Festnetz, Internet, Mobilfunk: So gewinnt die Telekom die Kunden

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Der Tag der Vorlage der Bilanzzahlen sind in der Corona-Pandemie meist kein guter Tag für ein Unternehmen. Anders bei der Deutschen Telekom. Sie überzeugt die Kunden in Deutschland in allen Bereichen. Nur an einer Stelle steht ein dickes Minus.
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Telekom-LogoBildquelle: Thorsten Neuhetzki

„Die Deutsche Telekom ist ein Anker der Stabilität in einer globalen Krise“, sagt Vorstandsvorsitzender Tim Höttges. „Unsere Netze arbeiten zuverlässig als die digitalen Lebensadern der Gesellschaft.“ In der Tat sind Telekommunikationsunternehmen in Zeiten von Home Office wohl die Unternehmen, die für die Nutzer am wichtigsten sind.

Darum spart die Telekom durch Corona Geld

Der Konzern erwartet durch die Pandemie begrenzte Auswirkungen auf den Umsatz. Zum Beispiel wegen der Schließung von Shops, durch geringere Roamingumsätze und Verschiebung oder Wegfall von IT-Projekten in Unternehmen. Dadurch, dass die eigenen Kunden in den vergangenen Wochen nicht im Ausland waren und es wohl in den kommenden Wochen nur verhalten sein werden, spart die Telekom aber auch Geld. Denn das Roaming muss sie ihren Kunden in der EU kostenlos anbieten, muss aber dafür Vorleistungen einkaufen.

Andererseits steigen beispielsweise die Umsätze in der Sprachtelefonie und die Wechslerquote im Mobilfunk sinkt. Der Konzern bestätigt deshalb unter Berücksichtigung aller absehbaren Pandemie-Folgen seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Das ist bemerkenswert, denn andere Unternehmen geben derzeit schlichtweg keine Prognosen mehr ab.

Festnetz & Internet

Bei der Telekom ist der Festnetzmarkt vor allem getrieben durch die Nachfrage nach Bandbreite. Nach wie vor gebe es eine starke Nachfrage. Die Telekom spricht bei ihrer Zählung von Glasfaser-basierten Anschlüssen und meint damit alle Anschlüsse auf Basis von VDSL sowie echte Glasfaser-Leitungen.

Die Gesamtzahl dieser Anschlüsse stieg bis zum Ende des ersten Quartals 2020 auf rund 14,8 Millionen. In den ersten drei Monaten des Jahres, in dem ein Teil des Monats mitten in der Pandemie lag, hat die Telekom hier einen Zuwachs von 389.000 Anschlüssen verzeichnet. Binnen eines Jahres sei die Zahl sogar um 1,9 Millionen gestiegen.

Doch gleichzeitig ist der Festnetzmarkt auch der Bereich, wo die Telekom die meisten Anschlüsse verliert. Dabei geht es um die Leitungen, die die Telekom für ihre Wettbewerber als nackte Kupferleitung zur Verfügung stellt: Die Teilnehmeranschlussleitung (TAL). Über diese realisieren die Wettbewerber in der Regel nur noch DSL-Anschlüsse mit bis zu 16 Mbit/s. Genau hier dürfte auch der Schwund von 133.000 Kunden im ersten Quartal oder 545.000 Kunden binnen Jahresfrist begründet sein. Die jeweiligen Endkunden buchen entweder VDSL oder wechseln zu einem Kabelanbieter.

Insgesamt geht es dem Wholesale-Bereich der Telekom, in dem sich auch VDSL-Anschlüsse für die Konkurrenz finden, aber gut. Insgesamt lag der Anschlussbestand im Bereich Wholesale bis zum Ende des ersten Quartals 2020 bei rund 12 Millionen.

Mobilfunk

Im Mobilfunk-Bereich gewann die Telekom binnen eines Quartals 771.000 Nutzer hinzu und liegt nun bei 46,96 Millionen Nutzern. 141.000 dieser Neukunden waren Telekom- oder congstar-Vertragskunden. Auch im Vertragskundengeschäft der Wiederverkäufer ist die Anzahl der Mobilfunk-Kunden leicht gestiegen. Besonders deutlich war das Wachstum im Prepaid-Segment mit 587.000 Nutzern. Das allerdings ist nur ein scheinbares Wachstum an echten Kunden. Die Telekom hat ihre Zählung für M2M-Karten für die Nutzung in Maschinen umgestellt und rechnet diese jetzt dem Prepaid-Markt zu. So wurde das erste Quartal im Prepaid-Markt im Wesentlichen durch Automotive-Initiativen im Geschäftskundenbereich getrieben.

StreamOn, die Datenflatrate für das Streaming von Videos, Musik oder Social Media, wird in Deutschland übrigens von 3,3 Millionen Kunden genutzt – 63 Prozent mehr als im Vorjahr. Und MagentaEins, die Marke für jene Kunden mit Festnetz und Mobilfunk von der Telekom, wird von 4,7 Millionen Kunden genutzt. Sie sind für die Telekom die wertvollsten Privatkunden.

Magenta TV bringt es ebenfalls auf die Gewinnerstraße: 3,678 Millionen Kunden nutzen das TV-Angebot der Telekom, ein Quartalswachstum von 60.000 Kunden.

Das Ergebnis

Unterm Strich steht im Gesamt-Konzern der Telekom ein Quartalsgewinn von 916 Millionen Euro, was einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahresquartal von fast zwei Prozent entspricht. Bereinigt um Sondereffekte wie den Sprint-Deal legte der Gewinn sogar um knapp neun Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu. Den Umsatz stieg um 2,3 Prozent auf 19,9 Milliarden Euro, das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen gönnte sich mit 10 Prozent Plus einen kräftigen Schluck aus der Pulle und lag bei 6,5 Milliarden Euro.

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