Gaskrise: Hunderttausende private Gasthermen könnten ausfallen

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Private Verbraucher werden bei Gasmangel nicht von der Gasversorgung abgeklemmt, hieß es immer. Doch jetzt skizziert der oberste Chef der Netze in Deutschland, der Präsident der Bundesnetzagentur, ein Szenario, bei dem Gasthermen gleich reihenweise ausfallen könnten.
Eine Gasflamme
Eine GasflammeBildquelle: Magnascan / Pixabay

Klaus Müller, früher oberster Verbraucherschützer und heute Präsident der Bundesnetzagentur, hat sich am Wochenende in den Zeitungen der Funke Mediengruppe zu Wort gemeldet. Das Szenario, das er skizziert, klang noch vor einem Jahr abwegig und scheint jetzt Realität zu werden. Hunderttausende Gasthermen in Deutschland könnten ausfallen – und zwar dann, wenn in einer Region in Deutschland der Druck in den Gasleitungen unter ein Mindestmaß fallen würde.

Dieser Druckabfall könnte dadurch zustande kommen, dass die örtlichen Gasversorger nicht mehr genug Gas bekommen. Sie kaufen dieses bei Großhändlern ein, die es wiederum unter anderem aus Russland beziehen. Nun steht im Raum, dass Russland die Gaspipeline North Stream 1 nach Ende von Wartungsarbeiten Ende Juli nicht wieder mit Gas füllt. Dann würde es eng werden mit Gas in Deutschland.

Müller sagte, es werde immer das Ziel der Bundesnetzagentur sein, notfalls Reduzierungen von Gasverbrauch in der Industrie anzuordnen, damit es nicht zu einem solchen Druckabfall kommt. So sei auch denkbarer, dass Schwimmbäder ihr Wasser weniger oder gar nicht mehr heizen oder nicht systemrelevante Industrie vom Netz gehen muss. Als Beispiel nannte er eine Fabrik für Schokoladenkekse.

Gasthermen müssten händisch wieder in Betrieb genommen werden

Das Problem an den Gasthemen in privaten Haushalten: Sie müssen nach Angaben von Müller von geschultem Personal händisch wieder in Betrieb genommen werden. „Ein solches Szenario kann niemand wollen, weil es sehr lange dauern würde, die Gasversorgung wiederherzustellen“, so Müller. Für die Haushalte in der betroffenen Region hieße das, dass es so lange keine Heizung und kein warmes Wasser gibt. Jede zweite Wohnung in Deutschland wird mit Gas beheizt.

Im Raum steht auch, dass die Gaspreise in den kommenden Wochen und Monaten für Endkunden massiv steigen könnten. Das sei rechtlich für alle Kunden auch in bestehenden Verträgen möglich, da es eine Notlage gibt. Durch die Gasknappheit müssen heute schon Großhändler und Gasversorger Gas oftmals teurer einkaufen als sie es an die Endkunden verkaufen können. Die Schieflage könnte sich noch weiter verschärfen, Stadtwerke und Großhändler könnten in die Insolvenz rutschen. Würden die Gaspreise durchgereicht, stünden jedoch viele Privathaushalte vor für sie unbezahlbaren Rechnungen. Müller spricht von einer Verdreifachung der Rechnung, vor allem für jene Regionen, in denen bisher russisches Gas vorherrschend ist.

Möglicherweise wird in dieser Woche ein neues Gesetz beschlossen. Dieses könnte dafür sorgen, dass die Mehrkosten aller Importeure gleichmäßig verteilt würden. In der Folge müssten aber auch Kunden mit norwegischem Gas mehr bezahlen. Auch Gedankenspiele wie Staatshilfen für Stadtwerke wären denkbar. Stadtwerke haben als Betreiber der Gas-Infrastruktur als Grundversorger eine besondere Rolle innerhalb der Lieferketten.

Wichtig für dich als Kunden in dieser Situation: Du solltest einen seriösen Gasversorger haben. Diesen zu erkennen, ist für Normalverbraucher schwer. Wir empfehlen dir daher, unseren Partner remind.me. Hier kümmern sich Experten um deinen Gas-Vertrag und behalten ihn im Blick – auch und vor allem bei Preiserhöhungen. Der Service ist für dich kostenlos.

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1 KOMMENTAR

  1. Benno Witter

    Nur mal vorweg, Schokoladenkekse sind systemrelevant. Spaß beiseite, wie lange lassen wir uns diesen Schwachsinn denn noch gefallen? Diese Energiekrise ist zu 100% durch unsere unfähige Bundesregierung und die mindestens so unfähige EU-Kommission verursacht. Sinnlose Sanktionen, die an Russland abprallen, aber unsere Lebensgrundlage komplett vernichten. Dafür würden Politiker anderenorts geteert und gefedert vom Hof gejagt.
    Oskar Lafontaine hat völlig Recht, wenn er inzwischen auch fordert Nordstream 2 umgehend in Betrieb zu nehmen.
    Und für die russophoben Moralapostel hier: Die USA haben den halben Nahen Osten illegal angegriffen und es gab nie eine einzige Sanktion oder Blockade.

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