Das E-Auto und die große Klimalüge: Basiert die Wende auf einem Rechenfehler?

3 Minuten
Ist das E-Auto der Klimaretter oder doch nicht besser als ein Verbrenner? Während VW, Audi, Mercedes und Co. das Ende von Diesel und Benziner einläuten, stellen Forscher das Elektroauto infrage und decken Rechenfehler auf.
Ist das E-Auto wirklich besser als ein Verbrenner?
Das E-Auto und die große Klimalüge: Basiert die Wende auf einem Rechenfehler? Bildquelle: Unsplash/Michael Marais

Bei Audi sollen bereits in fünf Jahren keine Verbrenner mehr vom Band laufen. Mercedes will Diesel und Benziner 2030 abschaffen. Und bei VW folgt das Aus für Verbrennungsmotoren in Europa im Jahr 2035. Die Zukunft gehört ganz offensichtlich dem E-Auto. Es gibt kaum noch einen Autobauer, der keinen Stromer anbietet oder das Ende des Verbrenners eingeläutet hat. Doch ist das Elektroauto wirklich klimafreundlicher als Diesel und Benziner? Daran gibt es nun erneut Zweifel.

E-Auto vs. Verbrenner: Ist alles nur ein Missverständnis?

Wer ein E-Auto kauft, weis auch meist, dass der Strom, mit der er oder sie den Stromer betankt, nicht immer grün ist. Im Gegenteil: Häufig fließt Kohlestrom in die Akkus der Elektroautos. Dennoch gehen viele Studien davon aus, dass ein E-Auto eine bessere CO2-Bilanz aufweist als moderne Diesel oder Benziner. Diese Klima-Rechnung geht Experten zufolge aber nicht auf. Wissenschaftler behaupten nun, die Annahme vom Elektroauto als Klima-Retter und die Emissionsberechnung der EU basieren auf einem Rechenfehler. Emissionen, so die Forscher, wurden falsch berechnet.

Tesla, VW oder Mercedes? Egal! Die meisten Autokäufer wollen etwas völlig anderes

In einem Brief, der Focus Online vorliegt, haben sich insgesamt 171 Wissenschaftler an die EU-Kommission gewandt. Die Ingenieure und Antriebs-Experten, die in der IASTEC (International Association of sustainable drivetrain und vehicle technology research) zusammengeschlossen sind, weisen darauf hin, dass die CO2-Emissionen ihrer Berechnung nach 2030 doppelt so hoch sein werden wie von der EU-Kommission prognostiziert. Das soll auch eine Rechnung beweisen, die in der Zeitschrift für angewandte Mathematik und Mechanik erschienen ist.

Forscher weisen auf massive Rechenfehler hin

Das Hauptproblem: Bis zum Jahr 2030 werde den Forschern zufolge nicht die gesamte Stromproduktion auf Windräder und Solaranlagen zurückzuführen sein, sondern auch weiterhin auf Kohle und Gas. Mit dem zusätzlichen Bedarf der E-Autos würden auch die CO2-Emissionen dieses Sektors steigen. Um an das zur Verfügung stehende CO2-Gesamtbudget angerechnet werden zu können, müsse man die jährlichen Emissionen deshalb addieren. Allein das berücksichtige die EU-Kommission nicht oder nicht ausreichend. Hinzu komme die fehlende Anwendung der Leibnizschen Gesetze. Da ein Faktor falsch formuliert wurde, erhöhe das die Fehler in der Schätzung.

Der nervenaufreibende Versuch, ein Auto mit dem E-Personalausweis online anzumelden

In der Praxis bedeutet das: Ein E-Auto wie der VW ID.3, mit einem Lebenszyklus von 15 Jahren und 220.000 km Laufleistung, verursache nach korrekter Rechnung nicht 14, sondern 30 Tonnen CO2 in Betrieb durch das Stromnetz. Dabei sei der Aufwand für die Bereitstellung der Ladeinfrastruktur und den Bau des E-Autos noch gar nicht berücksichtigt. Die Klimabilanz eines Diesel-Vollhybriden dagegen, den man mit R33 (67 % fossiler Kraftstoff, 33 % Biosprit) betankt, wäre dann sogar besser als die des Elektroautos.

