Corona-App: Der Glaubenskrieg ist entschieden

3 Minuten
Die Bundesregierung hat sich dazu entschieden, die geplante Corona-App doch in einer anderen Form auf den Markt zu bringen als bisher geplant. Nach massiver Kritik von Datenschützern wird nun eine dezentrale Datenspeicherung in der Tracing-App angestrebt.

In den zurückliegenden Tagen hatten Datenschützer – unter anderem der Chaos Computer Club und die Gesellschaft für Informatik – davor gewarnt, die Corona-App nach dem Prinzip des europäischen PEPP-PT-Projekts zur Verfügung zu stellen. Sie kritisierten, dass dabei eine zentralisierte Datenspeicherung von Bewegungsdaten zum Einsatz komme. Nun stellte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) jedoch klar, dass stattdessen eine dezentralisierte Speicherung von Nutzerdaten das oberste Ziel für die App sei. Das klingt lapidar, ist aber tatsächlich ein nicht zu unterschätzender Kurswechsel der Regierung.

Corona-App soll eine freiwillige Meldung von Daten zu Forschungszwecken ermöglichen

Braun sagte der „Welt am Sonntag“, sämtliche Kontakte und Daten, die die Corona-Tracing-App per Bluetooth erfasst, sollten in Form einer dezentralen Architektur nur auf den Geräten gespeichert werden, auf denen die App zum Einsatz komme. So sei es möglich, Vertrauen in der Bevölkerung für die Nutzung einer solchen Anwendung zu schaffen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI), das die Ausbreitung des Corona-Virus untersucht, soll trotzdem an Daten von Nutzern kommen. Und zwar in Form einer freiwilligen Bereitstellung durch die Nutzer. Das diene der „epidemiologischen Forschung und Qualitätssicherung“, so Braun. Auch die schon verfügbare Datenspende-App des RKI arbeitet nach einem solchen Prinzip.

Corona-App auf dezentraler Basis

An der grundsätzlichen Funktion der App soll sich unterdessen nichts ändern. Sie soll per Bluetooth erfassen, welche Smartphones sich zu welchem Zeitpunkt in der Nähe des Nutzers befanden. Hat sich eine Person nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, kann sie dies über die App eintragen. Anschließend sendet die App in anonymisierter Form eine Warnung an all jene, die sich während der vergangenen Tage in der Nähe des oder der Infizierten aufgehalten haben. Die Informierten können sich dann entweder selbst auf das Coronavirus testen lassen oder für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben, um so andere Mitmenschen vor eine potenziellen Ansteckung zu schützen.

Beim Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut, das sich an der PEPP-PT-Initiative beteiligt hatte, will man seine Arbeiten an einer zentralisierten App-Lösung nun offenbar einstellen. Die „Tagesschau“ berichtet unter Berufung auf eine E-Mail an die Mitarbeiter, dass man alle bisherigen Erkenntnisse übergeben wolle. „Andere werden unsere bisherigen Ergebnisse nutzen können, um die dezentrale Lösung zu bauen“, heiße es in dem Schreiben. Grundsätzlich sei man davon überzeugt, auf das richtige Modell gesetzt zu haben. Man müsse aber auch erkennen, dass „bei PEPP-PT eine Reihe von gravierenden Fehlern hinsichtlich der Kommunikation begangen“ worden seien. Das habe sehr geschadet und am Ende dazu geführt, dass nun ein dezentralisierter Ansatz bei der Tracing-App verfolgt werde.

Zusammenarbeit mit Google und Apple möglich

Der nun kommunizierte Kurswechsel macht es der Bundesregierung übrigens auch möglich, mit Google und Apple zusammenzuarbeiten. Denn auch die beiden amerikanischen Großkonzerne hatten kürzlich erklärt, in den Smartphone-Betriebssystemen Android und iOS eine Tracing-App zu integrieren, die auf Basis eines dezentralen Ansatzes bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie helfen soll. Wann die neue App tatsächlich zur Vefügung steht, ist unterdessen noch immer unklar.

Deine Technik. Deine Meinung.

2 KOMMENTARE

  1. Für mich passt da etwas nicht zusammen: Es gibt aktuell 154.175 bestätigte Fälle, davon sind 5.640 gestorben und ca. 112.000 Genesene. Somit kann eine App doch nur diese Personen identifizieren, außer die Verstorbenen natürlich. Das wären ziemlich wenige, oder? Was ist mit all denen, die infiziert sind, es aber nicht wissen, keinen Test bekommen (sind ja nicht systemrelevante Fußballer)? Und dafür so ein App-Fass aufmachen? Leuchtet mir nicht ein, vielleicht bin ich auch zu dumm, vielleicht kann das ja jemand verständlich erklären …

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen

VERWANDTE ARTIKEL