Cell Broadcast: Telekom will „Warn-SMS“ einführen

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Es ist in dieser Woche das Thema schlechthin, wenn es darum geht, Lehren aus der Hochwasser-Katastrophe im Westen zu ziehen: Die Alarmierung muss besser werden. Ein zentraler Baustein: Der falsch als Warn-SMS bezeichnete Dienst Cell Broadcast. Er könnte nun sehr schnell kommen.
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Bildquelle: Deutsche Telekom

Die Telekom befürwortet die Einführung eines SMS-Warnsystems in Deutschland. „Cell Broadcast, also die Warnung per SMS, muss ein Teil des Warnsystems sein. Wir können das System aufbauen“. Das schreibt Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, auf der Social-Media-Plattform „LinkedIn“.

An einer möglichen Ausschreibung des Bundes werde sich die Telekom selbstverständlich beteiligen. Zu vermuten ist aber, dass es keine Ausschreibung gibt, sondern eine direkte Beauftragung der aktuell drei, künftig vier Netzbetreiber in Deutschland. Denn Cell Broadcast funktioniert nur, wenn das Handy im jeweiligen Netz eingebucht ist.

Auch andere Netzbetreiber prüfen intern bereits, wie hoch der Aufwand ist, die Warnfunktionen von Cell Broadcast zu aktivieren. Dabei geht es primär darum, den Dienst, der seitens Hardware unterstützt wird, zu aktivieren und Schnittstellen zu den Behörden zu schaffen. Diese müssen ihrerseits die Voraussetzungen schaffen, um die einzelnen Netze und die Sendemasten in den Warnregionen zu adressieren. Telefónica Deutschland teilte uns mit, dass man selbstverständlich für einen Dialog zur Implementierung und Ausgestaltung des Verfahrens zur Verfügung stehe, sollten die Behörden künftig weitere beziehungsweise zusätzliche digitale Kanäle – wie etwa die Cell Broadcasting-Technologie – nutzen wollen. „Wir unterstützen hier als Netzbetreiber mit voller Kraft, um alle technologischen Möglichkeiten zum Schutze der Bevölkerung und unserer Kunden zu nutzen.“

Das ist die Funktionsweise der „Warn-SMS“

Cell Broadcast ist ein Mobilfunkdienst zum Versenden von SMS-ähnlichen Nachrichten an alle Mobiltelefone innerhalb einer Funkzelle oder einer Gruppe von Funkzellen im jeweiligen Mobilfunknetz. Anders als bei einer SMS kontaktiert der Mobilfunkmast aber nicht gezielt ein Handy, dessen Nummer dafür vorher bekannt sein muss. Vielmehr funktioniert es beim Cell Broadcasting so wie beim Radio. Alle Handys, die gerade eingeschaltet und in der Zelle eingebucht sind, bekommen die Nachrichten. Dabei lassen sich die Warnungen sehr zielgerichtet auf einzelne Städte oder Regionen begrenzen. Sogar Warnungen an alle Handys in der Nähe von Flüssen wären denkbar.

Das spezielle Warnsystem PWS (Public Warn System) im Rahmen von Cell Broadcast kennt zusätzlich noch unterschiedliche Schweregrade der Alarmierung. Hier wäre sogar denkbar, dass auch stumm geschaltete Handys sich nachts laut melden. Einzig ausgeschaltete Handys sind aus nachvollziehbaren Gründen nicht erreichbar.

Auch seitens der Politik gibt es inzwischen ein Umdenken. Zuvor hatten die Politiker trotz anderslautender Aufforderungen der EU ausschließlich auf die Warn-App Nina gesetzt. Wie nun aber zu hören ist, will auch Bundesinnenminister Seehofer den als Warn-SMS bezeichneten Dienst einführen. Schon in den kommenden Tagen sollen Gespräche mit den Mobilfunkern stattfinden. Der teuerste Teil an der Einführung dürfte am Ende die Zahlung von Lizenzkosten für den Dienst an die Hersteller der Netzwerktechnik sein. Die Technik selbst ist weitgehend vorhanden und auch alle Handys in Deutschland unterstützen die Technik. Eine Einführung könnte bei genügend politischem Willen noch in diesem Jahr erfolgen.

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1 KOMMENTAR

  1. Avatar herr_lich

    Dolles Bild der Teutschen Delekom über Cell Broadcast. Entweder haben’s die Zuständigen selber nicht kapiert oder es ist ihnen wurscht, daß sie durch falsche Darstellung eher für Missverständnisse/Befürchtungen, als für Information/Verstehen zu sorgen: „alle Mobilfunk-Netzbetreiber schicken eine Warn-Nachricht an die Personen im betroffenen Gebiet“ ist nunmal Blödsinn hoch drei.

    Zum einen wird die Nachricht nicht an die Personen geschickt, sondern an alle eingeschalteten Geräte. Kann man ja noch großzügig gleichsetzen. Aber es wird vor allem keine Nachricht an irgendwen oder irgendetwas geschickt. Die Nachricht wird ausgestrahlt und alle eingeschalteten Geräte empfangen sie, ohne irgendeine Voraussetzung, ohne irgendeine Identifikation/Ansprache/Rückmeldung. Eben wie herkömmliches Radio/TV.

    Oder sendet etwa eine Sirene ihr Signal an jemand oder etwas? Nein, das Signal ist einfach da – vollkommen unabhängig von persönlichen oder technischen Empfängern.

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