E-Auto: verschiedene Meinung, ein Ziel

Solche Vorwürfe, in denen Autohersteller und Politik die Öko-Bilanz von E-Autos mit einer für sie günstigen Berechnungsmethode aufhübschen, sind nicht neu. Zudem widersprechen sich Forscher gegenseitig. Christian Rehtanz, Professor an der TU Dortmund etwa kritisiert den Brief an die EU-Kommission: „Der Brief ist hochgradig peinlich. Es ist ein wissenschaftlich verbrämtes Lobbyistenschreiben, welches krampfhaft versucht, die Kolbenmaschinen zu retten.“

Doch ob so oder so. Das Ziel bei der gesamten Diskussion ist klar: mehr Energie aus regenerativen Energiequellen und weniger Kohlestrom. Um den Klimawandel aufzuhalten, hilft es nicht, Rechnungen zu frisieren und Lobbyarbeit zu betreiben, nur um höhere Gewinne realisieren zu können. Ob das E-Auto ein Klimaretter werden kann? Es scheint möglich. Doch der Weg ist noch lang.

Deine Technik. Deine Meinung.

7 KOMMENTARE

  1. Avatar Martine Weber

    Es sagt einem der xsunde Hausverstand, dass der mehr benötigte Strom nicht nur aus grüner, erneuerbarer Energie gewonnen werden kann. Aber wenn man das laut sagt ist man ein umweltfeindlicher Ignorant. Siehe Aussage des TU-Dortmund Professors.

    Antwort
  2. Avatar CMS

    Es sagt einen auch der gesunde Menschenverstand das der Wirkungsgrad eines E Motors viel höher ist als der von Verbrennern. Und zeug das im mittleren Osten aus der Erde gepumpt wird in einem Auto zu verbrennen kann ja unmöglich die Lösung sein. Mit dem E-Auto hat man wenigstens die Option mal Klimaneutral zu sein.

    Antwort
  3. Avatar Hagen

    @Martine: das hat nichts mit Ignoranz zu tun sondern mit fehlendem Weitblick oder Unwissenheit. Man darf das e-Auto nicht nur als verbraucher sehen, sondern die grossen Speicher können in vielen Haushalten auch als Puffer fungieren. Bei den Erneuerbaren energien gibt es einen Durchbruch nach dem anderen sobald die Fruchten und in Produktion umgesetzt werden, werden wir genug elektrische Energie aus den erneuerbaren haben. Strom generiert man nicht nur aus hässlichen Windrädern. Es gibt auch Osmosekraftwerke, Millionen quadratmetern von versiegelten Dachflächen die mit Solarzellen belegt werden können. Die Zellen werden immer effektiver und billiger. Der Strom muss nur entsprechend zwischengespeichert und verteilt werden. Und dabei kam das e-Auto helfen. Das e-Auto ist aber sicher nicht die alleinige Lösung. Die Mobilität muß komplett umgedacht werden.und zwar eher zurück in Möglichkeiten die wir schon Mal hatten. Wieder mehr Zusammen fahren und die Gemeinschaft nutzen, kleinere Fahrzeuge nutzen, und nicht so schnell fahren; Anstelle, dass einen einzelner Mensch sich täglich mit seinem knapp 5 x 2,2m SuV in die Stadt reinquält. Kleinere Autos können auch komfortabel sein.

    Antwort
  4. Avatar Stan

    Die „Grün“en sollen doch bitte erklären, wie und woher das Lithium kommt !
    Und bitte auch, was mit denn ganzen Batterien nach ca. (realistisch gesehen) 7 bis 10 Jahren passiert (die Menge ist ja utopisch), sobald diese ausgedient haben ?

