Corona-App PEPP-PT: Neuer Zeitplan und ein weiteres Problem

3 Minuten
Als die technische Basis PEPP-PT für die Corona-Tracking-App vorgestellt wurde, hieß es, in der Woche nach Ostern könnte Deutschland eine App gegen Corona haben. Doch danach sieht es gerade nicht aus. Gesundheitsminister Jens Spahn hat jetzt überraschend ein ganz anderes Zeitfenster genannt.
Symbolbild eines Virus
Corona Virus SymbolbildBildquelle: Adobe Stock

Im ARD „Morgenmagazin“ sagte Spahn in der vergangenen Woche, man sei „mit Hochdruck“ daran, die Corona App zu entwickeln. Doch von einem Start in dieser Woche, der auch zu den Lockerungs-Plänen der Bundesregierung gepasst hätte, ist aktuell keine Rede mehr. Dazu tut sich ein bisher nicht bekanntes Problem auf. Die App ist noch nicht mit einem der wichtigsten Player am Markt kompatibel. Apples iPhone ist noch nicht einmal damit getestet worden.

Die Bundeswehr testet die App aktuell in einer Kaserne und hat laut eines Berichts bisher Achtungserfolge erzielt. Man habe eine Erfolgsquote von 70 bis 80 Prozent. Doch nach Erkenntnissen des „Spiegel“ gibt es ein sehr großes Problem. Bisher wurden alle Tests mit Android-Smartphones, konkret dem Samsung Galaxy A40 durchgeführt. Es soll demnach Kompatibilitätsprobleme mit den iPhones von Apple geben. Sie seien wohl erst lösbar, wenn Apple und Google ihr gemeinsames Projekt zur Bekämpfung des Coronavirus auf die Schiene gesetzt haben. Doch das ist nicht das einzige Problem der App.

Datenschutzkonzepte so perfekt wie möglich

„Es geht darum, dass wir beim Datenschutzkonzept und bei der Datensicherheit so perfekt wie möglich sind. Das muss den Anforderungen genügen, die wir auch sonst an eine solche Technologie stellen“, so Spahn. Daran werde mit Hochdruck gearbeitet. Weiter sagte der Bundesminister: „Aber die Wahrheit ist auch: Damit es wirklich gut ist, braucht es eher noch drei bis vier Wochen als zwei Wochen.“

Es sei weiterhin wichtig, dass die Gesundheitsämter die Kontakte von Corona-Infizierten nachverfolgen können. Das machen die Ämter derzeit per Hand. „Eine App wird das deutlich erleichtern“, so Spahn. Die geplante App basiert auf dem Projekt PEPP-PT. Vergangene Woche hatten auch Apple und Google angekündigt, ein auf Bluetooth-LE basierendes System zu entwickeln, das auf Dauer sogar in die Betriebssysteme der Smartphones integriert werden soll.

Anonymes Tracking zur Nachverfolgung

Die fertige Corona-Tracking-App soll unter Wahrung der Privatsphäre auf Basis von Bluetooth in Deutschland aber auch anderen Ländern Europas Infektionsketten verfolgen können. PEPP-PT selbst werde die App nicht in die AppStores bringen. Zu erwarten ist, dass dies vom Robert Koch-Institut gemacht wird, das mit einer Corona-Datenspende-App für Wearables bereits eine erste Corona-App herausgebracht hat.

Die Funktionsweise der Corona-Tracking-App ist vergleichsweise simpel. Die App erfasst im Hintergrund andere Smartphones in unmittelbarer Nähe auf Basis von Bluetooth. Dabei findet die App aber nur eine ID. Die Speicherung erfolgt lokal. Gibt nun ein Anwender der App die Information, dass er infiziert ist, so kann das System jene anderen Nutzer benachrichtigen, die sich in den vergangenen Tagen in unmittelbarer Nähe zu dem Smartphone des Infizierten aufgehalten haben.

