Crashtest 2021: Zwei Elektroautos fallen haarsträubend durch

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Das haben sich Renault und Dacia wohl ganz anders vorgestellt. Zwar bieten die beiden Fahrzeughersteller günstige Elektroautos an, doch in einem neuen Crashtest fallen die Stromer Renault Zoe und Dacia Spring desolat durch. Dass es auch anders geht, stellt Fiat unter Beweis.
Renault Zoe 50 im Frontal-Crash gegen eine Mauer.
Der Renault Zoe schneidet im Euro NCAP Crashtest überraschend schlecht ab.Bildquelle: Euro NCAP

Wer in einem Auto unterwegs ist, möchte einerseits komfortabel, aber andererseits auch sicher unterwegs sein. Und die Sicherheit kommt regelmäßig auf den Prüfstand, wenn die Crashtest-Organisation Euro NCAP neue Pkw gegen Wände fahren lässt, Frontal-Zusammenstöße simuliert oder nicht minder gefährliche Seiten-Crashs nachbildet. Jetzt wurden die endgültigen Sicherheitsbewertungen für 2021 kommuniziert. Und mit Blick auf getestete Elektroautos fällt das Ergebnis zum Teil dramatisch schlecht aus. Ausgerechnet eines der beliebtesten Elektroautos Europas verlässt den Testparcours mit einem erbärmlich schlechten Ergebnis.

Renault Zoe: 0 Sterne – durchgefallen!

Der Renault Zoe war im Jahr 2020 das am häufigsten verkaufte Elektroauto in Deutschland. Und auch im Jahr 2021 wurden hierzulande schon mehr als 20.000 Einheiten des kleinen Stadtflitzers neu zugelassen. Dabei kann die Sicherheit des E-Autos im Euro NCAP Crashtest alles andere als überzeugen. Geschuldet ist das insbesondere der nur unzureichend ausgestatteten Basisversion des Renault Zoe. Sie kommt serienmäßig ohne Assistenzsysteme aus. Und weil es außerdem erhebliche Schwächen beim Insassenschutz gibt, verlässt der Renault Zoe am Ende im Euro NCAP Test mit 0 Punkten die Bühne. Die Tester monieren unter anderem, dass im überarbeiteten Zoe kein im Sitz montierter Seitenairbag für einen guten Schutz von Kopf und Brustkorb mehr zum Einsatz kommt, sondern nur noch ein Thorax-Airbag.

Die Tester bescheinigen dem Kassenschlager des französischen Herstellers vor allem beim Pfahlanprall schlechte Schutzwerte. Der Kopf werde in diesem Fall unzureichend und der Oberkörper nur gering geschützt. Zudem ist der Insassenschutz bei einem versetzten Front-Aufprall mangelhaft. Im Fall eines Auffahrunfalls müssen Personen in der ersten Sitzreihe zudem mit einem Schleudertrauma rechnen. Erschwerend kommt hinzu: Auch bei der Kindersicherheit kann der Renault Zoe nicht überzeugen. Aufpassen sollten zudem Fußgänger, wenn sich ein Renault Zoe nähert. Denn vor allem im Bereich des Beckens besteht nach Einschätzung der Tester ein hohes Verletzungsrisiko. Insgesamt biete der Zoe einen schlechten Schutz bei Unfällen. Auch andere ungeschützte Verkehrsteilnehmer hätten im Falle eines Unfalls mit dem Renault-Kleinwagen eher schlechte Karten.

Dacia Spring kann ebenfalls nicht überzeugen

Nicht viel besser schnitt im Euro NCAP Crashtest der Mini-SUV Dacia Spring ab. In der Endabrechnung reichte es für das günstigste Elektroauto Deutschlands nur für einen von maximal fünf möglichen Sternen. Bei einem versetzten Front-Aufprall sind im Brustbereich des Fahrers schwere Verletzungen kaum zu vermeiden. Gleiches gilt für die Knie des Fahrers. Auch lebensgefährliche Verletzungen des Beifahrers sind im Bereich des Kopfes bei einem Unfall kaum zu vermeiden.

