DSL-Anschlüsse könnten bald teurer werden

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DSL-Kunden könnte langfristig Ungemach drohen: Möglicherweise werden die Grundkosten für DSL-Anschlüsse steigen. Grund dafür sind neue, steigende Vorleistungskosten, die die DSL-Provider zahlen müssen.
Ein Handy mit einem WLAN-Symbol und O2-DSL-Schriftzug
Bildquelle: O2

Die Bundesnetzagentur hat am Mittwoch ihren Entgeltvorschlag für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL), die sogenannte „letzte Meile“, veröffentlicht. Diese TAL galt lange Jahre als die Mutter aller Vorleistungen. Nahezu jeder Anschluss bei einem Telekom-Wettbewerber basierte auf dieser Vorleistung. Heute gilt das vor allem noch für klassische DSL-Leitungen.

Es ist vorgesehen, dass die Telekom ab dem 1. Juli 2019 monatlich 11,19 Euro netto von ihren Wettbewerbern für die Anmietung der TAL am Hauptverteiler (Fachbegriff: HVt-TAL) verlangen darf. Derzeit werden dafür 10,02 Euro netto im Monat fällig. Damit steigt der Preis pro Monat für die Vorleistung um 1,17 Euro netto beziehungsweise 1,39 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Der Hauptverteiler ist der zentrale Punkt im Netz der Telekom, ab dem die einzelnen Kupferleitungen zu den Endkunden führen. Vor allem klassische DSL-Anschlüsse mit bis zu 16 Mbit/s nutzen diese Vorleistung.

Auch Vorleistung für VDSL wird teurer

Gleichzeitig wird auch das Entgelt für den Zugang zur TAL an einem Kabelverzweiger (KVz-TAL) angehoben. Dabei handelt es sich um Leitungen aus den grauen Verteilerkästen am Straßenrand bis zum Kunden. Diese Gebühr beträgt künftig 7,05 Euro netto statt bisher 6,77 Euro netto monatlich. Das sind 28 Cent netto. Die KVz-Tal kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn ein Mitbewerber eigene VDSL-Leitungen ausgebaut hat. Auch beim Ausbau von VDSL Vectoring kommen diese Leitungen zum Einsatz, sofern der Anbieter selbst ausbaut. Sofern er einen VDSL-Anschluss der Telekom vermarktet, kommt mit Bitstream ein anderes Vorleistungsprodukt zum Einsatz. Die meisten Wettbewerber setzen im Massenmarkt auf Bitstream, lediglich lokale Anbieter bauen selber Netze aus.

Die Erhöhung der Entgelte für den Zugang zur „letzten Meile“ resultiere aus dem Anstieg nahezu sämtlicher relevanter Preisparameter, teilte die Bundesnetzagentur mit. Dabei handelte es sich insbesondere um die Tiefbaupreise, darüber hinaus beispielsweise auch der Kupferpreise, den Stundensatz für die Montagearbeiten sowie der Preise bei Vergabe an Auftragnehmer.

Neben den Entgelten für den Zugang zur „letzten Meile“ hat die Bundesnetzagentur heute auch neue Entgelte ab dem 1. Juli 2019 für den Zugang von Wettbewerbern zur Anschlussinfrastruktur der Telekom vorgeschlagen. Sofern Wettbewerber für die Anbindung eines Kabelverzweigers auf ein Kabelleerrohr der Telekom zurückgreifen, sollen sie dafür monatlich 6 Cent pro Meter eines Viertelrohres zahlen, statt bislang 4 Cent. Das klingt zunächst wenig, kann sich aber schnell summieren.

Konditionen sind noch nicht fix

Die Entscheidungsentwürfe sind – wie der Name sagt – zunächst einmal Entwürfe. Sie können nun von allen interessierten Parteien kommentiert werden. Anschließend werden die Entscheidungsentwürfe in verschiedenen europäischen Gremien kommentiert. Sofern die Europäische Kommission keine ernsthaften Bedenken gegen die Entscheidungen äußert, können sie ab dem 1. Juli 2019 endgültig in Kraft treten. In der Regel ändert sich an den Entwürfen nichts mehr.

Anbieter müssen knapp kalkulieren

Die DSL-Provider dürften sich langfristig dazu gezwungen sehen, die Preise anzuheben. So verkauft 1&1 seinen DSL-Anschluss mit 16 Mbit/s beispielsweise für rechnerisch 21,23 Euro pro Monat innerhalb der Mindestlaufzeit von zwei Jahren. Zieht man hier die Miete der Kupferleitung von künftig 13,32 Euro brutto ab, bleiben dem Provider nur noch 7,91 Euro, um beispielsweise den Datenverkehr, Mitarbeiter, Telefon-Flatrate sowie Einmalkosten für Aktivierung und Deaktivierung des Anschlusses bei der Telekom sowie weitere Partnerunternehmen zu bezahlen.

Immerhin: Wer sich als Kunde in einem Vertragsverhältnis befindet, dem kann der Provider nicht einfach die Preise erhöhen. Eine Preiserhöhung bedeutet in der Regel ein Recht zur außerordentlichen Kündigung, sofern sich der DSL-Anbieter nicht in den AGB anders abgesichert hat.

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3 KOMMENTARE

  1. Hmm, dabei hat 1&1 erst vor kurzem die Preise „angepasst“. Traurig für die, die ohnehin nur 2 bis 6 Mbits erhalten und für nen 16er zahlen müssen. Die werden natürlich doppelt bestraft.

  2. Kupfer sollte das Netz nicht endlich mit Glasfaser ausgebaut werden? Deutschland hängt eh schon hinterher und die verbauen weiter Kupfer. Sehr traurig.

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