Corona-Tracking-App: Vodafone stellt Labor für Messungen bereit

Damit nicht zu viele Smartphones als „in der Nähe“ geortet werden, hat Vodafone sein Testlabor in Düsseldorf zur Verfügung gestellt. Sämtliche gängigen Smartphones und ihre Bluetooth-Sensorik testen die Techniker dort im Detail und berechnen die richtigen Werte. Denn die Abstandsmessung per Bluetooth unterscheidet sich zwischen den verschiedenen Smartphone-Modellen bedingt durch zahlreiche Parameter – wie zum Beispiel die Antennen-Technik oder das Gehäuse des Telefons. Eine zweistellige Anzahl der am weitesten verbreiteten Smartphones sei bereits durchgemessen, in den nächsten Wochen sollen viele weitere Smartphones folgen.

Deine Technik. Deine Meinung.

6 KOMMENTARE

  1. Liebe Entwickler, liebe Politik,

    das ist ja jetzt wirklich sehr schade, dass es so lange dauert. Dabei warten doch alle sehnsüchtig auf Ihre App. Das zeigen ja auch die Bewertungen und Kommentare.

    Gehen Sie doch mit gutem Beispiel voran und Spenden Sie, die Sie für die App werben, Ihre Gesundheitsdaten nachweislich online und lassen alle daran Teil haben. Wir möchten auch gerne den Puls und die allgemeine gesundheitliche Verfassung unserer Volksvertreter nachvollziehen können (ganz zu schweigen von der Maskenpflicht und der Einhaltung der Abstandsregeln). Sie vertreten doch das Volk oder? Dann lassen Sie uns doch daran Teil haben. Transparenz ist im Datenschutz sehr wichtig, wie Sie wissen. Vielleicht können Sie Ihre Freunde in den USA auch dazu bewegen, Ihre Ehrlichkeit mit uns zu teilen.

    Vielen Dank!

  2. Wir haben z.Z. massive Einschränkungen in unseren Grundrechten (Versammlungsfreiheit, deutlich eingeschränkte Freizügigkeit, etc). Vor diesem Hintergrund halte ich es für vertretbar, vorübergehend den Datenschutz etwas zu lockern, um diese anderen Grundrechte, für die wir jahrzehntelang gekämpft haben, möglichst bald wieder vollständig herzustellen. Ich hätte auch überhaupt kein Problem damit, diejenigen, die sich nicht daran beteiligen wollen, dann von bestimmte öffentlichen Aktivitäten auszuschliessen.

  3. Naja, ich glaube unsere Gesellschaft hier in Deutschland ist noch nicht so weit, für eine App. Wenn ich mir vorstelle das die App Plötzlich im Bus bei mehreren Warnung gibt mit Nachrichten, wollen erstmal alle mit Panik raus. Egal an welchen Ort, das mit dem Bus war ein Beispiel. Dann die Ungewissheit ob man sich angesteckt hat. Als ob man vom Arzt Donnerstag eine Meldung bekommt, man solle mal einen Termin machen nächste Woche, eben die Unwissenheit. Und meiner Meinung wird in Deutschland gemobbt.

  4. Contact Tracing App oder Anti-Corona-Tracking-App oder Coronavirus-Apps. Wer sich diesen Corona-Virus-Trojaner freiwillig auf sein Hany lädt, dem ist nicht mehr zu helfen. Ältere Semester in unserer Gesellschaft benutzten, wenn überhaupt, alte Mobil-Telefone ohne Apps, GPS, Bluetooth und Daten-Zugriff. Diese alten Dinger dürften sich alsbald zu Spitzenpreisen auf Amazon verscherbeln lassen. „A horse handy! A horse handy! My kingdom for a horse handy!“ Solange das 3G-Netz noch nicht abgeschaltet ist, die letzte Rettung für paranoide Zeitgenossen. (Paranoia ist heutzutage keine Krankheit mehr. Dieser Begriff steht jetzt für digitalen Selbstschutz) Jetzt bleibt den staatlichen Kontroll-Freaks nur noch der RFID-Transponder, so klein wie ein Reiskorn. RFID gechipte Personen brauchen weder eine ID noch einen Pass. Je nach politischer oder gesellschaftsrelevanter Situation werden die RFID Chips upgedatet. Anonymität wird zum Fremdwort. Aber zurück zum aktuellen Thema: wer diesen Corona-Virus-Trojaner freiwillig auf sein Handy lädt ist ein wandelnder, gläserner Vollpfosten.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen

VERWANDTE ARTIKEL