E-Scooter: Die 5 größten Probleme der Elektroroller

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Seit diesem Sommer stellen E-Scooter in vielen großen Städten eine alternative Fortbewegungsmöglichkeit dar. Insbesondere Verleiher der Tretroller wie Lime, Tier oder Circ wittern ein Geschäft und kleistern Köln, Hamburg oder Berlin mit E-Scootern voll. Doch es gibt nicht nur Vorteile. Diese 5 Probleme verursachen die ausleihbaren Elektroroller.
E-Scooter von Bird, Circ und Tier vor einer bunten Wand in Köln
E-Scooter von Bird, Circ und TierBildquelle: Blasius Kawalkowski

Von A nach B zu fahren geht mit den ausleihbaren Elektroroller schnell, macht Spaß und kostet nicht allzu viel. Rund drei Monate nach dem Startschuss jedoch gibt es aber nicht nur Positives zu berichten.

1. Mehr Unfälle als mit dem Fahrrad

Seit Einführung der E-Scooter in Hamburg sind der „Welt“ zufolge in der Innenstadt-Klinik St. Georg 35 Verletzte nach Unfällen mit den Elektrorollern behandelt worden. Elf Menschen wurden so schwer verletzt, dass sie operiert werden mussten. „In den vergangenen beiden Monaten haben wir in unserer Klinik mehr Verletzte durch E-Scooter-Unfälle behandelt als Verletzungen durch Fahrradunfälle“, sagte Prof. Christian Kühne, Chefarzt des chirurgisch-traumatologischen Zentrums der Asklepios Klinik St. Georg auf Nachfrage der Deutschen Presseagentur (dpa).

„Der Zustrom an Verletzten dürfte anhalten“, ist sich der Klinikbetreiber sicher. Zumal damit zu rechnen sei, dass die Anzahl der E-Scooter zunehme. Frankreich hat bereits erste Tote zu beklagen. Ärzte der Kliniken appellierten an alle Fahrer der Elektroroller, unbedingt einen Helm zu tragen, auch wenn es in Deutschland keine Helmpflicht gebe.

2. Stadtchaos: E-Scooter werden als Sperrmüll entsorgt

Insbesondere in Frankreich haben E-Scooter die Straßen von Großstädten verändert. Die Tretroller liegen auf Gehwegen, werden in Flüsse geworfen und landen in Marseille auch des Öfteren im Meer. In Paris hat man auf das E-Roller-Chaos keine Lust mehr und greift nun knallhart durch. Falsch abgestellte E-Scooter werden als Sperrmüll entsorgt. „Es ist nötig, Ordnung zu schaffen“, sagt die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo gegenüber der dpa. So schwerwiegend ist das Chaos in deutschen Städten aber (noch) nicht. Während in Paris rund 20.000 E-Scooter unterwegs sind, hatte Berlin Ende August mit „nur“ 9.000 Rollern zu kämpfen. Weitere Anbieter jedoch drängen auf den deutschen Markt.

E-Scooter von VoiQuelle: Voi

3. Betrunken auf dem E-Scooter

Viele Nutzer der Elektroroller sehen in diesen offenbar eher ein Spielzeug statt einem straßenzugelassenen Fahrzeug. Abendliche Fahrten im alkoholisierten Zustand sind keine Ausnahme. Anfang September hat die Polizei gemeinsam mit Vertretern der E-Scooter-Verleiher Circ und Tier Fahrer deshalb eine Nacht kontrolliert. Die Bilanz: Mehrere Ordnungswidrigkeitenanzeigen, teils hohe Bußgelder und drei Fahrern wurde der Führerschein entzogen. „Nach zehn Alkoholfahrten in der Nacht von Freitag auf Samstag verdeutlichen diese Ergebnisse, dass sowohl Deutsche als auch Touristen die Kraftfahrzeuge häufig alkoholisiert nutzen“, schreibt die Polizei. „Die festgestellten Alkoholverstöße innerhalb nur weniger Stunden dürften zudem nur eine kleine Zahl der tatsächlichen Alkoholfahrten ausmachen. Mit Blick auf die Unfallzahlen besteht weiterer Handlungsbedarf.“ Seit Erfassung der Unfälle mit E-Scootern habe die Polizei Köln 20 Unfälle unter Alkoholeinfluss mit sechs schwerverletzten und 13 leichtverletzten Scooter-Lenkern registriert, heißt es.

