Der nervenaufreibende Versuch, ein Auto mit dem E-Personalausweis online anzumelden

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Der elektronische Personalausweis sollte vieles einfacher machen. Ob Kfz-Zulassung oder Bafög-Antrag: Vor allem Behördengänge sollte man sich damit sparen. Doch auch gut 10 Jahre nach der Einführung des E-Persos hat sich an der Bürokratie nichts geändert. Ein Kommentar.
Der nervenaufreibend Versuch, ein Auto mit dem E-Personalausweis online anzumelden
Der nervenaufreibend Versuch, ein Auto mit dem E-Personalausweis online anzumeldenBildquelle: Blasius Kawalkowski

Ob Online-Ausweis, E-Perso, oder digitaler Personalausweis: Wie auch immer man ihn nennen mag – seit über zehn Jahren befindet er sich in den Portemonnaies der Deutschen. Fast jeder besitzt ihn, doch kaum jemand benutzt ihn. Dabei sollte der elektronische Personalausweis vieles einfacher machen. Er sollte uns dabei helfen, nicht für jede noch so kleine Angelegenheit zum Amt gehen zu müssen. Mit ihm sollten wir online Verträge abschließen und Bankkonten eröffnen können. Doch die Corona-Pandemie zeigt deutlich, dass wir in einem digitalen Entwicklungsland leben.

Sechs Wochen Wartezeit auf einen 10-Minuten-Termin für ein 5-Tage-Kennzeichen

Ich will das an einem Beispiel deutlich machen. Mitte April habe ich ein Auto gekauft. Von privat. In Eschweiler. Ich lebe im 60 Kilometer entfernten Köln. Mitnehmen konnte ich den Wagen nicht sofort, da er schon abgemeldet war. Nun gibt es Überführungskennzeichen. Sie haben eine Gültigkeit von fünf Tagen und kosten rund 40 Euro. Dazu muss man zur Kfz-Zulassungsstelle und benötigt lediglich eine elektronische Versicherungsbestätigung (eVB-Nummer), seinen Personalausweis, einen Nachweis einer gültigen Hauptuntersuchung sowie Fahrzeugschein und/oder Fahrzeugbrief. Da ich alles beisammen hatte, sollte es daran nicht scheitern. An einem Termin bei der Kfz-Zulassungsstelle in Köln aber schon.

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Der nächstmögliche Zeitpunkt: in fast sechs Wochen. Nun stand das Auto auf einer öffentlichen Straße in Eschweiler, ohne Kennzeichen. Ihn dort sechs Wochen stehenzulassen hätte wohl den einen oder anderen Knöllchenverteiler auf den Plan gerufen, der die Windschutzscheibe postwendend mit einem neonorangefarbenen Zettel begekleistert hätte, einer „Aufforderung zur Entfernung des Fahrzeugs“.

Ein Hoch auf den digitalen Personalausweis

Nun gut, dachte ich. Vielleicht gilt die Wartezeit nur für Überführungskennzeichen. Warum also nicht gleich ordentlich anmelden und sich die Kosten für die Kurzzeit-Kennzeichen sparen. Doch, auch hier – Wartezeit: sechs Wochen. Aber, … Moment mal! Das müsste doch auch mit dem Online-Ausweis funktionieren. Schließlich wurde er für solche Fälle entwickelt. Hoch lebe die „Internetbasierte Fahrzeugzulassung“! Schnell nach „Kfz Zulassung Köln online“ gegooglet und auf Anhieb auf der richtigen Seite gelandet. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur wirbt auf der eigenen Website mit spektakulären Versprechen wie „Behördengang 24/7 möglich“, „keine Wartezeiten“ und „sofortiges Losfahren“. Die schönste Melodie des Tages erklang. Was dann folgte, war eine Farce, eine unvorstellbare digitale Bürokratie, die zeigt, warum niemand den E-Personalausweis nutzt.

Es lag alles bereit was ich auch zur Kfz-Zulassungsstelle mitgenommen hätte – auch mein elektronischer Personalausweis. Also: Smartphone raus, AusweisApp2 heruntergeladen und schon saß ich gedanklich im neuen Gebrauchten auf dem Weg von Eschweiler nach Köln. Nach unzähligen TAN- und PIN-Eingaben, wirklich vielen NFC-Scans des E-Persos mit dem Smartphone, Registrierungen und Anmeldungen gelangte ich endlich zur Maske, in der ich meine Daten eintragen konnte. Also eVB-Nummer, Kontoverbindung zum Einzug der Kfz-Steuer und den „freigelegten Sicherheitscode der Zulassungsbescheinigung Teil I“. Das ist eine Art Rubbellos, der auf den Fahrzeugpapieren klebt. Obacht: Zieht man den Aufkleber hier ab, wird das Kfz-Kennzeichen ungültig und das Fahrzeug darf nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen!

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Nachdem ich den Sicherheitscode des Fahrzeugscheins eingetippt hatte, folgte die Abfrage nach dem freigelegtem Sicherheitscode des Fahrzeugbriefs. Ich wendete und drehte den Brief. Doch kein Rubbellos. Gedanklich stieg ich also aus dem Auto wieder aus und dachte, dass da etwas nicht stimmt. Schließlich muss ein solcher Sicherheitscode seit dem 1. Januar 2018 auf jeder Zulassungsbescheinigung (Teil II) zu finden sein. War er aber nicht.

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Ein Anruf bei der Kfz-Zulassungsstelle mit mehreren Weiterleitungen brachte keinen Erfolg. „Ähm, ich habe noch nie etwas von einem solchen Aufkleber gehört“, schallte es durch die Leitung. Auch das Internet spuckte nichts Gescheites dazu aus. Neue Idee: eine E-Mail mit kompletter Schilderung des Sachverhalts an die Stadt. Der Inhalt der Antwort kurz zusammengefasst: Das Auto ist zu alt, daher gibt es kein Rubbellos auf dem Brief. Tja, das war’s. Warum mir die App nicht gleich zu Beginn angezeigt hat, was ich brauche und wie alt das Auto für eine Online-Zulassung sein darf? Keine Ahnung. Ich habe etwa drei Stunden mit dem digitalen Personalausweis verbracht. Sollte sich an diesen Verfahren nichts ändern, waren es zugleich die letzten drei.

Elektronischer Personalausweis: einmal und nie wieder

Mir blieb also nichts anderes übrig, als sechs Wochen zu warten, um das Auto anmelden zu können. Die ahnungslose Frau am Telefon gab mir jedoch einen brandheißen Tipp, als ich aufgrund der langen Wartezeit kurzzeitig einen wohl hörbar höheren Puls hatte und nach Gründen fragte. „Es werden immer wieder auch mal Termine frei, da Leute absagen.“ Als ich am Abend das Terminbuchungsportal der Stadt Köln aufrief, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Ein Termin am Morgen des kommenden Tages. Danke, Unbekannte. Danke für nichts, E-Personalausweis. Kein Wunder, dass dich nur 6 Prozent aller Deutschen bisher einmal genutzt haben. Ach ja: Nun klebt sowohl auf dem Fahrzeugschein als auch auf dem Fahrzeugbrief ein Sicherheitscode zum Freirubbeln. Am Alter des Autos hat sich aber nichts verändert, glaube ich zumindest.

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