Deutsche Telekom feiert furiosen Erfolg

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Gewaltiger Erfolg für die Deutsche Telekom. Das erste Quartal lief so gut, dass der Festnetz- und Mobilfunkanbieter seine Prognose für 2022 anheben kann. An der einen oder anderen Stelle gab es aber auch Überraschungen.
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Starker Auftakt in das Jahr 2022 für die Deutsche Telekom.Bildquelle: Deutsche Telekom

Starker Auftakt für die Deutsche Telekom in das Jahr 2022. Sie konnte im ersten Quartal nicht nur den Umsatz im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres kräftig steigern, sondern auch den Konzernüberschuss. Und auch bei der Kundenentwicklung lief es hervorragend – vorrangig im Mobilfunk.

Telekom verdient kräftig – und hebt Prognose für 2022 an

Schon Telefónica Deutschland hatte in der laufenden Woche mit besseren Zahlen überrascht, als man im Vorfeld erwarten konnte. Aber auch bei der Telekom lief es zwischen Januar und März richtig gut. Der Umsatz kletterte im Auftaktquartal im Jahresvergleich um mehr als 6 Prozent auf 28,02 Milliarden Euro. Davon setzte die Telekom 76,7 Prozent im Ausland um, allein 18,05 Milliarden Euro steuerte das Geschäft in den USA bei. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legte um fast 7 Prozent auf 9,87 Milliarden Euro zu.

Und auch der Konzernüberschuss verbesserte sich kräftig. Er lag im ersten Quartal mit 3,9 Milliarden Euro mehr als viermal so hoch wie im ersten Quartal des Vorjahres. Dazu trugen maßgeblich der Verkauf von 50 Prozent der neuen FTTH-Gesellschaft Glasfaser Plus an den australischen IFM Global Infrastructure Fund (IFM) und der Abschluss der Transaktion des niederländischen Mobilfunkgeschäfts bei. Der bereinigte Konzernüberschuss wuchs um 86,3 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro.

Finanzvorstand Christian Illek sagte am Montag anlässlich der Präsentation der aktuellen Quartalszahlen: „Das war ein starker Start ins neue Jahr. Wir wachsen organisch weiter und sind deswegen in der Lage, unsere Prognose für 2022 anzuheben.“ Für 2022 erwartet der Konzern beim bereinigten EBITDA nun mehr als 36,6 Milliarden Euro statt bisher rund 36,5 Milliarden Euro.

Viele neue Mobilfunkkunden in Deutschland

Hinsichtlich der Kundenzahlen lief es für die Telekom unter anderem im deutschen Mobilfunkgeschäft rund. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres kletterte die Mobilfunkkundenzahl um 757.000. Zum Stichtag Ende März standen somit 53,97 Millionen Mobilfunkkunden in den Telekom-Bilanzen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Zahl der werthaltigen Vertragskunden konnte das Bonner Unternehmen nur um 36.000 auf knapp 23,17 Millionen steigern.

Einem Wachstum von 193.000 Kunden unter den Marken Telekom und Congstar standen zahlreiche Kündigungen von Laufzeitverträgen bei Partnermarken und Service-Providern gegenüber. Zudem wird seit dem 1. Januar 2022 ein Teil der bisher unter privaten Vertragskunden ausgewiesenen Kunden als Prepaid-Nutzer verbucht. Nach Informationen von inside digital handelt es sich dabei um Kunden der ehemaligen Telekom-Multibrand-Marke Turkcell. Einen ähnlichen Schritt hatte es bereits im vergangenen Jahr gegeben, als 3,6 Millionen Vertragskunden des Service-Providers Lebara zu Prepaid-Nutzern wurden.

Die ungleich größere Zahl der Telekom-Neukunden entschied sich unterdessen für eine Prepaid-Karte. Hier kletterte die Kundenzahl unter anderem getrieben durch Initiativen im Automotive-Bereich um 721.000 auf 30,8 Millionen. Und das Wachstum in diesem Segment könnte sich sogar noch beschleunigen. Denn jüngst präsentierte die Telekom neue Prepaid-Tarife mit mehr Datenvolumen zum gleichen Preis.

Weniger Festnetz-, aber mehr Breitbandanschlüsse

Und im Festnetz? Hier musste die Telekom im ersten Quartal abermals einen Rückgang an klassischen Telefonanschlüssen verzeichnen. Deren Anzahl reduzierte sich um 45.000 auf 17,48 Millionen. Im gleichen Zeitraum kletterte die Zahl der geschalteten Breitbandanschlüsse aber um 55.000 auf 14,53 Millionen.

