Bahn bestellt 30 neue ICE: Darum ist der Zug so besonders

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Mit 30 weiteren neuen ICE-Zügen und der Option auf noch weitere Fahrzeuge tritt die Deutsche Bahn trotz Corona-Krise die Flucht nach vorne an. Ziel ist es (weiterhin), mehr Menschen für das Zugfahren zu begeistern.
ICE 3
Auf Basis des ICE 3 bekommt die Deutsche Bahn zusätzliche Fernverkehrszüge.Bildquelle: Deutsche Bahn AG / Hartmut-Joachim Sigrist

Überraschung von der Deutschen Bahn. Ab Ende 2020 fahren 30 zusätzliche ICE-Hochgeschwindigkeitszüge durch Deutschland. Sie werden von Siemens Mobility gebaut und sollen schon Ende 2022 auf ersten Strecken zum Einsatz kommen. Und das mit einer Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h. Insgesamt bestellt die Bahn bei Siemens neue Züge im Wert von rund einer Milliarde Euro. Aber was macht den neuen ICE so besonders?

Der neue ICE: Auf diesen Strecken soll er fahren

Grundsätzlich gilt: Mit den 30 neuen ICE-Zügen erhält die Flotte an Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn einen Zuwachs um rund 13.000 neue Sitzplätze. Die neuen Fahrzeuge sollen zuerst von Nordrhein-Westfalen (Dortmund) über Köln und Frankfurt/Main nach München zum Einsatz kommen. Stopps sind zudem unter anderem in Nürnberg und Stuttgart geplant. „Die neuen Züge sind perfekt geeignet für unseren Sprinter-Einsatz auf den neuen Trassen“, sagte der Chef der Deutschen Bahn, Richard Lutz, am Mittwoch bei der Vorstellung in Berlin.

Im Kern basieren die neuen ICE-Züge auf dem Siemens Velaro D mit acht Wagen. Der Valero D wiederum ist eine Weiterentwicklung des ICE 3. Bewusst hat sich die Deutsche Bahn für ein neues Modell dieses Zugtyps (Projektname: Valero MS) und nicht für zusätzliche ICE 4 entschieden. Ziel bei der neuesten Bestellung an Fernverkehrszügen war es nämlich, möglichst schnell Züge auf den Hochgeschwindigkeitstrassen zum Einsatz zu bringen. Auch in Richtung Brüssel oder auf der neuen Strecke zwischen Berlin und München.

ICE Valero-D
Der neue ICE, der ab Ende 2022 auf die Schiene kommt, basiert im Kern auf dem ICE 3 / ICE Valero D.

ICE 4 ist zwar modern, aber zu langsam

Hintergrund: Der ICE 4 fährt in der Spitze nur 250 km/h – durch ein Software-Update sind demnächst bis zu 265 km/h möglich. Die Valero-Reihe schafft aber eine noch höhere Geschwindigkeit. Sie ist unter anderem auch zwischen Barcelona und Madrid im Einsatz. Hier hat sie viele Menschen zu einem Umstieg vom Flugzeug auf die Schiene gebracht, wie Siemens-Technikchef Roland Busch in Berlin betonte.

Darüber hinaus sind die nun bestellten, neuen ICE-Züge mit mehr Platz für Familie und Kinder ausgestattet. Insgesamt 16 Plätze sind für Familien vorgesehen, fünf weitere für Kleinkinder. Wie im ICE 4 sind zudem acht Stellplätze für Fahrräder an Bord und auch auf Barrierefreiheit wird geachtet. Gerade für Menschen mit körperlicher Behinderung – zum Beispiel in einem Rollstuhl – sorgt der neue ICE also für eine angenehmere Reise.

Neue Scheiben für besseren Mobilfunk

Eine weitere Neuerung beim neuen ICE hob Bahn-Chef Lutz ebenfalls hervor: „Es ist der erste Zug im Fernverkehr, der mit mobilfunkdurchlässigen Fenstern ausgestattet ist.“ Heißt: Überall dort, wo Mobilfunknetz ausreichend zur Verfügung steht, können Passagiere an Bord störungsfreier telefonieren und im Internet surfen, weil LTE- und 5G-Signale besser am Endgerät wie Smartphones, Tablets und Notebooks ankommen.

Generell sind die Fensterscheiben eines ICE mit einer dünnen Metallschicht versehen, die Sonnenstrahlung fernhält. Der Nachteil: Auch Mobilfunkwellen gelangen nur schwer durch die Metallschicht ins Zuginnere. In diese wärmeisolierende Metallschicht der Fenster wird nun ein Raster gelasert, damit die Mobilfunkwellen in die Passagierkabine gelangen können.

ICE Scheiben für besseren Mobilfunkempfang
Frequenzdurchlässige Scheiben für stabilen Mobilfunkempfang im neuen ICE.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hob anlässlich der ICE-Offensive der Bahn hervor, dass aber nicht nur die Scheiben an Bord der Züge wichtig seien, sondern auch das Netz entlang der Strecke. Man befinde sich mit den deutschen Netzbetreibern in intensivem Austausch, um noch vorhandene weiße Flecken entlang des Schienennetzes zu schließen. Überall dort, wo die Netzbetreiber aus wirtschaftlichen Gründen keine weißen Flecken beseitigen können (oder wollen), soll eine staatliche Infrastrukturgesellschaft einspringen und die Funklöcher mit eigenen Masten beseitigen.

Der ICE-Fernverkehr der Deutschen Bahn der Zukunft

Bis 2026 werden 421 ICE-Züge im deutschen Netz der Bahn unterwegs sein. Aktuell sind es knapp 300. Für den neuen ICE hat die Bahn nicht nur 30 Züge verbindlich bestellt, sondern sich auch eine Option auf 60 weitere Fahrzeuge mit je 440 Sitzplätzen gesichert. Rund 90 Passagiere finden in der 1. Klasse Platz, 16 im Bordrestaurant.

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