit-Anschluss zahle ich über Glasfaser gerade einmal 5€ mehr als für meinen 100MBit Tarif mit VDSL. Gigabit würde aber mit 120€ monatlich zu Buche schlagen. Dazu kommt, dass Glasfaser viele Probleme der Kupfertechnik (geteiltes Medium, Übersprechen etc.) unterbindet und zukunftssicher ist. Nur weil man mit VDSL eine gewisse Bandbreite abbilden kann, ist das nicht unbedingt sinnvoll

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    • Jörg

      ByteChild, sicher das Glasfaser kein geteiltes Medium ist? Bei der AON Anschlusstechnik mag das stimmen, aber nicht bei der GPON Anschlusstechnik.

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  4. IrreführendTitel

    Irreführender Titel.

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  5. EinUser

    Glasfaser spart auch Strom, auf beiden Seiten, sowohl gegenüber Coax als auch gegenüber Vektoring

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    • EinUser

      Und Artikel verliert auch kein Wort über Upload oder das man sich die Bandbreite bei Coax mit allen teilt die an der Leitung hängen…

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  6. Stef

    Noch etwas wichtiges fehlt. Wenn ein Stadtteil bzw Dorf ausgebaut wird, wäre man oft doof, wenn man nicht auf Glasfaserkabel wechselt. Anschluß ist kostenlos. Monatliche Kosten im langsamsten Tarif fast identisch zu VDSL. Später würde der Anschluß vermutlich 4-stellige Kosten verursachen

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  7. Stephan

    @Marco: genau 🙂 Latency ist (fast) wichtiger. Genau darum Fibre first!

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