4. E-Scooter-Fahrer kennen Regeln nicht

Gründe für das Chaos in Innenstädten und Fahren unter Alkoholeinfluss: Viele kennen schlicht die Regeln nicht. „Das größte Problem ist, dass die Nutzer nicht wissen, was sie dürfen und was sie nicht dürfen“, sagt  Christina Gutenberger vom Verkehrsdienst der Frankfurter Polizei.

So ist das Fahren auf Gehwegen und Fußgängerzonen etwa absolut tabu. Und auch zu Zweit auf einem Elektroroller durch die Stadt zu düsen, ist illegal und wird mit Geldbußen geahndet. Im Video zeigen wir dir, was erlaubt und was untersagt ist.

5. Trotz Elektro-Antrieb: E-Scooter nicht so umweltfreundlich wie vielleicht angenommen

„Elektrische Tretroller, wie sie aktuell in Innenstädten zum Verleih angeboten werden, sind zurzeit kein Gewinn für die Umwelt“, so das Umweltbundesamt. Als Leihfahrzeug in Innenstädten, wo ÖPNV-Netze gut ausgebaut und die kurzen Wege gut zu Fuß und per Fahrrad zurückzulegen seien, bringen die Roller eher Nachteile für die Umwelt – und drohen als zusätzlicher Nutzer der bereits unzureichend ausgebauten Infrastruktur das Zufußgehen und Fahrradfahren unattraktiver zu machen. „In der Ökobilanz sind E-Scooter natürlich deutlich besser als das Auto. Aber gegenüber dem bewährtem Fahrrad, mit dem sich Strecken ebenso schnell bewältigen lassen und Gepäck besser transportieren lässt, sind E-Scooter die deutliche umweltschädliche Variante und aus meiner Sicher daher keine gute Alternative“, sagt die Präsidentin des Umweltamts Maria Krautzberger.

Zudem seien die Akkus, die in den E-Scootern verbaut sind, ein Problem. Den bei den wiederaufladbaren Batterien handelt es sich um Lithium-Ionen-Akkus, die Kobalt, Nickel, Kupfer, Aluminium und andere teilweise kritische Rohstoffe enthalten können, deren Abbau häufig mit Belastungen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt einhergehe. „Der Abbau von Kobalt in Afrika und Lithium in Südamerika erfolgt nicht immer umwelt- und menschengerecht“, so das Umweltbundesamt.

Hinzu kommt: Nachts werden die E-Scooter von Kleintransportern eingesammelt, von den Fahrern aufgeladen und am frühen Morgen wieder ausgefahren. Noch sei unklar, wie viele PKW-Kilometer durch die Aktivitäten der sogenannten „Juicer“ entstünden, warnt das Umweltbundesamt. Nur wenn E-Scooter nicht mehr zusätzliche Wege mit Benziner- oder Diesel-betriebenen Fahrzeugen generieren, als sie bei ihrer Nutzung einsparen, könnten sie überhaupt als umweltfreundlich bezeichnet werden.

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1 KOMMENTAR

  1. Ach mal wieder die bösen, bösen E Scooter. Ich bin gesundheitlich eingeschränkt, das Fahrrad oder zu Fuß gehen ist für mich keine Alternative.
    Ich lade mein E Scooter einmal Sonntag Abend auf, und fahre damit ( mit einer Akkuladung ) von Montag bis Freitag zur Arbeit hin, und wieder zurück !
    Weiterhin stellt sich bei mir die Frage, was den für Rohstoffe in den wiederaufladbaren Batterien der E Fahrräder verbaut werden ?
    Immer diese einseitigen Beurteilungen, ich bin täglich in Berlin unterwegs, und was ich da an Fahrradfahrer auf dem Gehweg sehe…..unfassbar !
    Aber vielleicht lohnt sich nicht darüber zu berichten, weil das schon als Normalität zählt. Und an alle, die sich darüber mokieren warum ich nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahre, weil es um ein vielfaches teurer ist als eine Akkuladung, und es macht auch dazu noch Spaß……

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