Die Höhle der Löwen: Kein Schweiß!

8 Minuten
Die Höhle der Löwen. Moderne TV-Unterhaltung, Spannung und viel Werbung – auch wenn gerade keine Werbepause ist. Längst ist klar, dass viele Start-Up-Gründer das Rampenlicht der TV-Show suchen, ohne zwingend einen Deal mit einem der Löwen abschließen zu wollen. Wir haben unseren Redakteur Michael Stupp vor den Fernseher gefesselt und das Spektakel – Staffel 6, Folge 2 – beobachten lassen. Warum er dabei nicht ins Schwitzen kommt, zeigt seine Nachlese.

FIFA 20 Demo aus, Fernseher an. Ja, es ist wieder Dienstagabend, 20:15 Uhr: selbst- oder senderernannte Löwen lassen sich in schlappen zweieinhalb Stunden neue Produkte und Ideen vorführen, die unser Leben bereichern (sollen).

Schon vergangene Woche hat mich der Schluss nicht überzeugt: „Schwiegersohn“ Rubin sackte für seine Idee, eine App, die Schüler besser machen soll, 700.000 Euro ein. Für mich eher eine Quiz-App, die rudimentär die Lernpläne von 16 Schulministerien abdeckt und vielleicht einen 2er-Kandidat auf eine 1 Minus bringt. Das aber nur am Rande. Neue Folge, neues Glück!?

Die erste Idee: Kaffeekapseln aus Holz

„Wir revolutionieren den Markt für Kaffeekapseln“. Nicht George Clooney, sondern zwei unscheinbare junge Kerle stehen auf der Bühne und stellen ihre kühne Idee vor. rezemo will nachhaltige Kaffeekapseln etablieren. Die Kapseln zum Brühen und Pressen des schwarzen Wachmachers, der auch bei uns an keinem Büromorgen fehlen darf, sind aus Holz. Nachwachsender Rohstoff, wie betont wird.

Die Kapseln sind weniger schrill, machen aus der Ferne einen ordentlichen Eindruck. Löwin Dagmar Wöhrl erinnern sie gar an das altbekannte Plastik. Die Entsorgung ist aber vielseitiger: Biomüll oder einfach verbrennen.

Preislich liegen die nachhaltigen Kaffeekapseln (noch) auf Nespresso-Niveau – circa 40 Cent je Kapsel – Tendenz: Sinkend. Wichtig: rezemo will am Ende des Tages keinen Kaffee verkaufen, sondern die Verpackung als Kapsel.

Die Forderung: 500.000 Euro für 10 Prozent Firmenanteile

Die Angebote: Angebote gibt’s von Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel und Dagmar Wöhrl als Dreiergespann mit satten 750.000 Euro für immerhin 25 Prozent Firmenanteile. Dazu ein Konkurrenzangebot von Frank Thelen, der abenteuerliche Abo-Modelle mit den Kaffeekapseln plant und 500.000 Euro für 20 Prozent anbietet. Die fünfte Löwin, Judith Williams, steigt aus. Die Kosmetikexpertin fasst zusammen – nicht neutral, wie Carsten Maschmeyer befindet. Die Löwen fauchen rund ums Working Capital.

Der Deal: Die beiden Gründer wollen nachverhandeln, die 750.000 der drei Löwen nehmen, hierfür jedoch nur 15 Prozent der Firma abgeben. Die Löwen kommen entgegen. Am Ende ist die Investition in die Kaffeekapseln 1 Million Euro wert. 20 Prozent Firmenanteile geben die beiden Gründer an das Gespann Maschmeyer-Wöhrl-Dümmel ab.

Enttäuschung danach: Der Deal platzte nach der Sendung doch noch.

Trotzdem interessiert? Für 5,99 Euro gibt’s 14 Kaffee-Kapseln aus Holz.

Der zweite Pitch: Wohnzimmerkonzerte

Der Griff in die Event-Kiste. Obwohl Jochen Schweizer längst nicht mehr dabei ist, wagen es zwei sympathische Gründerinnen mit einem Online-Netzwerk „SofaConcerts“ in die Sendung, das lokale Künstler für Konzerte vermittelt. Ob intimes Wohnzimmerkonzert oder dicke Sause zur Hochzeit. Als das Wort „Skalierungsmöglichkeiten fällt, ist spätestens der letzte Löwe erwacht.

