Congstar-Chef im Interview: Darum sind 5G und Full Flat auf absehbare Zeit kein Thema

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Es liegen ereignisreiche Wochen hinter und vor der Telekom-Tochter Congstar: Alle Tarife sind seit wenigen Tagen LTE-fähig, der Start des Kombi-Tarifs Congstar X steht kurz bevor und auch sonst gibt es viel zu berichten. Zeit für ein Interview mit dem Chef: Peter Opdemom stand uns Rede und Antwort.
Interview mit Peter Opdemom
Hat mit Congstar noch viel vor: Unternehmens-Chef Peter Opdemom.Bildquelle: Congstar

inside digital: Peter, die vergangenen Monate waren sicherlich auch für dich ereignisreich. Zwar hat die Corona-Krise andere Branchen mehr getroffen als jene in der du bei und mit Congstar in der Verantwortung stehst. Aber sicherlich hat das Virus auch bei euch im Unternehmen einiges durcheinander gewürfelt.

Peter Opdemom: Das ist richtig. Anfang März ist die gesamte Belegschaft von Congstar zu 100 Prozent ins Home-Office gegangen. Das hat hervorragend geklappt. Nun geht es darum, das richtige Modell zu finden, um teilweise vor Ort und teilweise zu Hause als Team zu arbeiten. Hybrides Arbeiten ist deutlich schwieriger zu realisieren als komplettes Arbeiten zu Hause. Da suchen wir aktuell noch nach der optimalen technischen Lösung, um alle Nachteile dieser Offline-Online-Kombination auszuklammern. Das ist ohne Zweifel eine Herausforderung, aber die Einstellung der Leute stimmt und wir werden das hinbekommen.

inside digital: Gab es besondere Hindernisse, denen ihr euch in den vergangenen Monaten stellen musstet?

Opdemom: Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes hat uns ehrlich gesagt viel Kraft gekostet. Wir wollten sicherstellen, dass wir fair und richtig abrechnen. Man möchte es nicht glauben, aber das hat zwei Wochen sehr viele Entwickler-Ressourcen in Anspruch genommen. Und schon bald müssen wir alles wieder umdrehen. Ob das im Sinne des Erfinders ist?

inside digital: Nachvollziehbarer Ärger. Eure Kunden haben davon aber nicht viel mitbekommen. Und zudem habt ihr gerade zu Beginn der Corona-Krise noch weitere vorübergehende Optimierungen zugunsten eurer Kundschaft vorgenommen.

Opdemom: Wir haben unseren Kunden zusätzliches mobiles Datenvolumen geschenkt. Ostern haben wir unseren Prepaid-Kunden nochmal zusätzliche Daten zur Verfügung gestellt. Denn schnell wurde deutlich, dass der Verbrauch des Datenvolumens steigt – gerade auch bei unseren Homespot-Tarifen. Von Vorteil war in diesem Zusammenhang natürlich, dass wir auf das gut ausgebaute Netz unserer Muttergesellschaft zugreifen konnten.

Congstar X startet

inside digital: Mit den Homespot-Tarifen gibst du das perfekte Stichwort. Hier läuft aktuell der Beta-Test eures neuen Kombi-Tarifs Congstar X. Gibt es Neuigkeiten dazu?

Opdemom: Unser neues Hero-Produkt wird in der letzten September-Woche offiziell starten. Es ist eine konsequente Weiterentwicklung unserer klassischen Homespot-Tarife und soll unterstreichen, dass wir immer wieder Akzente am Markt setzen möchten. Mit Congstar X hast du alles, was du als normaler Smartphone-Nutzer brauchst – inklusive Surfbereich zu Hause als DSL-Alternative. Congstar X ist für unsere Verhältnisse ein Premium-Angebot. Und zwar eines für Menschen, die kein reines Festnetz-Angebot mehr brauchen oder ein solches einfach nicht nutzen möchten.

inside digital: Kombi-Angebot schön und gut, aber es bleiben 200 GB LTE-Volumen-Limit. Der eine oder andere Kunde würde sich von euch stattdessen mehr wünschen, dass ihr einen Full-Flat-Tarif mit unlimitiertem Datenvolumen anbietet – zu einem attraktiven Preis.

