Gibt es einen Masterplan für Gigabit-Internet?

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Die Frage, wo Deutschland beim Gigabit-Ausbau steht, wurde gerade durch eine Studie des VATM deutlich. Doch warum ist das so und gibt es einen Masterplan, wie es schneller und besser gehen kann? Das waren Fragen, die der Kabelanbieter Unitymedia auf der Anga Com versucht hat in einer Diskussionsrunde zu klären.
Experten-Diskusssion auf der Anga Com
Bildquelle: Unitymedia

Teilnehmer der Diskussionsrunde waren unter anderem Wolf Osthaus, bei Unitymedia zuständig für Regulierungsthemen und Stefan Thiemann vom lokalen Glasfaser-Kabel-Anbieter RFT Kabel. Neben inside handy Redakteur Thorsten Neuhetzki diskutierte auf Prof. Dr. Torsten J. Gerpott über den richtigen Weg, Deutschland mit schnellem Internet zu versorgen.

Doch wo steht Deutschland überhaupt? Hier komme es auf die Betrachtungsweise an. Zählt VDSL mit Supervectoring mit in die Betrachtung, „dann haben wir eine Versorgungsquote, die sich sehen lassen kann“, so Gerpott. Wenn man aber nur Gigabit-Leitungen zähle, dann sei das Glas für Deutschland halb leer, da man erst 15,4 Millionen Haushalte erreiche – das seien etwa 36 Prozent. Der überwiegende Teil der Versorgung erfolgt per Kabel.

„Deutschland will schnell aber sehr genau – das passt nicht“

“Ich möchte aber auch auf die Nachfragerate verweisen. Gerade mal ein Drittel im Kundenbestand hat 50 Mbit/s und mehr, der Rest hat langsamere Datenraten“, so Gerpott. Er gab damit zu verstehen, dass er nachvollziehen kann, warum nicht jeder Netzbetreiber direkt die teuren Glasfasernetze bis zu den Kunden verlegt.

Dass es in anderen Ländern besser und schneller läuft, liege an unterschiedlichen Voraussetzungen. Andere Länder hätten andere Bestandsnetze im Kupfer- und Kabelbereich und andere Regulierungsrahmen. Hinzu kommt: „In Deutschland will man alles sehr schnell aber auch sehr genau machen. Das passt aber oftmals nicht zusammen.“ Das betrifft beispielsweise die Frage, ob man Glasfaserleitungen unterirdisch oder überirdisch verlegt.

Die bessere Technik muss gewinnen

Dass ein Infrastruktur-Wettbewerb wichtig sei, da waren sich alle vier Teilnehmer einig. Inbesondere die Kabelanbieter verwiesen auch auf einen Wettbewerb bei der Inhaus-Verkabelung – also der Frage, ob der Kunde das Koaxial-Kabel oder die Telefonleitung innerhalb des Hauses für seine schnellen Anschluss nutzt. Ein weiterer Punkt, bei dem große Einigkeit herrschte: Die für den Kunden beste Technologie darf nicht durch schlechtere Technologien eingeschränkt werden. Hier verwies inside handy Redakteur Thorsten Neuhetzki auf eine in seinen Augen fatale Entscheidung der Bundesnetzagentur, bei der bestehende G.fast-Leitungen, die auf Glasfaser bis zum Haus basieren, beschnitten werden. Die Beschneidung erfolgt durch das langsamere VDSL-Vectoring der Telekom.

Einen Masterplan, Deutschland mit Glasfaser zu versorgen, hatte keiner der Diskutanten zu bieten. In einem waren sie sich aber einig: Viele behördliche Verfahren müssen vereinfacht und Tiefbauarbeiten besser koordiniert werden. Hier sei es dringend notwendig, entsprechende Verfahren aufzusetzen.

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