Der Vorteil gegenüber Künstler-Agenturen? Keine Nische, keine Exklusivverträge, keine Grenzen für Künstler. 5.000 sollen es schon sein, mehr als jede Agentur bieten kann.

Die Forderung: 350.000 Euro für 10 Prozent Firmenanteile

Löwen-Angebote: Ralf Dümmel findet sein Geschäftsmodell nicht wieder, Carsten Maschmeyer ist die Bewertung zu hoch und Neu-Löwe Nils Glagau blickt durch die Idee nicht durch – schnell ist das Rudel dezimiert. Medienmogul Georg Kofler ist interessiert, Dagmar Wöhrl hingegen nicht überzeugt.

Deal? Kofler bietet 350.000 Euro, will aber gleich 30 Prozent. Nachverhandlungen? Nein, die Gründerinnen wollen auf eigene Faust weitermachen und lehnen ab.

Werbepause. Ich schau kurz zu den Kollegen rüber: Es gibt neue iPhones. Voll im #DHDL-Modus lehne ich ab. Apples Firmenbewertung ist mir zu hoch.

Pitch Nr. 3: Hoch hinaus auf der Stelle

Dariusz und Piotr stellen sich auf Polnisch vor. Ihre Idee: Everest Climbing. Ein Sportgerät, mit dem jeder unendlich hoch klettern kann. Hört sich brutal und gigantisch an. Ist aber eine Kreuzung aus Kletterwand und Laufband. Witzig und findig. Tempo, Anordnung der Klettergriffe und Steigung verändern sich. Als Georg Kofler im virtuellen Hillary-Step hängt, vernehme ich ungesunde Knattergeräusche aus dem Laufbandmotor, die Wand hält aber.

Wer sich ein solches Gerät kaufen will, muss 7.500 bis 12.000 Euro hinlegen. Kein Vergnügen für den Schlussverkauf. Ralf Dümmel ist also raus.

Die Forderung: 220.000 Euro für 15 Prozent Firmenanteile

Löwen-Angebote? Dagmar Wöhrl steigt sogar noch vor Ralf Dümmel aus, Glagau folgt kurz darauf. Ralf Dümmel fragt der Form halber noch einmal nach Verkäufen der Kletterwand. Da wir das Sportgerät aber wohl nicht bei DM sehen werden, ist sein Ausstieg keine Überraschung, „nicht mein Business“, so seine weisen Worte. Carsten Maschmeyer ist nicht von der Massenproduktion und dem geschäftlichen Erfolg überzeugt. Schlägt die Stunde von Georg Kofler?

Der Deal: Kofler macht ein Angebot, will wieder 30 Prozent, das Doppelte. Die beiden Polen schlagen ein. Wir haben einen Deal, mit dem Kofler selbst nicht gerechnet zu haben scheint. Der Witz des Tages von Carsten Maschmeyer: „Viel Glück mit stetig kletternden Umsätzen“ – ein Fall fürs Bullshit-Bingo.

Eine App!?!

Frank Thelens Ohren sind gespitzt – Halt, der ist bei diesem Pitch gar nicht dabei. Für den Rest: Hier wird eine App vorgestellt. Das Pony im Studio schlägt die Brücke: Wir reden über einen digitalen Tierarzt „Vetevo“. Quasi Symptome googlen für Haustiere.

Spaß beiseite. Die Idee ist nobel: Die App zeigt, was dem Patienten, also dem Tier, fehlt und erinnert an die Einnahme von Medikamenten oder an Impfungen. Und dann kommt das eigentliche Produkt. Die App ist die digitale und hippe Fassade für einen Würmer-Test. Der Land-Tierarzt im Paketformat. Die App unterstützt in erster Linie also nicht die Tier-Pharma-Industrie, sondern sorgt für notwendigen und nicht für den Gießkanneneinsatz der Chemiekeule Wurmkur. Kosten für Test-Box und Laboranalyse: ab 29,90 Euro. Im Einkauf sind wir bei 1,50 Euro. Georg Kofler fühlt sich bei der Marge „wie beim Kokain-Handel hier“.