Dacia Spring simuliert im Euro NCAP Crashtest einen Frontalzusammenstoß.
Frontalzusammenstoß des Dacia Spring im Euro NCAP Crashtest.

Bei einem Seitencrash sind nach Auffassung der Tester sogar alle Insassen stark gefährdet, sich ernste Verletzungen zuzuziehen. Fußgänger müssen wir beim Renault Zoe im Falle eines Unfalls mit dem Dacia Spring mit empfindlichen Verletzungen im Bereich des Beckens rechnen. Das automatische Notbremssystem des Autos erkennt nach Angaben der Tester weder Fußgänger noch Radfahrer, sondern nur andere Autos. Unfälle konnte das System in verschiedenen Simulationen aber trotzdem nicht vermeiden.

Es ist zynisch, dem Verbraucher ein bezahlbares grünes Auto anzubieten, wenn es um den Preis eines höheren Verletzungsrisikos bei einem Unfall geht.

Michiel van Ratingen, Secretary General Euro NCAP

Fiat 500e und BMW iX können punkten

Deutlich besser fällt das Testurteil mit Blick auf den Kleinwagen Fiat 500e aus. Zwar offenbart der italienische Kleinwagen beim Frontalaufprall Schwächen hinsichtlich der Gesundheit des Fahrers, bei einem Seitencrash biete der Stadtflitzer bei Erwachsenen aber einen guten Schutz. Bei Kindern sieht es hingegen weniger gut aus. Auch bei einem Pfahl-Anprall sind die Insassen an allen Körperbereichen nach Angaben der Euro-NCAP-Tester gut geschützt. Etwas anders sieht es bei Fußgängern aus. Zwar ist auch beim Fiat 500e vor allem das Becken von Fußgängern anfällig für schwere Verletzungen, in der Regel sollten Unfälle über das automatische Notbremssystem aber zu vermeiden sein. Es erkennt auch Fußgänger und Radfahrer – sowohl bei Tag als auch bei Nacht. In der Endabrechnung kann sich der Fiat 500e im Euro NCAP Crashtest vier von fünf Sternen sichern.

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Sogar die volle Punktzahl (fünf Sterne) gibt es für den neuen BMW iX. Das Premium-SUV liefert bei einem Frontal-Aufprall zwar nur eine ausreichende Schutzwirkung im Brustbereich des Fahrers. Einen Crash gegen eine starre Barriere, einen Seitencrash und ein Pfahl-Anprall können Insassen in vielen Fällen aber ohne schwere Verletzungen überstehen. Erfreulich ist zudem die hohe Kindersicherheit in verschiedenen Crash-Situationen. Fußgänger und Radfahrer erkennt das automatische Notbremssystem rund um die Uhr zuverlässig. Sollte es aber doch einmal zu einem Unfall kommen, müssen Fußgänger im Bereich des Beckens auch bei diesem Auto mit einem sehr hohen Verletzungsrisiko rechnen. Positiv hervorzuheben ist wie beim Fiat 500e auch das gut funktionierende Spurhaltesystem.

Auch Mercedes-Benz EQS überzeugt

Im Bereich der Limousinen haben sich die Tester zudem den neuen Mercedes-Benz EQS näher angesehen. Und auch bei diesem Premium-Fahrzeug hat es in der Endabrechnung für fünf Sterne, also die Bestwertung gereicht. Bei einem Frontaufprall sind Insassen gut gegen Versicherungen geschützt. In der ersten Sitzreihe sind Beinverletzungen aber nicht unwahrscheinlich. Die integrierten Assistenzsysteme verrichten ihre Dienste sowohl tagsüber als auch nachts gut. Nur beim Abbiegen sei die Fußgänger- und Autoerkennung der Oberklasse-Limousine nicht immer zuverlässig.

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