Girocard-Aus bei erster großen Bank? Das steckt wirklich dahinter

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Derzeit berichten mehrere Medien, dass die Santander-Bank die komplette Abschaffung der Girocard plant. Damit wäre die Bank die erste Großbank, die der Karte den Stecker zieht. Doch was steckt wirklich dahinter? Wir haben nachgefragt.
Ein Schild an einer Kasse:
Bezahlen in Deutschland - immer noch schwierigBildquelle: Thorsten Neuhetzki

Die komplette Abschaffung der Girocard bei einer der großen Banken in Deutschland wäre so etwas wie das Öffnen der Büchse der Pandora. Denn bisher gibt es noch keine größere Bank, die den Zugang zur Girocard komplett verweigert. Lediglich einige Neobanken haben sich dazu entschlossen, die nur in Deutschland bekannte Girocard gar nicht im Angebot zu haben.

Doch was steckt nun hinter der vermeintlichen Abschaffung der Girocard bei Santander? Das Handelsblatt berichtete unlängst: „Santander setzt auf Visa, die Girocard läuft aus“. Das ließ zumindest für einige Medien so viel Interpretationsspielraum zu, dass diese von einer kompletten Abschaffung der Girocard schrieben. Das ist aber nur teilweise richtig.

Die Wahrheit ist eine andere. Wir haben bei Santander nachgefragt, ob eine Abschaffung der Girocard geplant ist. Das wäre vor allem für Kunden, die in kleineren Geschäften die „Nur EC-Karte“ akzeptieren ein Problem. Auch Berliner Bürgerämter akzeptieren ausschließlich diese Bezahlungsform für Dokumente.

Abschaffung der Girocard nur teilweise richtig

„Wir arbeiten gerade an einer Optimierung unseres Karten-Portfolios“, bestätigte uns die Pressestelle der Santander Bank. „Voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2022 werden wir unseren Kunden eine kostenlose Visa-Debit-Karte anbieten“, so heißt es weiter.  Die Vorteile seien, dass diese Karte E-Commerce-fähig sein wird und auch weltweit einsetzbar. Das unterscheidet sie von einer Girocard, die keinen sinnvollen Einsatz im Internet ermöglicht. Auch die weltweite Nutzbarkeit wird sich in Zukunft erledigt haben.

Doch von einer kompletten Abschaffung der Girocard für bestehende Kunden bei Santander ist nicht die Rede. „Wenn Kunden jedoch die Girocard bevorzugen, können sie diese für eine Gebühr von 12 Euro pro Jahr weiterhin nutzen.“ Anders verhält sich das aber bei künftigen Neukunden: „Neuen Kunden bieten wir künftig nur noch die Visa-Debit-Karte an.“ Hier handelt es sich also wirklich um eine Abschaffung dieser Kartenform.

Generell steht die Girocard in Deutschland unter einem schlechten Stern. Mehrere Banken haben in den vergangenen Monaten angekündigt, die Girocard nur noch auf Nachfrage und gegen Gebühren anzubieten. Unter ihnen auch große Direktbanken wie die DKB, die ING oder die 1822direkt.

Bildquellen

  • Millionen deutsche Kunden betroffen: EC-Karten verlieren Kernfunktion: Hayo Lücke / inside digital
  • Bezahlen in Deutschland – immer noch schwierig: Thorsten Neuhetzki
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2 KOMMENTARE

  1. Franz R.

    Wenn nur noch Neukunden die Karte bestellen können, ist es de facto eine komplette Abschaffung. Auch Bestandskunden wird man dann nach einer Übergangsfrist die Karte nicht mehr anbieten. Santander wird wohl kaum den Aufwand betreiben, auf Dauer eine Girocard nur für Bestandskunden im Angebot zu behalten. Somit ist Euer Artikel Clickbait, denn er vermittelt den Eindruck, als wäre das was auf anderen Portalen steht, falsch. Zumal ihr in dem Artikel Eure Aussage dazu noch selbst relativiert.

    Antwort
  2. Frei

    Den Banken verbleiben immer weniger Optionen zum Geld verdienen!
    Der Staat hat die Zinsen praktisch auf null gesetzt, und dazu auch noch Negativzins eingeführt.
    (Das nur damit der Staat keine Zinsen für die immer steigende Neuverschuldung muss. Der Staat könnte auch die Zinsen nicht auf die Dauer bezahlen! Folge wäre Staatsbankrott)
    Auch die stark gestiegene Inflation (Geld-Kaufkraft Verlust) ist ein ähnliches Werkzeug!
    Danach haben die Banken, eine Zeit lang, Geld mit Provisionen von Händler bei Kartenzahlung verdient. Aber diese Provisionen hat der Stadt gedeckt, sodass das Kartengeschäft, ohne Kartengebühr, oft defizitär wurde! Also auch hier ist der Hauptverursacher der deutsche Staat!
    Auch im Bereich von Private Banking sind die Gewinne nicht so wie früher, weil ordentliche Renditen immer seltener sind, und diese durch stärker überwachte Besteuerung, weniger attraktiv wurden.
    Die Banken müssen sparen, was man bereits seit Jahren sieht, an den immer mehr geschlossenen Bankfilialen. Die geschrumpften Gewinne, zwingen die Banken die Leistungen zu verkleinern.

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