„Das Kabelnetz ist weitgehend ausgebaut“ - Telekom bei Glasfaser auf dem Vormarsch

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Wo steht Deutschland beim Ausbau mit Gigabit-Anschlüssen? Während die spontane Antwort eher einem Wolfsgeheul gleichkommt, sprechen die reinen Zahlen eine andere Sprache. 35,8 Millionen Gigabit-Anschlüsse gibt es schon in Deutschland. Was steckt dahinter?
Ein Warnschild vor einer Glasfaser-Baugrube der Telekom
Ein Warnschild vor einer Glasfaser-Baugrube der TelekomBildquelle: inside digital / Thorsten Neuhetzki

35,8 Millionen gigabitfähige Anschlüsse wird es diesen Sommer in Deutschland geben. Das geht zurück auf die Schätzung einer Marktstudie des VATM zusammen mit der Firma Dialog Consult und dem Telekommunikationsexperten Professor Dr. Torsten J. Gerpott. Diese Zahl setzt sich zusammen aus Anschlüssen, die per DOCSIS 3.1 – also einem Kabelanschluss – und per Glasfaser realisiert werden können. „Das bedeutet aber nicht, dass wir nur noch etwas mehr als 5 Millionen Haushalte in Deutschland vor uns haben“, sagt Gerpott mit Blick auf knapp 42 Millionen Haushalte in Deutschland. Denn viele Haushalte haben gleichzeitig Zugriff auf echte Glasfaser-Anschlüsse – aber auch auf Kabel.

Nur noch 100.000 neue Kabelanschlüsse mit Gigabit-Datenraten

Gerpott wagte bei der Vorstellung einen tiefen Blick in die Zahlen. So sei die Zahl der gigabitfähigen Anschlüsse in nur sechs Monaten seit Ende des Jahres um 1,8 Millionen Anschlüsse gestiegen. Doch längst nicht alle Kunden nutzen diese Infrastruktur. Gerade einmal 34,4 Prozent der Kunden nutzen einen Glasfaser-Anschluss oder einen gigabitfähigen Kabelanschluss – unabhängig von der Bandbreite.

Auffällig: Beim Kabelnetz lassen sich gemäß der Marktstudie kaum noch Zuwächse verbuchen. „Das Netz ist weitgehend ausgebaut“, so Gerpott. Nur noch 100.000 Anschlüsse seinen in den vergangenen sechs Monaten neu ertüchtigt worden. Insgesamt sind es nun 25,7 Millionen Haushalte, die technisch einen Anschluss mit Gigabit-Downstream beim Kabelanbieter buchen können. Erstaunlich auch: Auch die Nachfrage stagniert und bleibt bei einer Buchungsquote von 35,4 Prozent annähernd konstant. Nur 0,2 Prozentpunkte liegt der aktuelle Wert der aktiven Anschlüsse über dem letzten Wert von Ende 2021. Angesichts von Preisen weit unter 40 Euro für einen Anschluss mit 1 Gbit/s ist das erstaunlich.

Ein rasantes Wachstum ist bei den Glasfaseranschlüssen zu erkennen. Hier sind bereits 10,1 Millionen Anschlüsse, bei denen das Glasfaserkabel mindestens bis ins Gebäude – oder aber bis in die Wohnung – geht. Erstmals knackt Deutschland damit die 10-Millionen-Grenze – dank eines beachtlichen Wachstums von 20,2 Prozent oder 1,7 Millionen möglichen Anschlüssen in nur sechs Monaten. Auch die Zahl der gebuchten Anschlüsse (unabhängig von der Bandbreite) stieg um 23,1 Prozent auf 3,2 Millionen.

Telekom baut Glasfaser-Netz rasant aus…

Dabei fällt auf: Die Deutsche Telekom tritt beim Glasfaserausbau aufs Gas. Sie kommt inzwischen auf 4,2 Millionen mögliche Glasfaseranschlüsse (3,4 Millionen Ende 2021), die Wettbewerber liegen bei 5,9 Millionen Leitungen (5 Millionen Ende 2021). Prozentual hat die Telekom somit mehr Glasfaseranschlüsse in den vergangenen Monaten realisiert als alle Wettbewerber zusammen. Die Telekom hatte zuletzt angekündigt, dass sie in Zukunft mehr Glasfaseranschlüsse bauen wird, als ursprünglich geplant.

