E-Bikes bald wieder billiger? Deshalb gibt es Hoffnung

3 Minuten
E-Bikes und Fahrräder werden zurzeit immer teurer. Viele Hersteller schlagen wegen der hohen Nachfrage und den Lieferengpässen im Welthandel in der neuen Saison 2022 kräftig zu und erhöhen teilweise sogar die Preise ihrer bestehenden Modelle. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer.
Canyon Roadlite:ON 7
Canyon Roadlite:ON 7Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside digital

Ob riesige Global Player wie Giant oder kleine Fahrradbauer wie Vello Bike oder C.B.T. Italia, alle haben ein Problem: Komponenten, Rahmen und Lieferwege für E-Bikes werden immer teurer. Diese Preise gibt man in der Regel an den Endverbraucher weiter. Und so sehen sich interessierte Kunden nicht nur mit langen Wartezeiten konfrontiert, sondern auch mit steigenden Preisen. Dabei will der Großteil der Gesellschaft eigentlich umweltfreundlicher unterwegs sein und mehr auf das Auto verzichten. Die EU hat nun die Regelung der Mehrwertsteuer angepasst und damit den Weg für eine Preisbremse geebnet. 

E-Bikes könnten bald günstiger werden

Der Europäische Rat hat im Dezember die Einigung über die Vorschriften für Mehrwertsteuersätze erzielt und herauskommt der „Vorschlag für eine Richtlinie des Rates zur Änderung der Richtlinie 2006/112/EG in Bezug auf die Steuersätze“. Neben diesem Titel-Ungetüm ist der Rat der Europäischen Union aber auch konkret geworden und verlautbart, dass jetzt umweltfreundliche Güter und Dienstleistungen mit einem verringerten Mehrwertsteuersatz belegt werden dürfen. Den ermäßigten Mehrwertsteuersatz kennst du in Deutschland bei Nahrungsmitteln und beispielsweise Büchern. Er beträgt hierzulande 7 Prozent statt der normalen 19 Prozent. 

Konkret heißt das, dass schon im kommenden Jahr E-Bikes, Solarpaneele oder Abfallrecyclingdienstleistungen weniger kosten könnten. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die neue Ampel-Koalition und damit die Regierung in Deutschland diese neue Freiheit nutzt und tatsächlich die eigenen Steuersätze anpasst. Dann wären keine 19 Prozent, sondern 7 Prozent Steuern auf E-Bikes fällig. Bei einem Marktpreis von beispielsweise 2.500 Euro netto, wären satte 300 Euro Ersparnis drin. Du würdest in unserem Beispiel also nicht 475, sondern 175 Euro Steuern auf dein nächstes E-Bike zahlen.

Fossile Brennstoffe fallen heraus

Die neue Regelung beinhaltet aber auch, dass „fossile Brennstoffe und andere Güter mit ähnlichen Auswirkungen auf die Treibhausgasemissionen bis 1. Januar 2030 auslaufen“. Auch „chemische Düngemittel und chemische Schädlingsbekämpfungsmittel werden bis 1. Januar 2032 auslaufen“. Wer nun befürchtet, dass etwa das Heizöl teurer wird, der kann jedoch beruhigt sein. Denn darauf gibt es in Deutschland schon jetzt den vollen Steuersatz von 19 Prozent. 

Anders könnte das für Kerosin und damit für Flüge aussehen. Denn darauf werden in Deutschland bisher keine Steuern erhoben. Das könnte sich mit der Neuregelung ändern. 

Der lange Weg der günstigen E-Bikes

Bis das alles so weit sein wird, dass E-Bikes günstiger werden, kann es noch einige Zeit dauern. Dabei ist die Anpassung der Regeln für die Mehrwertsteuersätze in der EU auch kein taufrisches Thema. Die Kommission hat ihren Vorschlag zur Änderung schon Anfang 2018 vorgelegt. Seither wird im Rat darüber gestritten. Nun liegt der Ball beim Parlament, das seine Stellungnahme zur Neuregelung abgeben muss. Erst danach kann der Europäische Rat diese förmlich beschließen. Und erst dann ist der Weg wirklich frei für die einzelnen Regierungen innerhalb Europas. 

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1 KOMMENTAR

  1. Frei

    Warum sind Pedelecs / E-Fahrräder in Deutschland und in EU so extrem teuer geworden?
    EU hat 2019 zusätzliche Gesamtzölle auf chinesische E-Bikes von 18,8 bis 79,3 Prozent eingeführt.
    Quelle: https://radmarkt.de/nachrichten/eu-strafzoll-e-bikes-china
    Die deutsche Fahrradindustrie missbraucht diesem erzwungenen Monopol unverschämt, und erhöhte die Preise bis ins Wucherbereich! In China kosten technisch vergleichbare Elektrofahrräder weniger als 50 %!
    Vor diese Erhöhung der Zollgebühren, die Fahrräder für die Bürger viel teurer macht, gingen deutsche Fahrradfirmen pleite. Unter anderen „Mifa“ (mitteldeutsche Fahrradwerke) ging dreimal pleite, und wurde mit Kapital von neuen Investor mehrmals aufgefangen.
    Bei den Preisen sieht es stark nach einem Fahrradproduzenten-Kartell zulasten der Verbraucher.
    Die importieren fertige Komponenten aus China (ohne den Wucher-Zöllen), schrauben diese Teilkomponenten in Deutschland zusammen, und schlagen fette Profite darauf!
    Auf internationalen Markt ist die Fahrrad-Produktion in Deutschland schon lange nicht mehr wettbewerbsfähig!
    Der Staat macht die Fahrräder und Pedelec extrem teuer, unter anderen durch die Wucherzölle, die der Staat selbst kassiert.
    Und ermöglicht auch der deutschen Fahrradindustrie defacto ein Monopol, der bei Preisgestaltung missbraucht wird.
    Dabei ist das Fahrradfahren der Volksgesundheit und dem Wohlergehen dienlich, und gut für die Menschen …
    Für die Menschen wäre es gut und gesund, Fahrräder und auch Pedelec (für Ältere) möglichst günstig erschwinglich zu machen, statt diese zu verteuern.

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