Die Forderung: 1,1 Millionen Euro für 10 Prozent Firmenanteile

Löwen-Angebote: „Ich muss nicht immer ne App haben“ – Dagmar Wöhrl ist schnell raus. Carsten Maschmeyer fehlt es an Exklusivität. Die Bewertung ist natürlich zu hoch. Ralf Dümmel sieht viele Möglichkeiten für das Startup – nur nicht für sich. Kofler benennt abschließend die Crux: die Firmenbewertung. Maschmeyer lässt nicht locker, will an die Hintermänner – keine Begeisterung beim Investor und Spott über die Bewertung. Auch bei Judith Williams ist der Investoren-Wurm drin. „Die wollten keinen Deal, die wollten Werbung“, tritt Carsten Maschmeyer nochmal nach.

Der Deal: Keiner! Die Gründer gehen enttäuscht und ohne Investor nach Hause.

Dennoch überzeugt? Hier geht’s zum Angebot.

„Schwitzen ist ein Riesenmarkt“

Ein Kosmetik-Deal und Judith Williams fragt sich: „Was ist daran anders als an Millionen Produkten, die es schon gibt?“. Will die Shopping-TV-Löwin etwa nicht investieren? Sei’s drum: Soummé hilft bei einer körperlichen Störung, Hyperhydrose, einem krankhaften Schwitzen. Die Gründerin leidet selbst daran. Eine persönliche Geschichte. Ist ja nicht verboten und baut die gute, notwendige Story.

Am Ende steht ein – vermeintlich – funktionierender Anti-Transpirant für betroffene und nicht-betroffene Anwender. Ein Problemlöser, Medizin und Alltagskosmetik in einem. Klingt vielversprechend. Soummé wird in Form von Tüchern und Rollern gezeigt. Wichtig: es ist geruchsneutral. Der Pitch wirkt authentisch, bedacht und schlüssig.

Die Forderung: 150.000 Euro für 10 Prozent Firmenanteile

Löwen-Angebote: Die Gründerin braucht Hilfe fürs Marketing. Alle Gründer finden Idee, Person und Produkt super. Angebote gibt’s am Ende von Judith Williams und Georg Kofler – nicht ohne Brisanz. In der vergangenen Staffel waren die beiden noch Partner, jetzt Konkurrenten. Wer macht’s am Ende? Ralf Dümmel sieht das Deo auch schon in seinen Regalen.

Der Deal: Kosmetik-Mutti Judith Williams möchte 20 Prozent für den aufgerufenen Preis. Ralf Dümmel („Schwitzen ist ein Riesenmarkt“) bietet ebenfalls 150.000 für 20 Prozent. Kofler zieht nach, 200.000 Euro liegen für 15 Prozent auf dem Tisch. Unterboten. Die Gründerin schlägt ein – überraschend aber nicht beim günstigen Kofler oder bei Kosmetik-Expertin Judith Williams. Der Godfahter of Regalmeter, Ralf Dümmel, macht den Deo-Deal.

Überzeugt? Hier kannst du Soummé-Produkte bei Amazon kaufen.

Was bleibt von #DHDL am Dienstagabend?

Der Kaffee-Deal ist hinter den Kulissen gescheitert. Die App fand wenig Anklang. Dass am Ende die persönlich aufgezogene Kosmetik-Story der Sieger des Abends ist, war nicht abzusehen. Ich fand ja auch die Kletterwand ganz cool, nur offenbar nicht genügend geplant und ausgereift. Aber bis Staffel 7 ist halt noch was hin. Der Dienstagabend war nicht so schweißtreibend, dass ich sofort zu Soummé greife. Immerhin bleibt dieser Pitch länger als bis Mittwochmittag im Kopf.

Nächste Woche geht’s weiter.

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Michael liebt Technik und hat schon 2012 bei inside handy angefangen. Seitdem hat er gefühlt alles einmal ausprobiert - News, Tests, Magazinartikel. Bei inside digital kümmert er sich insbesondere um neue Formate, Deals und insgesamt um das Content Marketing außerdem ist er immer für eine Fußball-Fachsimpelei zu haben. Seine Freude an der Technik wird nämlich von seiner Liebe für das runde Leder übertroffen – besonders für den Verein seines Herzens, den 1. FC Köln. Er spielt aktiv im Verein und digital an der PlayStation. Wenn er nicht mit Ballsport oder Schreiben beschäftigt ist, verreist er gerne und hofft still und heimlich auf die Unabhängigkeit des Rheinlands.

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1 KOMMENTAR

  1. Was soll ein „Pitch“ sein?
    Im Übrigen gibt es bereits biologisch abbaubare Kaffeekapseln. Holz ist kein nachhaltiger Rohstoff und somit nicht umweltfreundlich.

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