Die Zahl der TV-Kunden (IPTV und Satellit) – sie müssen bei MagentaSport ab der kommenden Saison übrigens auf Übertragungen der Basketball-Bundesliga verzichten, da die entsprechenden Rechte zum neuen Streaming-Dienst von Ex-DFL-Chef Christian Seifert wandern – legte um 17.000 auf 4,02 Millionen zu. Bei den von Telekom-Wettbewerbern für eigene DSL-Anschlüsse geschalteten Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) war ein Rückgang um 135.000 auf 3,49 Millionen zu verzeichnen. Das Konvergenz-Produkt MagentaEins nutzen aktuell rund 5,4 Millionen Telekom-Kunden.

Einen neuen Zwischenstand hat die Telekom auch hinsichtlich des 5G-Netzausbaus gegeben. Zum Ende des ersten Quartals war das 5G-Netz der Telekom nach eigenen Angaben für 91,6 Prozent der Haushalte in Deutschland verfügbar. Dabei kommt in mehr als 200 Städten die schnelle Frequenz von 3,6 GHz zum Einsatz. Im Hintergrund laufen derweil Verhandlungen mit der Bundesnetzagentur, wie es künftig mit den Nutzungsrechten der Frequenzen von 800, 1.800 und 2.600 MHz weitergeht. Sie laufen Ende 2025 aus. Laut Telekom sieht der Regulierer noch erheblichen Klärungsbedarf zu verschiedenen Fragen. Mit einer Neuvergabe sei daher nicht vor 2024 zu rechnen.

In seine Netze hat die Telekom im ersten Quartal nach eigenen Angaben rund 902 Millionen Euro investiert – 42 Millionen Euro mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dabei ging es primär um den Ausbau von 5G und Glasfaser.

Auch das US-Geschäft läuft prächtig

Weiterhin in bestechender Form präsentiert sich auch T-Mobile US. Hier legte die Kundenzahl um 822.000 auf rund 109,5 Millionen zu. Insbesondere im Vertragskundengeschäft ist die US-Tochter stark. Deren Anzahl kletterte um 760.000 auf knapp 88,5 Millionen. Stark nachgefragt sind nach Angaben der Telekom speziell schnelle Mobilfunkdienste als Festnetzersatz in ländlichen Gebieten. Zwischen Januar und März haben sich nach Telekom-Angaben 348.000 Kunden für ein solches Angebot entschieden.

In Europa ging die Zahl der Mobilfunkkunden abseits des Deutschlands-Geschäfts hingegen um 232.000 auf rund 45,5 Millionen zurück. Insbesondere im Geschäft mit Vertragskunden musste die Telekom massive Einbußen verkraften. Deren Zahl reduzierte sich in den ersten drei Monaten des Jahres um 772.000 auf 25,8 Millionen. Das lag aber nur daran, dass seit dem 1. Januar 2022 rund 920.000 Vertragskunden eines Service-Providers in Österreich nicht mehr als Telekom-Kunden ausgewiesen werden. Ohne diesen Effekt wäre die Vertragskundenzahl um 150.000 gewachsen.

Die Zahl der Festnetzkunden verharrte im europäischen Geschäft auf einem weitgehend stabilen Niveau. Das Plus lag bei 12.000, sodass in den Bilanzen rund 7,8 Millionen europäische Festnetz-Anschlüsse auftauchen. Hinzu kommen rund 6,4 Millionen Breitbandanschlüsse (+70.000) und knapp 4,1 Millionen TV-Kunden (+31.000).

Mehr Gehalt für Telekom-Mitarbeiter

Die Zahl der Telekom-Mitarbeiter in Deutschland ist in den vergangenen zwölf Monaten übrigens ein weiteres Mal gesunken. Sie reduzierte sich von 88.409 auf 84.470. Alle rund 55.000 Tarifbeschäftigten dürfen sich unterdessen ab August auf mehr Gehalt freuen. Es steigt in zwei Staffeln um rund 5 Prozent, wie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erklärte. Auch Auszubildende erhalten künftig eine höhere Vergütung. In den Entgeltgruppen 1 bis 6 gibt es als Bonus eine Einmalzahlung. Und zwar einerseits im Juli 2022 und zusätzlich im Februar 2023. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis zum 31. Dezember 2024 ausgeschlossen.

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1 KOMMENTAR

  1. Max

    Es gibt genau 2 Themen, die weiterhin schlecht laufen:
    1. Was passiert nun mit den Verträgen denn einfach nur StreamON weglassen ist jetzt nicht die Lösung und angemessen sowieso nicht. Es muss gleichwertig sein
    2. Die Angestellten in den unteren Lohntarifen bekommen zu wenig

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