Geld zurück für Konzerttickets wegen Corona-Absage? Das sagen Verbraucherschutz und Veranstalter

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Bis zum 31. August 2020 herrscht ein bundesweites Verbot für Großveranstaltungen. Davon betroffen sind auch Festivals und Konzerte. Erste Veranstalter reagieren bereits auf die Maßnahmen und sagen Rock am Ring, Wacken und Co. ab. Doch was passiert mit den gekauften Tickets? Gibt es Geld zurück?
Konzert von Pendejo
Konzert von PendejoBildquelle: Blasius Kawalowski

Am 15. April hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Pressekonferenz alle Großveranstaltungen bis zum 31. August 2020 verboten. „Alle Bierfeste, alle Großveranstaltungen werden also auf keinen Fall stattfinden können, denn bis dahin haben wir weder Medikament noch Impfstoff“, sagte die Kanzlerin. Von dem Verbot auch betroffen: Festivals und Konzerte.

Veranstalter wie FKP Scorpio (Hurricane, Southside u. a.) haben bereits reagiert und ihre Festivals, die für den Sommer geplant waren, offiziell abgesagt. „Aufgrund des bundesweiten Veranstaltungsverbots bis zum 31. August 2020 müssen auch die Festivals Elbjazz, Limestone, Hurricane, Southside, Deichbrand, Highfield und M’era Luna abgesagt werden“, heißt es in einer Mitteilung des Veranstalters. CEO Stephan Thanscheidt ergänzt: „Unsere Gäste können sich sicher sein, dass wir sie schnellstmöglich und umfassend über weitere Schritte informieren werden.“

Auch Wacken wird 2020 nicht stattfinden: „Wir stehen vor einer Situation, wie wir sie in 30 Jahren noch nicht erlebt haben, denn wir müssen schweren Herzens mitteilen, dass es in diesem Jahr leider kein Wacken Open Air geben wird.“

Liste mit allen bisher abgesagten Festivals

  • Deichbrand
  • Elbjazz
  • Green Juice Festival
  • Highfield
  • Hurricane
  • Juicy Beats
  • Limestone
  • M’era Luna
  • Open Flair Festival
  • Reload Festival
  • Rocco del Schlacko
  • Rock am Ring
  • Rock im Park
  • Ruhrpott Rodeo
  • Southside
  • Taubertal Festival
  • Wacken

Konzerte 2020: Rammstein, Iron Maiden und Co. stehen vor Absagen

Das Verbot betrifft nicht nur Festivals. Auch große Konzerte, wie etwa die Stadionshows von Iron Maiden und die Rammstein-Tournee dürften die Veranstalter absagen. Rammstein plante zwischen Ende Mai und Anfang August insgesamt 28 Stadion-Konzerte in Europa zu spielen. Zwar gibt es bislang keine offiziellen Absagen. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis Veranstalter die Konzerte absagen.

Konzert von Monster Magnet in einer eher kleinen Location
Konzert von Monster Magnet in einer eher kleinen Location

Zudem ist davon auszugehen, dass Konzerte in großen Hallen wie etwa der Lanxess Arena in Köln abgesagt werden. Hier etwa soll Ende Juli Slipknot spielen. Die Kunstrasen-Konzerte in Bonn hat der Veranstalter bereits abgesagt. Hier sollten von Juni bis August Größen wie Lionel Richie, Bruce Springsteen, My Chemical Romance, Deep Purple und Element of Crime spielen.

Festival oder Konzert abgesagt: Ticketpreise zurück?

Wie mit den gekauften Karten für die abgesagten Festivals verfahren wird, ist aktuell noch unklar. Die Veranstalter von Rock am Ring etwa sagen: „Wegen der Details über die weitere Abwicklung werden alle Ticketkäufer noch um ein wenig Geduld gebeten. Die Veranstalter und ihre Teams arbeiten an konkreten Informationen über die genaue Vorgehensweise, die im nächsten Schritt bekannt gegeben werden.“ Auch die Wacken-Veranstalter bitten noch um etwas Geduld.