„Nachdem der Druck durch den Wettbewerb weiter gewachsen ist, setzt die Telekom nun deutlich auf den Bau von FTTB/H“, sagt Gerpott. „Dabei muss die Telekom aber fair `spielen´ und nicht auf Überbau oder strategische Mitverlegung setzen, die den Ausbau auf dem Land oft verzögert oder wirtschaftlich ganz unmöglich macht. Wir müssen miteinander und nicht gegeneinander bauen“, mahnt VATM-Präsident Zimmer bei der Vorstellung der Studie auf der Branchenmesse Anga Com in Köln.

… aber wird es nicht los

 Allerdings: Bei den tatsächlich genutzten Anschlüssen kommt die Telekom nicht vom Fleck. Die sogenannte Take-up-Rate sank sogar, während sie bei den Wettbewerbern stieg. Zu erklären ist das möglicherweise damit, dass viele Wettbewerber dort Glasfasernetze errichten, wo es wenig oder gar keine Alternativen gibt, während die Telekom sich darauf konzentriert, ihre VDSL-Netze in Glasfaser zu überführen. In diesen Regionen nutzen die Kunden aber oftmals weiter VDSL oder das parallel vorhandene Kabelnetz.

Wie eingangs erwähnt: 35,8 Millionen gigabitfähige Anschlüsse bedeutet nicht, dass nur noch ein kleiner Teil der Haushalte erschlossen werden muss. Tatsächlich gibt es eine Schnittmenge von etwa 5,3 Millionen Haushalten, die sowohl Glasfaser als auch Gigabit per Kabel buchen könnten. Im Umkehrschluss heißt das, dass aktuell 72,8 Prozent aller Haushalte (30,5 Millionen) mindestens eine gigabitfähige Infrastruktur im Haus liegen haben.

So geht es mit dem Gigabit-Ausbau weiter

Gerpott geht bei seiner Prognose davon aus, dass bis Ende 2022 durch den weiteren Ausbau mit Glasfaser etwa 38 Millionen Anschlüsse gigabitfähig sein werden. Das seien am Ende 90 Prozent der privaten Haushalte. Die Glasfaseranschlüsse werden die 12 Millionen-Schwelle überschreiten. Für Ende 2025 geht Gerpott davon aus, dass es eine Glasfaser-Versorgungsquote von mindestens 50 Prozent geben wird.

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3 KOMMENTARE

  1. Ben

    Ist doch kein Wunder, dass die Leute lieber bei Kabel bleiben. Das Geld sitzt bei der Mehrheit nicht gerade locker und wenn man dann schaut, dass man bei Vodafone Gigabit Max immer wieder in Aktionen für 39,95€ zu bekommen ist, während man bei der Telekom für den gleichen Preis gerade mal 50 Mbit bekommt. Für die gleichen 1000 Mbit will die Telekom 79,95€, also ganze 40€ mehr. Wieso sollte das jemand freiwillig zahlen der eine gute Alternative hat? Ja, in manchen Regionen mag Kabel noch einige Probleme haben und lange waren die Netze massiv überbucht, aber ich kann sagen, dass ich jetzt schon seit mehreren Jahren mit Gigabit Max von Vodafone voll zufrieden bin. Die Bandbreite liegt eigentlich immer bei über 900 Mbit und Verbindungsabbrüche passieren auch kaum noch. Das einzige wo Vodafone nicht so optimal ist, ist beim Router, aber den kann man auch als Bridge schalten und einen ordentlichen WLAN-Router für das Heimnetz dahinter hängen und hat den Kaufpreis dafür auch schon spätestens nach 3 Monaten wieder raus, wenn man es mit der Telekom vergleicht.

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    • Frei

      1. Vodafone soll neu mit FritzBox 6660 Router ausliefern…
      2. Und o2 soll aktuell mit 35 € / Monat für 1000 MB Leitung noch günstiger sein… (ohne AVM)

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  2. Ich war es

    Wir haben auch schon seit über 1 Jahr den Glasfaser Anschluss der Telekom liegen.
    Kabel gibt es bei uns nicht, nur DSL 16000.

    Habe über Vodafone Handy und Festnetz.
    Zahle für beides 50€ im Monat
    Hab eine Datenflatrate fürs Handy. Und im Festnetz hab ich keine Probleme.

    Würde ich Glasfaser nehmen. Würde ich 10€ mehr für Handy bezahlen.
    Keine Datenflat mehr.

    Festnetz würde dann auch ca 30€ und mehr zusätzlich kosten.

    Hätte zwar mehr Speed zu Hause was ich nicht unbedingt benötige.
    Und zahle 40€ jeden Monat mehr.

    Würde ich aus 1000er Leitung gehen, kostet das noch mehr.

    Daher wird die Telekom ihre Anschlüsse nicht los.

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