    Antwort
  5. Avatar MartinTriker

    Da seid ihr auf eine Brief von Lobbyisten reingefallen. Das Manöver ist so durchsichtig und fehlerbehaftet, dass es kein Wunder ist, dass gerade der Focus darüber berichtet.

    https://www.heise.de/meinung/Verursachen-E-Autos-doppelt-so-viel-CO2-Ausstoss-wie-gedacht-Das-sagen-Experten-6116050.html

    Federführend mal wieder Thomas Koch, der schon vor zwei Jahren das Papier zum Stickoxidausstoß lancierte. Ein astreiner Diesel-Lobbyist, der offensichtlich gerne mit FUD arbeitet.

    Antwort
  6. Avatar RABO

    @Hagen: Ein bisschen einfach gedacht. Die Hersteller bauen aufgrund der großen Batterien zur Zeit vorwiegend SUV’s mit E-Antrieben, die z.T. über 2 Tonnen wiegen. Weiterhin plant Tesla im deutschen Werk neue günstigere Batterien einzusetzen, die nach 1000 Komplett Entladungszyklen weggeworfen werden können (siehe Tesla Seite). Zeitgleich plant Tesla diese direkt in die Hauptkarosserie zu verpressen, das heißt, dass diese nicht einfach austauschbar sind (siehe Tesla Seite). Zur Zeit muss bei einem zur jetzigen Zeit noch möglichen Austausch bei Tesla 13.000 € in die Hand genommen werden, damit man den Akku tauschen kann. Das heißt die meisten Akkus sind bei einem Pendler nach ca. vier Jahren (positiv gerechnet) platt. Platt ist ein Akku laut den Forschern bei 70-80 % Restkapazität von der ursprünglichen Ladeleistung als Neuteil. Und dann? Verbuddeln wir die 60% des Akkus die bisher nicht recycled werden können doch wie die Atombrennstäbe Höhe des Grundwasserspiegels, damit wir die Sch…. dann wieder trinken? Es gibt Seiten wie „eFahrer.de“, die eigentlich pro E-Auto sind, jedoch auch die Problemstellen aufzeigen, sehr empfehlenswert. Ich wollte mir auch ein E-Auto kaufen und habe nun Abstand genommen, da die CO2-Bilanz wirklich miserabel ist. Weiterhin fördert man hier die Kinderarbeit in der Drittenwelt noch mehr. Die Schweizer haben einen Akku entwickelt, welcher ohne die seltenen und giftigen Stoffe klar kommt. Was macht die EU? Fördert das nicht, da die Schweizer nicht in der EU ist. Da fasst man sich doch an den Kopf. Entweder für die Umwelt oder weiterhin für die Milliardäre auf Kosten unserer Kinder. Und Bosch entwickelt mit Schell alternative Kraftstoffe, die aktuell schon 30% weniger Schadstoffe mit einem Golf 5 in die Luft pesten als ein fast aktueller Golf 7. wird es so wie E-antriebe gefördert? Nein. Wird Wasserstoff gefödert? In Bayern gibt einen Kleinstserien Hersteller für Sportwagen, der einen Sportwagen gebaut hat, welcher nachweislich bei Testfahrten bis zu 1500km mit einer Füllung zurück gelegt hat. Wird das genauso gefördert wie E-Antriebe? Nein. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat ein E-Auto mit Brennstoffzelle entwickelt und erfolgreich Testfahrten abgewickelt. Es wäre sogar schon Marktreif für umgerechnet 15.000 €. Interessiert es den Staat oder die Großkonzerne? Nein, weil es lässt sich damit kaum Geld verdienen. Ich könnte eweig weiter machen, habe aber heute noch was vor. Übrigens, eine Bekannte von mir arbeitet bei Siemens-Gamesa, Windanlagenhersteller. Schon mal Gedanken gemacht, was mit dem ganzen Sondermüll passiert von den Blades der Windkraftanlagen? Oder den seltenen Stoffen aus den Solarzellen? Apropos Osmosekraftwerke, schon angekommen, dass wir weltweit einschließlich in Deutschland eine Süßwasserknappheit haben? Was wird für Osmose neben Salzwasser benötigt? Achja, Süßwasser. Ein Durchbruch ist für mich erst dann ein Durchbruch, wenn etwas zu Ende gedacht ist. Und dort wo die E-Autos Sinn machen, in Städten und Großstädten gibt es übrigens keine ausreichende Infrastruktur und wird es auch nicht geben. Schon einmal versucht vor einem Mietshaus mit 50 Wohnparteien bei ca. 30 E-Autos für diese an der Straße eine Ladesäule für jeden aufzustellen? Oder denkt ihr, dass wenn einer vom Schichtdienst nach Hause kommt warten will, bis endlich ein anderer fertig ist, der sich gerade schlafen gelegt hat? Mal ehrlich, wo ist hier noch Realität? Man kann sich alles schön rechnen. Sinnvoller wäre, z.B. Taxis das laufen lassen der Motoren während ihrer Wartezeit zu untersagen und mit empfindlichen Strafen zu belegen. Motoradfahrern am WE die sinnlosen Ausfahrten zu verbieten. Da die wenigsten davon einen Kat haben. Die bahn dazu zu zwingen mehr Autozüge von mehr Stationen zu bezahlbaren Preisen fahren zu lassen. Mehr Güterverkehr wo immer möglich auf die Schiene zu verlegen. Sondersteuer für Urlaubsziele weiter wie 300km entfernt, egal welches Reisemittel. Dann ändert sich schneller was an der CO2-Bilanz. Empfindliche Strafgelder für Autohersteller bzw. Flugzeughersteller die die aktuellen Normen nicht einhalten. Dann sind auch keine Sonderzahlungen vom Staat für E-Autos nötig. Usw.