Das sagt der Verbraucherschutz

Die Verbraucherzentrale macht allen Ticketkäufern allerdings Hoffnung. Grundsätzlich bestehe in solchen Fällen ein Erstattungsanspruch auf den Ticketpreis, heißt es. Denn im Falle einer Absage komme der Veranstalter seiner Leistungspflicht nicht nach – unabhängig davon, ob der Veranstalter den Ausfall zu verantworten habe oder nicht. Grundlage dafür ist bei deutschen Verträgen der Paragraph 275 BGB (Unmöglichkeit).

„Falls Sie von einer solchen Absage betroffen sind, sollten Sie sich an den Veranstalter oder die Vorverkaufsstelle wenden und sich informieren, wie eine Rückabwicklung erfolgt“, so der Verbraucherschutz.

Zudem heißt es seitens der Verbraucherzentrale: „Bei Veranstaltungen, die jetzt wegen des Coronavirus abgesagt werden, können Sie Ansprüche also bis zum 31.12.2023 geltend machen.“

Konzert von The Durango Riot
Geld zurück für Konzerttickets wegen Corona-Absage? Ja, sagt der Verbraucherschutz

Das sagt die Bundesregierung

Geht es nach der Bundesregierung, sollten sich Festival- und Konzert-Besucher jedoch keine großen Hoffnungen auf eine komplette Erstattung des Kaufpreises machen. Denn die Bundesregierung hat vor Kurzem beschlossen, dass Veranstalter auch Gutscheine ausgeben dürfen, statt den Ticketpreis zu erstatten. Damit sollen Insolvenzen während der konzert- und festivalfreien Zeit vermieden werden.

Die Verbraucherzentrale entkräftet die Entscheidung der Bundesregierung und sagt: „Sie können bei der Rückzahlung übrigens auf Geld bestehen. Gutscheine oder einen Verweis auf Alternativtermine müssen Sie nicht akzeptieren.“ Das heißt auch, dass man Anspruch auf eine Rückerstattung hat, wenn das Konzert verschoben werde – etwa in den Herbst oder gar auf unbestimmte Zeit.

Großveranstaltungen abgesagt: Wann ist eine Veranstaltung groß?

Was aber ist eine „Großveranstaltung“? Ist ein Festival wie Wacken, das jährlich rund 75.000 Besucher zählt, mit einem Konzert in einer alten Fabrik, in die „nur“ 4.000 Menschen hineinpassen, vergleichbar?

Jedes Bundesland hat seine eigenen Bestimmungen. Das Ministerium für Inneres und Kommunales NRW etwa definiert eine Großveranstaltung als Event, bei dem mit mindestens 100.000 Besuchern zu rechnen ist, mehr als 5.000 Besucher gleichzeitig auf dem Gelände sind oder ein besonders erhöhtes Gefährdungspotenzial vorläge.

Die Zahl von 100.000 ist enorm – die wenigsten Veranstaltungen kommen wohl auf so viele Besucher. Die Zahl von 5.000 gleichzeitigen Besuchern jedoch ist an vielen Veranstaltungsorten schnell erreicht. Eine einheitliche Definition von „Großveranstaltung“ liege aber nicht vor.

Konzert von den Sugarhills
Sugarhills live in der Wirtschaft: Das Konzert in der Kneipe dürfte bis auf Weiteres ausfallen

Es ist jedoch davon auszugehen, dass auch Konzerte in der Kneipe oder Dorfschänke nicht stattfinden werden. „Klar ist, dass Gastronomiebetriebe, Hotels für Tourismus, Bars, Diskos, Kaufhäuser, Shoppingmalls, also alle Orte, an denen sich enorm viele Menschen ansammeln, nach wie vor nicht geöffnet werden können“, sagt Merkel.

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