Telekom jubelt über hohen Gewinn - und ächzt unter nachlassendem Kundeninteresse

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Bildquelle: Deutsche Telekom
Die Deutsche Telekom hat das zweite Quartal des laufenden Jahres mit einem kräftigen Umsatzwachstum abgeschlossen. Verantwortlich dafür war vor allem das starke Geschäft in den USA. Auch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) und der Konzerngewinn legten ein sattes Plus hin. Die Kundenentwicklung in Deutschland entwickelte sich hingegen weniger rosig.

Insgesamt machte die Telekom zwischen April und Juni einen Umsatz in Höhe von 19,66 Milliarden Euro. Das waren 7,1 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Satte 69 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet die Telekom inzwischen im Ausland – 1,4 Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. Während das Umsatzwachstum in Deutschland im ersten Quartal mit einem Plus von 1,2 Prozent auf 5,39 Milliarden Euro moderat ausfiel, legte es in den USA um satte 11,4 Prozent auf 9,83 Milliarden Euro zu.

Telekom fährt ordentlichen Gewinn ein

Das EBITDA konnte die Telekom im Berichtszeitraum um 20,6 Prozent auf 6,70 Milliarden Euro verbessern. Um Sondereffekte bereinigt legte es um 22,5 Prozent auf 7,26 Milliarden Euro zu. Der Konzernüberschuss machte einen Sprung um fast 91 Prozent auf 944 Millionen Euro. Hauptgrund war ein negativer Sondereinfluss durch die Einigung im Schiedsverfahren um den deutschen LKW-Maut-Betreiber Toll Collect im zweiten Quartal 2018, dem diesmal kein vergleichbarer Effekt gegenüberstand. Bereinigt lag der Gewinn um 7,4 Prozent im Plus bei 1,33 Milliarden Euro. Für den eigenen Netzinfrastrukturausbau investierte die Telekom allein im zweiten Quartal übrigens 4,2 Milliarden Euro.

Telekom verliert wieder viele Vertragskunden

Interessant ist auch ein Blick auf die Kundenzahlen. Zwar konnte die Telekom in Deutschland ihre Mobilfunk-Kundenzahl bis Ende Juni um 170.000 auf 44,83 Millionen steigern. Doch gelungen ist das nur durch ein kräftiges Wachstum im Prepaid-Segment. Im Vertragskunden-Geschäft verlor die Telekom im zweiten Quartal hingegen tausende Kunden. Hier ging die Zahl der geschalteten SIM-Karten ähnlich wie schon im ersten Quartal um 221.000 auf 24,97 Millionen zurück. Die Zahl der Prepaid-Kunden verbesserte die Telekom hingegen um 391.000 auf 19,85 Millionen.

Weiter rückläufig ist auch die Zahl klassischer Festnetz-Anschlüsse. Im zweiten Quartal musste die Telekom hier einen Rückgang um 186.000 auf nunmehr 18,23 Millionen geschaltete Anschlüsse verkraften. Davon sind inzwischen 16,61 Millionen auf den IP-Standard umgerüstet und telefonieren somit über das Internet – 549.000 mehr als noch Ende März.

Im Breitband-Segment verläuft das Kundenwachstum hierzulande eher schleppend. Zwischen April und Juni kamen nur 28.000 neue Breitbandkunden hinzu. Der Gesamtbestand liegt bei knapp 13,64 Millionen (V)DSL-Anschlüssen. Einen IPTV-Anschluss (Magenta TV) nutzen inzwischen 3,48 Millionen Kunden – 58.000 mehr als noch zum Ende des ersten Quartals. Erwartungsgemäß weiter zurückgegangen ist die Anzahl der von Telekom-Wettbewerbern geschalteten Teilnehmeranschlussleitungen (TAL). Sie lag zuletzt bei 4,91 Millionen und damit um 2,7 Prozent unter dem Wert des ersten Quartals.

Boom in den USA hält an

Deutlich besser entwickelte sich die Kundenentwicklung in den USA. T-Mobile US ist es gelungen, die Kundenzahl ein weiteres Mal kräftig zu steigern. Im zweiten Quartal um satte 1,75 Millionen auf 83,05 Millionen Mobilfunk-Kunden.

In anderen europäischen Mobilfunk-Märkten verlor die Telekom hingegen viele Handynutzer an den Wettbewerb. Europaweit ging die Zahl der Mobilfunk-Kunden abseits von Deutschland um 1,33 Millionen auf 46,47 Millionen zurück. Getrieben war diese Entwicklung allerdings vor allem durch den Verlust von Prepaid-Kunden. Im Vertrags-Segment konnte die Telekom sogar auf ein Wachstum blicken – um 131.000 auf nunmehr 21,34 Millionen Kunden.

Die Zahl der geschalteten Festnetz-Anschlüsse blieb in anderen europäischen Ländern nahezu konstant bei 8,99 Millionen (+9.000), bei den Breitband-Kunden war ein Plus von 1 Prozent auf 6,54 Millionen zu verzeichnen (+62.0000). Schwieriger gestaltet sich für die Telekom im EU-Ausland das IPTV-Geschäft. Mit einem Wachstum von nur 6.000 TV-Anschlüssen liegt die Gesamtkundenzahl hier bei zuletzt 4,91 Millionen.

Bildquellen:

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Hayo liebt Technik seit vielen Jahren. Bereits 2002, in der Pre-Smartphone-Ära, startete er im Technik-Journalismus durch. Heute ist Hayo nicht nur Feuer und Flamme für die besten Serien bei Prime Video und Sky - ein Netflix-Abo hat er nicht - sondern auch für alles, was mit elektrifiziertem Fahren zu tun hat. Und damit sind nicht nur die ICE- und IC-Züge der Deutschen Bahn gemeint, die er im Pendelverkehr zwischen seiner Heimat Münster und der Redaktion von inside digital vor den Türen Kölns mehrmals wöchentlich besteigt, sondern vor allem auch Elektroautos.

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