    Antwort
  7. Avatar RABO

    @CMS: Wie berechnet sich denn Ihre Klimaneutralität? Nur aus ihrer eigenen Fahrleistung? Ohne Produktion des Fahrzeugs, des Akkus, des Austauschs des Akkus? Ohne das Recycling? Übrigens, beim Brand eines E-Autos wird zur zeit 13.000cbm Löschwasser benötigt, welches im Grundwasser versickert. Nur mal so als Vergleich, ein weggeworfener Zigarettenfilter verseucht 40cbm Grundwasser. Auch hier meine Dank an alle achtlosen Raucher. Nach einem Fahrzeugbrand muss das E-Auto für eine Woche zur Sicherheit im Container voller Wasser gelagert werden. Wie wird das verseuchte Wasser des Containers entsorgt? Ich habe neulich mit einem Chef der Berufsfeuerwehr gesprochen, er konnte mir keine Antwort geben. Ich muss schon sagen, (Ironie ein) eine Wahnsinnsökobilanz (Ironie aus). Ein E-Motor mag zwar im ersten Moment effizienter sein, jedoch für sich betrachtet finde ich es schon sehr anmaßend, wenn man bedenkt, dass dieser 500 bis 600kg mehr Gewicht für den Akku bewegen muss. Müsste er dies nicht, würde doch weniger Energie benötigt werden, da der E-Antrieb kleiner ausfallen könnte. Das heißt es müsste weniger Strom allgemein produziert werden. Wie wird eigentlich der Strom gespeichert? Wie in Australien durch einen Riesigen Tesla-Akku mitten in der Wüste, der dann extra gekühlt werden muss? Achja, in Europa sind wir noch nicht soweit und die Effizienz in Australien zweifle ich selbstbewusst an. CO2-Bilanz? Ich kann nur den Kopfschütteln. Die für die Umwelt beste Bilanz liefern übrigens die letzten Jahre immer noch die Plugin-Hybriden und hier egal ob Wenig- oder Vielfahrer. Es ist schön zu sehen, wie viele auf die Werbelügen der Industrie aufsatteln und sich nicht mit der Gesamtheit des Themas auseinander setzen.

    Antwort

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen

VERWANDTE ARTIKEL