Opdemom: Wir sind kein Anbieter, der unlimitiertes Datenvolumen zur Verfügung stellt. Das machen andere in unserem Konzern. Als smarte Nutzer wissen wir aber doch ohnehin: Ein solches Full-Flat-Angebot anbieten zu können, ist am Ende gar nicht entscheidend. Wozu eine All-you-can-eat-Variante bestellen, wenn man am Ende doch nicht alles essen kann? Die 200 GB, die wir monatlich bei Congstar X oder auch in unserem größten klassischen Homespot-Tarif zur Verfügung stellen, sind richtig viel Volumen. Mehr ist in der Regel nicht notwendig.

inside digital: Also ist eine Daten-Flat ohne Limit kein Thema für Congstar?

Opdemom: Die unlimitierte Nutzung eines Netzes ist ein Premium-Angebot. Das darf gerne den Kollegen bei unserer Konzernmutter vorbehalten bleiben. Da stehe ich voll dahinter. Wir wollen unseren Kunden maßgeschneiderte Angebote realisieren. Dass wir unsere Angebote immer an den Bedürfnissen der Datennutzung anpassen, ist aber auch klar. Wir wollen da flexibel bleiben. Vorerst bleibt es aber beim 200-GB-Limit.

HomeSpot statt VDSL im Fokus

inside digital: Apropos Limit: DSL-Tarife bietet ihr über eure Homepage auch noch an – schon seit vielen Monaten mit maximal 50 Mbit/s. VDSL scheint für Congstar keine sonderlich große Rolle mehr zu spielen, oder irrt man mit diesem Eindruck?

Opdemom: VDSL wird von uns nicht mehr aktiv vermarktet. Unseren Kunden, die es nutzen, wollen wir es weiter anbieten. Auch für Neukunden ist es zum Beispiel auf unserer Homepage weiter erhältlich. Wir stellen es aber nicht in den Vordergrund. Ohnehin haben wir schon heute mehr Homespot- als VDSL-Kunden. Auch das zeigt, auf welches Produkt wir unseren Fokus zukünftig legen wollen.

inside digital: VDSL spielt aktuell also weniger eine Rolle in eurer Strategie. Dann lass uns doch in die Zukunft blicken. Wir werfen jetzt einfach mal das Stichwort „5G“ in den Ring. Jetzt bitte du.

Opdemom: 5G hat enormes Potenzial, ist aber ein Langläufer. Bis die neue Technologie zu einem Massenphänomen wird, dürfte es noch ein wenig dauern. Wir werden uns in Zukunft immer wieder eine einfache Frage stellen: Welche Nachteile hat ein Congstar-Kunde, wenn wir ihm 5G nicht anbieten? Und dann werden wir von Jahr zu Jahr schauen, wann 5G für die Congstar-Zielgruppe relevant wird. Auf absehbare Zeit geschieht das sicherlich nicht.

Ein Blick auf die Kundenzahlen

inside digital: Eine nicht so erfreuliche Nachricht für eure Kunden. Wie viele habt ihr aktuell eigentlich?

Opdemom: Wir wachsen weiter. Die Marke von 5,5 Millionen Bestandskunden ist in der Nähe. Noch schneller werden wir es schaffen, auf einen Bestand von 3 Millionen Mobilfunk-Vertragskunden zu kommen. Beides hat natürlich zur Folge, dass auch unser Umsatz wächst. Das alles zu erreichen ist harte Arbeit, aber sie macht uns stolz und zufrieden.

inside digital: Abschließend noch ein Blick auf eure Kooperation mit dem FC St. Pauli. Was viele Menschen gar nicht wissen: Euer Engagement im Profisport dort beschränkt sich nicht nur auf den klassischen Fußball im Stadion, sondern auch auf die virtuelle Bundesliga. Wieso ist es euch so wichtig, dort in Erscheinung zu treten?

Opdemom: Das Thema Konnektivität ist im Gaming-Umfeld sicher nicht unwichtig. Und auch geht es natürlich darum, Siege zu feiern. Für St. Pauli als Verein ist aber nicht allein der Erfolg seines VBL-Teams wichtig. Auch der Spaß, das Spiel, der Breitensport und nicht zuletzt das Thema Inklusion spielen eine zentrale Rolle. Damit können auch wir uns sehr gut identifizieren. Zudem wollen wir natürlich auch in diesem neuen und stark wachsenden Umfeld unsere Markenbekanntheit steigern. Aus diesem Grund haben wir bereits im vergangenen Jahr ein gemeinsames Gaming Festival mit dem FC St. Pauli initiiert und werden auch in diesem Jahr einen Remote-Gaming-Day ins Leben rufen.

inside digital: Vielen Dank für deine Zeit, Peter. Bleib‘ gesund!

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