DNS-Blocking: GEMA zwingt Vodafone und 1&1 zur Sperre von boerse.to

4 Minuten
DNS-Blockaden sind so etwas wie der Graus aller Internetprovider. Sie sorgen dafür, dass bestimmte Inhalte im Internet gesperrt werden und führen in aller Regel dazu, dass die Aufregung nicht nur in der eigenen Nutzerschaft groß ist. "Zensur!", schreien die einen. "Umsetzung geltenden Rechts", argumentieren die anderen. Die Verwertungsgesellschaft GEMA hat nun einen Teilerfolg errungen. Das Filesharing-Portal boerse.to und die deutlich kleinere Webseite DDL-Music sind für Kunden von zwei ersten großen Providern nicht mehr zu erreichen.
Homepage von boerse.to
Bildquelle: Hayo Lücke / inside handy

Betroffen sind Kunden von Vodafone und deren Tochtergesellschaft otelo. Auch Kunden von 1&1, die über Vodafone an das Internet angeschlossen sind, haben aktuell Probleme. Für sie ist beispielsweise das Ansurfen des Online-Forums boerse.to nicht mehr möglich. Bereits seit dem 22. März berichten erste Nutzer von entsprechenden Sperren.

DNS-Blocking: Welche Kunden sind betroffen?

Nach Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ trifft die neue Sperre rund 25 Millionen Kunden, die per DSL- oder Kabel-Anschluss von Vodafone das Internet nutzen. Entsprechend sind auch ehemalige Kunden von Kabel Deutschland betroffen. Denn Vodafone hatte Kabel Deutschland im Jahr 2013 übernommen.

Mehr noch: Auch Mobilfunk-Kunden von Vodafone haben keinen Zugriff mehr auf Inhalte der beiden genannten Portale. Und weil Vodafone auf technischer Seite zum Beispiel auch für Teile der Zugänge von 1&1 verantwortlich ist, surfen auch diese Kunden neuerdings nicht mehr die Inhalte von boerse.to und DDL-Music an.

Warum ist boerse.to nicht mehr zu erreichen?

Der Hintergrund für die Sperre von boerse.to ist auf den ersten Blick unverständlich. Schaut man sich das Online-Forum aber genauer an, wird schnell klar, was der Leitgedanke der GEMA gewesen sein dürfte: Illegales Filesharing und damit verbundene Urheberrechtsverletzungen. Denn bei boerse.to sind auch Links zu finden, die den Download von aktueller Musik, Spielfilmen oder Software ermöglichen. Für die GEMA offenbar ein rotes Tuch. Denn sie vertritt die Interessen vieler Künstler, deren Werke unter boerse.to unerlaubterweise kostenlos zu erhalten sind.

Dass eine DNS-Sperre zum Einsatz kommt, kennt man übrigens auch aus anderen Ländern. Aus China zum Beispiel. Wer dort „frei“ im Internet surfen möchte, wird sich schnell wundern. Denn viele in Deutschland zugängliche Inhalte sind in China gesperrt. Facebook oder Twitter zum Beispiel. Grund ist die „Great Firewall“, die von der chinesischen Regierung verwaltet wird, um die eigene Bevölkerung vor vermeintlich gefährlichen Inhalten zu schützen. Stattdessen werden in vielen Fällen aber eher für den Staat unliebsame Inhalte geblockt.

1&1 will sich juristisch wehren

Doch zurück nach Deutschland: Hier hat Vodafone die Forderung der GEMA nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ widerwillig umgesetzt. „Wir stehen als Accessprovider diesen Sperranforderungen kritisch gegenüber“, sagte eine Sprecherin gegenüber der Zeitung. 1&1 wehrt sich dem Vernehmen nach juristisch, will die angeordnete Sperre also möglichst rasch rückgängig machen.

Grundlage für das nun erlebte Vorgehen der GEMA ist ein bereits gesprochenes Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2018. Damals hatte das Gericht entschieden, dass auch Dritte, die lediglich einen Zugang zu Piraterie-Seiten anbieten, für Urheberrechtsverletzungen haftbar gemacht werden können.

Aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Zuvor müssen Rechteinhaber wie die GEMA „zumutbare Anstrengungen“ unternommen haben, die Betreiber der illegalen Webseiten ausfindig zu machen. Dies ist im aktuellen Fall wohl passiert. Ein spezialisierter Dienstleister habe aber keinen Erfolg dabei gehabt, die Betreiber der beiden beanstandeten Seiten ausfindig zu machen. Das ist vor allem vor dem Hintergrund schwierig, da auf Filesharing-Websites in aller Regel kein Impressum zu finden ist. Und auch sonst verschleiern die Seitenbetreiber ihre Identität in den Weiten des weltweiten Datennetzes so gut sie können.

Kann man DNS-Blocking umgehen?

Betroffene Kunden von Vodafone und 1&1 können die eingerichteten Sperren im Übrigen auch verhindern. Dafür reicht es zum Beispiel aus, eine VPN-Verbindung einzurichten oder den Tor-Browser zu nutzen. Auch die Verwendung eines anderen DNS-Servers in den Netzwerk- beziehungsweise Router-Einstellungen kann helfen.

Ob die GEMA das DNS-Blocking von Vodafone und 1&1 auch auf andere deutsche Provider wie die Deutschen Telekom ausweiten wird, ist aktuell unklar.

Bildquellen:

  • boerse.to auf PC: Hayo Lücke / inside handy
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Hayo liebt Technik seit vielen Jahren. Bereits 2002, in der Pre-Smartphone-Ära, startete er im Technik-Journalismus durch. Heute ist Hayo nicht nur Feuer und Flamme für die besten Serien bei Prime Video und Sky - ein Netflix-Abo hat er nicht - sondern auch für alles, was mit elektrifiziertem Fahren zu tun hat. Und damit sind nicht nur die ICE- und IC-Züge der Deutschen Bahn gemeint, die er im Pendelverkehr zwischen seiner Heimat Münster und der Redaktion von inside digital vor den Türen Kölns mehrmals wöchentlich besteigt, sondern vor allem auch Elektroautos.

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5 KOMMENTARE

    • Nur weil Du bei 1&1 einen Vertrag hast, bedeutet das nicht, dass Du automatisch von den Problemen betroffen bist. Kommt immer drauf an, über wessen Technik dein Anschluss realisiert wird.

  1. Wie im Beitrag erwähnt, nur 1u1 Kunden die über die Leistung/Technik von Vodafone surfen sind betroffen.
    Da 1und1 die Leistungen bei den Anbietern mietet.
    Gruß LaprenoDE

  2. Ich finds halt schwachsinn, das nur Vodafone davon betroffen ist.
    Wieso nicht die Telekom?
    Zahlt die genug um der Sperre zu umgehen? oder liegt das daran das die T-Com zum teil dem Staat gehört, un kein reihnes privarunternehmen ist?

    man weiß es nicht, aber selbes war ja auch bei Kinox.to der fall.
    Zudem wird hier die Meinungsfreiheit eingeschränckt. denn immerhin ist boerse.to hauptsächlich ein Forum, zum Autausch über Meinungen und Infos.

    Generell kotzt mich die GEMA langsam an.

  3. sperre hin oder her. alles sinnlos.

    statt zu meckern sollen die leute einen VPN nutzen und gut.
    selbst für laien ist das einfach

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