Deutsche Telekom: Satelliten-Internet statt Glasfaser?

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Mindestens zwei Millionen echte Glasfaser-Anschlüsse will die Deutsche Telekom ab sofort jährlich bauen. Doch bekommt wirklich jeder einen Glasfaser-Anschluss in den kommenden Jahren? Auch der Satellit scheint eine Alternative für die Telekom zu sein. Es gibt Gespräche mit Elon Musk.
Telekom Fahnen und Telekom T an Konzernzentrale
Bildquelle: Deutsche Telekom

Internet per Satellit lief, seitdem die Telekom und die anderen Anbieter VDSL weitgehend in die Fläche gebracht haben, unter ferner liefen. Nur noch wenig Bedarf bestand für deutsche Nutzer an vergleichsweise teurer Hardware für den Satelliten-Zugang. Hinzu kommt, dass der Internet-Zugang zumeist einer Fair-Used-Regelung unterliegt und die Latenzen hoch sind. Denn bislang wurde Internet per Satellit über geostationäre Satelliten realisiert. Das heißt, geringe und teure Kapazitäten und ein Signalweg von 72.000 Kilometern.

Doch wie das Handelsblatt berichtet, spricht die Deutsche Telekom mit Elon Musk, dem Mann hinter Tesla aber auch hinter dem Satelliten-Netzwerk Starlink. Die Telekom scheint interessiert, als Partner in Deutschland und möglicherweise anderen Ländern aufzutreten. Für die Telekom wäre das der Wiedereinstieg in das Satelliten-Geschäft. Denn bis 2018 vertrieb sie bereits Astra2Connect, einen Dienst, der Internet über die Astra-Satelliten ermöglicht.

Starlink: Satelliten-Internet next level

Starlink funktioniert aber anders. Statt in 36.000 Kilometern Höhe befinden sich die Satelliten von Musk in nur 550 Kilometern Höhe. Der Signalweg verkürzt sich so von 72.000 Kilometern auf 1.100 Kilometer, was eine deutlich geringere Latenz ermöglicht. Diese ist wichtig für einen schnellen Seiten-Aufbau, das Arbeiten im Home-Office über VPN-Tunnel und natürlich für Gamer.

Weiter Unterschied: Musk will bis 2027 12.000 Satelliten ins All schießen, langfristig sogar 42.000. Sie werden dann auf Umlaufbahnen zwischen 328 und 614 Kilometern um die Erde Kreisen. Rund 1.000 von ihnen – genau 882 –  sind schon im All. Weiterer Plan für die Zukunft: Die Satelliten kommunizieren untereinander per Laser. Im luftleeren Raum ist das ein Vorteil gegenüber Glasfaser-Signalen – sie sind schneller unterwegs.

Derzeit erreicht Starlink Datenraten von 50 bis 150 Mbit/s und ist damit nicht schneller als eine VDSL-Leitung. Für Nutzer, die kein VDSL bekommen ist das dennoch schon ein Geschwindkeitsgewinn. Mit mehr Satelliten im All soll auch die Datenrate für die Nutzer steigen – bis hin zu einem Gigabit. Fraglich ist, wie sich steigende Nutzerraten auf das System auswirken. Denn auch hier könnte die Problematik des Shared Medium ein Thema werden.

Ein Problem auch: Der Preis. Noch gibt es keinen Vertrieb in Deutschland. Allerdings: Eine Firma dafür wurde im November in Frankfurt gegründet. In den USA verlangt Starlink im Rahmen seines Beta-Programms 99 Dollar – pro Monat. Hinzu kommen etwa 500 Dollar für die spezielle Antenne.

Nach Angaben des Handelsblattes hat Starlink es im ersten Schritt vor allem auf Unternehmen und Großkunden abgesehen. Das Ziel: Global agierende Unternehmen aus einer Hand an allen Standorten mit derselben Technik zu versorgen. Für die großen Netzbetreiber ist das durchaus eine Gefahr, denn Geschäftskunden machen einen nicht unerheblichen Anteil ihres Umsatzes aus.

Telekom Satellit statt Glasfaser?

Telekom-Chef Höttges sieht das Satelliten-Netz vor alle als mögliche Alternative für den teuren Ausbau neuer Leitungen auf dem Land. „Für mich ist das eine sehr ernst zu nehmende Technologie. Ich bin ein großer Bewunderer von Elon Musk und seinen Ideen. Ich halte das für eine gute Technologie, um Menschen zu versorgen, die bislang keine Infrastruktur haben.“ Das soll er auf einer Netzausbau-Konferenz gesagt haben.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Statt für zigtausende Euro pro Kilometer eine neue Leitung zu verlegen, was Jahre dauert, könnte man die Kunden für wenige hundert Euro ans Netz bringen. Ebenfalls denkbar: In einer Übergangsphase ließe sich das Satelliten-Netz nutzen, um kleine Ortschaften zentral anzubinden, die Häuser aber schon per Glasfaser zu versorgen. Später könnten dann die Langstrecken-Anbindungen folgen. Das gleiche Prinzip könnte für die Anbindung von Mobilfunk-Sendemasten dienen, womit die Telekom eine weitere Alternative zur Anbindung per Glasfaser und Richtfunk hätte.

Bleibt abzuwarten, wie eine Zusammenarbeit zwischen Musk und der Telekom am Ende jenseits der Tesla-Firmenwagen für die Chefetage tatsächlich aussehen wird.

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2 KOMMENTARE

  1. Naja, besser als Straßen Bau kosten..
    Oder was denkt ihr?
    Sataliet bei unwetter immer noch so gut wie Kabel?
    Wenn es sie technology erlaubt.

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