Flixbus will Angebot kürzen – zum Nachteil des ländlichen Raums

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Das Verkehrsunternehmen mit den grünen Bussen verliert erstmals an Fahrgästen. Flixmobility will nun das Flixbus-Angebot kürzen und mehr auf den Flixtrain setzen – zum Nachteil des ländlichen Raums. Auch erste Wasserstoff-Busse will das Unternehmen wohl nur im Ausland einführen.
Bildquelle: Flixbus

Die grünen Busse des Verkehrsunternehmens Flixmobility aus München gehören schon seit 2013 zum Bild auf den deutschen Autobahnen. Nach sieben Jahren Wachstum und Fusionen verliert Flixbus 2019 nun erstmals an Fahrgästen in Deutschland. Das Unternehmen stehe extrem unter Druck, betonte Flixmobility-Geschäftsführer André Schwämmlein im Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur. Anschließend betonte er, dass sich das Geschäft in Deutschland definitiv in Richtung Schienen verschieben wird.

Flixtrain-Geschäft wächst

Seit März 2018 betreibt das Verkehrsunternehmen neben Busreisen auch Zugreisen unter der Marke Flixtrain. Bislang mit sieben Zügen auf drei Strecken: Stuttgart – Berlin, Köln – Hamburg und Aachen/Köln – Berlin/Leipzig. Im Frühjahr kommt die Strecke Hamburg – Stuttgart hinzu. Weiter Linien sind in Planung. Im Jahr 2019 beförderte das Unternehmen mit den beiden Marken Flixbus und Flixtrain laut eigenen Angaben insgesamt 22 Millionen Fahrgäste. Das sind knapp 700.000 mehr als im Vorjahr. Doch es wachse nur das Geschäft bei Flixtrain, so Schwämmlein. Bei der Bus-Marke Flixbus hingegen gebe es weniger Fahrgäste als im Vorjahr. Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen nicht.

Kritik an Klimapaket der Bundesregierung

„Wir gehen davon aus, dass wir uns mit dem Busgeschäft gegen die massiven Subventionen der Deutschen Bahn schwer tun werden“, erklärte Schwämmlein. Die wachsende staatliche Unterstützung für die Deutsche Bahn mache sich laut ihm bemerkbar. Der Hintergrund: Zu Beginn dieses Jahres hat die Bundesregierung die Mehrwertsteuer auf Fernverkehrsfahrkarten ab 50 Kilometern von 19 Prozent auf 7 Prozent gesenkt – jedoch nur für den Zug- und nicht für den Busverkehr. Von der Steuersenkung profitiert daher nur die Marke Flixtrain. „Jetzt fließt kontinuierlich mehr Geld in den DB Konzern und keiner kann wirklich sicherstellen, dass diese Mittel in die Infrastruktur fließen und damit allen Nutzern zugutekommen“, kritisierte er. „Das verzerrt den Wettbewerb und macht es uns als privatwirtschaftlichem Unternehmen unmöglich, unser Geschäft in Deutschland im selben Maße wie bisher zu betreiben.“

Linien-Kürzungen im ländlichen Raum

Vor wenigen Tagen hatte Flixbus angekündigt, sein Angebot ab 2021 besonders in abgelegenen Gebieten einzuschränken. „Den ländlichen Raum werden wir nicht in dem heutigen Maße halten können. Wir werden Takte reduzieren, Linien einkürzen müssen und Arbeitsplätze werden verloren gehen“, sagte André Schwämmlein gegenüber der Wirtschaftswoche. Darüber hinaus kündigt Flixbus rechtlichen Widerstand an. Laut Schwämmlein sei es „unglaublich naiv“, sich bei der Verkehrswende allein auf die Deutsche Bahn zu verlassen. „Kein anderes Land der Welt hätte die Mehrwertsteuersenkung in dieser Form beschlossen“, so Schwämmlein.

Wasserstoff-Busse wohl nur im Ausland

Ökologische Innovationen will das Unternehmen zukünftig lieber im Ausland einführen. In den kommenden zwei Jahren will Flixbus beispielsweise eine „kleine Flotte Wasserstoff-Busse“ auf die Straßen bringen. Schwämmlein betonte, „Bei den Rahmenbedingungen, die wir derzeit in Deutschland haben, sieht es nicht so aus, als können wir das Projekt hierzulande umsetzen.“

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1 KOMMENTAR

  1. FLIXBUS ist keine caritative Veranstaltung, sondern ein kommerzielles Unternehmen. Die Fahrgastverlagerung von BUS zu TRAIN verlangt eine Anpassung.
    Was dagegen?
    Das Angebot von FLIXBUS, den ländlichen Raum stärker zu berücksichtigen, wenn ör Zuschüsse zur Kostendeckung geleistet werden, hat die Politik abgelehnt.
    Also?

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