Deutsche Autobauer fordern eigene 5G-Netze

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Es dauert nicht mehr lange, dann werden in Deutschland die Frequenzen für 5G-Netze versteigert. Fest steht aber auch, dass diese deutschlandweit nutzbaren Frequenzen um lokale Frequenzbereiche ergänzt werden sollen, die die Bundesnetzagentur gegen Geld vermietet. Daran haben deutsche Automobilkonzerne großes Interesse. Das "Handelsblatt" berichtet nun über Details.
Anwendungen in einem vernetzten Fahrzeug
Bildquelle: Deutsche Telekom

Das Thema 5G wird die deutsche Mobilfunk-Industrie in den kommenden Monaten und Jahren kontinuierlich begleiten. Angefangen bei der Versteigerung der passenden 5G-Frequenzen, über 5G-fähige Smartphones bis hin zu industriellen Anwendungen, die unter dem Stichwort Industrie 4.0 laufen. Vor allem das, was in der Industrie mit 5G geplant ist, dürfte überaus spannend werden. Denn die niedrigen Latenzzeiten machen ganz neue Anwendungsszenarien in der Fertigung möglich. Und jetzt bringen sich auch die deutschen Automobilhersteller in Stellung. Sie fordern eigene 5G-Netze, berichtet das „Handelsblatt“.

Autobauer wollen eigene 5G-Netze betreiben

BMW, Mercedes, Volkswagen und Co. erwarten von den deutschen Mobilfunknetzbetreibern, dass sie flächendeckende 5G-Netze in den Städten und entlang der Autobahnen bauen. Denn nur so sei es möglich, das autonom fahrende Auto überhaupt in großen Stückzahlen zu verkaufen. Unabhängig von dieser Forderung wollen die Autohersteller auf ihren Werksgeländen aber auch eigene 5G-Netze schaffen. BMW-Manager Joachim Göthel sagte dem „Handelsblatt“: „BMW ist an lokalen 5G-Lizenzen hochinteressiert. Wir sehen die Möglichkeit, unsere Standorte mit eigenen 5G-Netzen auszustatten.“

Bei der Bundesnetzagentur habe man bereits das Interesse an entsprechenden Frequenzen angemeldet. Der Präsident des Regulierers, Jochen Homann, sagte kürzlich, dass unterschiedlichste Industriezweige bei der Bundesnetzagentur vorstellig geworden seien. „Es herrscht eine Art Goldgräberstimmung.“ Für die nahende Versteigerung der 5G-Frequenzen will die Behörde nicht nur deutschlandweite Frequenzen versteigern, sondern auch einen Frequenzbereich für die lokale Nutzung reservieren. Bei den drei deutschen Netzbetreibern, Vodafone, Telekom und Telefónica, stoßen die privaten 5G-Netze auf Kritik. Sie sehen – auch mit Blick auf die eigenen Einnahmen – die Gefahr, dass der deutsche Mobilfunkmarkt zersplittert.

Auf ein eigenes 5G-Netz drängt derweil auch der Daimler-Konzern: „Politik und Industrie müssen jetzt gemeinsam die Weichen stellen“, zitiert das „Handelsblatt“ Ola Källenius, der ab Mai 2019 neuer Chef des Konzerns wird. Für Industrie-4.0-Anwendungen brauche es eine lokale Zuteilung eines eigenen Frequenzbereichs im Bereich 3,7 bis 3,8 Gigahertz. „Dieses lokale Funknetz für Produktionsanlagen ist notwendig, um Echtzeit-, Zuverlässigkeits- und Cyber-Security-Anforderungen sicher erfüllen zu können“, heiße es in einer Daimler-Stellungnahme, berichtet die Zeitung weiter.

Unabhängigkeit statt Industriespionage

Für die deutschen Autobauer wird 5G eine Schlüsseltechnologie. Denn über das Netzwerk der Zukunft sollen alle Prozesse in den Konzernen laufen. Angefangen bei der Entwicklung, über die Produktion bis hin zum Marketing. Ein Beteiligter sagte dem „Handelsblatt“: „Wenn das Netz ausfällt, können wir nicht warten, bis ein Techniker von außen kommt.“

Unter vorgehaltener Hand wird aber noch ein weiterer Aspekt deutlich: die Angst vor Industriespionage. In der Automobil-Branche sieht man die Chancen, sich vor Hackern von außen schützen zu können wohl eher gegeben, wenn man die Kontrolle der 5G-Netze in der eigenen Hand hat. Auch der Lobby-Verband Breko hatte bereits signalisiert, dass lokale 5G-Netze sicherer seien als bundesweite.

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