Streaming für Games: Die vielen Probleme von Google Stadia

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Ein Netflix für Zocker, eine Weiterentwicklung der klassischen Konsolen oder die Zukunft des Gaming: Googles Stadia sollte so vieles sein. Mittlerweile ist mehr über den Dienst bekannt und viele Hoffnungen, die Spieler mit Stadia verbunden haben, konnten sich nicht bewahrheiten. Dafür gibt es nun einige eklatante Probleme, wie inside handy Redakteur David Gillengerten zusammenfasst.

Die Erwartungen waren hoch, als Google Mitte März zur Games Developer Conference sein Streaming-Dienst für Games, Stadia, vorstellte. Das Angebot sollte alle aktuellen Probleme des Computerspiele-Marktes auf einen Schlag lösen. Keine horrenden Summen mehr für Hardware ausgeben, so viele Spiele zocken wie man will und das alles auf unterschiedlichen Ausgabegeräten und Bildschirmen genießen – in 4K und mit 60 fps. Ein Traum für Spieler in der Mache.

Aber wie so oft kann der Hype nicht mit der Realität mithalten. Nun, wo weitere Informationen rund um Stadia bekannt wurden, zeigt die so glatte und polierte Oberfläche des Streaming-Dienstes erste Unebenheiten. Da wäre zu Anfang einmal die Erwartungshaltung an das Produkt. Seit Beginn der ersten Gerüchte bis hin zu „Project Stream“ ging man davon aus, dass es sich bei Stadia um ein „Netflix für Games“ handelt. Sprich: Nutzer zahlen einmal im Monat eine Abo-Gebühr und haben Zugriff auf eine Bibliothek an Spielen – wie bei Netflix.

Stadia ist kein Netflix für Games

Die Wahrheit sieht jedoch anders aus. Nutzer zahlen bei Stadia vor allem einen monatlichen Beitrag, um Spiele in einer gewissen Qualität streamen zu dürfen. Bisher gibt es leider nur ein kostenloses Spiel: Destiny 2 von Entwickler Bungie. Der Rest der über 30 Titel muss klassisch gekauft werden. Wer also gehofft hat, die komplette Spiele-Bibliothek von Stadia streamen zu können und das für nur 10 Euro im Monat, wird enttäuscht.

Ein weiteres Problem von Google Stadia ist die Anforderungen an die Internetleitung. Nutzer, die gerne ein Spielerlebnis wie auf der klassischen Konsole ohne aufgebohrte Grafik haben möchten, müssen laut Unternehmen mindestens auf 20 Mbit/s kommen. Das ist die Voraussetzung für eine 1080p-Auflösung, HDR und 5.1 Surround Sound bei 60 fps. Mindestanforderung sind 10 Mbit/s in der Bandbreite. Dann ist die Auflösung aber schon bei mittlerweile unterdurchschnittlichen 720p. Wer 4K will, der braucht 35 Mbit/s.

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Je nach Ort und Ausbauzustand der Kabelleitungen sind das schon recht üppige Anforderungen. Wer beispielsweise mit einer 50-Mbit-Leitung surft, kann je nach Auslastung schon einmal zwischen Full-HD und HD springen. Wer mit klassischen 16 Mbit/s unterwegs ist, wird es hingegen schwer haben, überhaupt Stadia nutzen zu können. Nutzer, die gut angebunden sind ans Netz, haben diese Probleme natürlich nicht. Aber ein Massenphänomen wird Stadia zu Beginn in Deutschland sicherlich nicht.

Überall spielbar? Nicht so schnell

Das dritte und große Problem von Stadia ist die angekündigte Mobilität. Denn während es in den Präsentationen des Dienstes so aussah, als ob das Streaming-Angebot für Spiele buchstäblich überall verfügbar wäre, gibt es nun Einschränkungen. Zum Beispiel auf TVs, wo man zwingend einen Google Chromcast (Ultra) und einen Stadia Controller benötigt. Wer also seine alte Konsole einmotten möchte, braucht trotzdem noch etwas Hardware an seinem Fernseher, um Stadia nutzen zu können – und das trotz der hohen Verbreitung von Smart TVs.

Auf mobilen Geräten sieht es derweil noch beengter aus. Denn Stadia wird zu Beginn nur von Googles eigenen aktuellsten Smartphones unterstützt. Wer den Dienst auf einem anderen Gerät als auf einem Pixel 3 (XL) und Pixel 3a (XL) nutzen möchte, schaut erst einmal neidisch auf den Switch-Nutzer neben ihm. Zu Tablets hat sich das Unternehmen derweil noch nicht im Detail geäußert. Mobil zocken mit Stadia ist wegen der Mindestgeschwindigkeit ebenfalls ein Problem. Abseits von LTE wird es schwer, die Anforderungen des Dienstes unterwegs bedienen zu können.

Stadia ist also kein „Netflix für Spiele“ und schon gar nicht ein Heilsbringer der „Zukunft des Gaming“. Google bietet mit dem Dienst ein gutes Fundament, das jedoch noch weit von wahrer Größe entfernt ist. Sobald aber die Einschränkungen nach und nach fallen, könnte sich Cloud-Gaming durchaus als ernst zu nehmende Konkurrenz und vielleicht als Weiterentwicklung der klassischen Konsolen etablieren. Bis es soweit ist, gehen aber noch einige Jahre ins Land.

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