Bundesnetzagentur verbietet Wasseraufbereiter - Das ist der kuriose Grund

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Die Bundesnetzagentur hat den Verkauf und die Nutzung eines Wasseraufbereiters verboten. Nach Angaben des Herstellers soll der Wasservitalisierer das Wasser mittels einer Handsonde energetisieren und dadurch die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Doch das Gerät hat Nebeneffekte.
Wasserflasche
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

Daher hat die Bundesnetzagentur den Verkauf und die Nutzung eines Wasservitalisiers der Wassermatrix AG aus der Schweiz verboten. Der Vorwurf des Regulierers: Das Gerät verursacht Funkstörungen im Amateurfunkband. Funkamateure und andere Marktüberwachungsbehörden hatten im vergangenen Jahr Störungen gemeldet.

„Unser Prüf- und Messdienst sorgt dafür, dass Frequenzen störungsfrei genutzt werden können“, sagt Dr. Wilhelm Eschweiler, Vizepräsident der Bundesnetzagentur. „Gleichzeitig schützen wir mit dem Vertriebsverbot Verbraucher davor, viel Geld für ein Gerät auszugeben, das sie nicht benutzen dürfen.“

Wasseraufbereiter kostet 8.000 Euro

Nachdem zahlreiche Störungsmeldungen bei der Bundesnetzagentur eingegangen waren, hatte der Prüf- und Messdienst Ermittlungen eingeleitet und den Wasservitalisierer im Messlabor Kolberg überprüft. Es wurde festgestellt, dass das Gerät eine fehlerhafte Konformitätserklärung besitzt und eine unzulässige Störaussendung erzeugt. Der Wasservitalisierer erfülle damit nicht die grundlegenden Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV). Nach Angaben des Deutschen Amateur-Radio-Club ev. (DARC e.V.) handele es sich um eine bis zu 20 Watt starke HF-Abstrahlung im 2-Meter-Band. Dabei handelt es sich um Frequenzen zwischen 136 und 174 MHz

Das Gerät kostet rund 8.000 Euro und wurde mehr als 2.400 mal von Verbrauchern in Deutschland gekauft, heißt es von der Bonner Behörde. Verbraucher, die den Wasservitalisierer gekauft haben, dürfen das Gerät zwar behalten, es aber bis auf weiteres nicht mehr benutzen. Außerdem hat die Behörde neben dem erlassenen Nutzungs- und Vertriebsverbot auch die Mitgliedsstaaten der EU sowie die Europäische Kommission über den Fall informiert. Sie ist der Auffassung, dass die Geräte auch in den anderen Mitgliedsstaaten vertrieben werden.

Das sagt der Hersteller

Der Hersteller des Wasseraufbereiters hat mittlerweile Warnhinweise auf seiner Internetseite für die Nutzung des Geräts in Deutschland aufgenommen. Dort heißt es allerdings, die Bundesnetzagentur erlaubt nur eine Nutzung mit geeigneter Abschirmung. Zur Begründung heißt es von der Wassermatrix, dass „das Gerät auf der gleichen Frequenz wie bei den Amateurfunkern befindet und dieses dadurch gestört fühlen. In unserer Bedienungsanleitung, werden wir darauf hin, dass das Gerät mit Abschirmung zu nutzen ist, wenn dies der offizielle Netzbetreiber verlangt, was nun der Fall ist. Wir bitten Sie, sich an dieses Verbot zu halten und das Gerät nur noch mit einer geeigneten Abschirmung zu nutzen.“

Die Äußerungen von Wassermatrix gehen aber noch weiter, die wir hier ohne weitere Einordnung weitergeben wollen. Wörtlich heißt es auf der Webseite: „Es besteht hier eine Diskrepanz zwischen dem Amateurfunkbereich und den menschlichen Zellen. Die Biologen und die Physiker werden künftig diese Dinge belegen können, dass die Amateurfunker betreffend biologische Zellen durch Unkenntnis unsachgemäss eingreifen und das langfristig zu entsprechenden negativen Einflüssen führt (Amateurkrankheit).“

Funkstörungen? Das kannst du tun

Der Prüf- und Messdienst der Bundesnetzagentur beseitigt Funkstörungen und hilft bei Problemen mit Telekommunikationsdiensten, die keine betrieblichen Ursachen haben. Sprich: Einflüsse von Außen. Störungen können durch ungewollte oder unzulässige Funkaussendungen oder andere elektromagnetische Effekte verursacht werden.  An 19 Standorten in ganz Deutschland ist die Bundesnetzagentur mit Messfahrzeugen vertreten und betreibt ein akkreditiertes Messlabor für die Marktüberwachung und eine Satellitenmessstelle.

Wenn du eine Funkstörung melden willst, kannst du dich an die Funkstörungsannahme der Bundesnetzagentur wenden. Diese ist jederzeit unter 04821 89 55 55 oder per E-Mail: [email protected] erreichbar.  Die Störungsbearbeitung durch den Prüf- und Messdienst vor Ort sind für dich als Melder gebührenfrei. Auch die Verursacher von Störungen müssen keine Gebühren befürchten, soweit die Störungen unverschuldet verursacht werden.

Deine Technik. Deine Meinung.

13 KOMMENTARE

  1. Avatar Aarlon Saryoniki, Bundesnetzagentur

    Der Amateurfunkdienst wird zu Unrecht an den Pranger gestellt. Betroffen ist viel mehr der gesamte Frequenzbereich, der auch dem Flugfunk, Schiffsfunk, Betriebsfunk und Rettungsdiensten zugewiesen ist. Hier handelt es sich schlicht um Inverkehrbringen entgegen der CE-Richtlinien. Die Retourkutsche des Inverkehrbringers, von einer (zukünftig erst noch festzustellenden) „Amateurkrankheit“ zu sprechen, ist blinder Revanchismus.

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  2. Avatar Oliver

    Es ist unverantwortlich, bei solch geballtem Schwachsinn keine Stellung zu beziehen, liebe Redaktion! 8000 € für Scharlatanerie, und ihr habt keine Meinung dazu? Rückgrat stünde euch besser zu Gesicht! Ein feiges Portal, das Angst vor Fakten hat, wollen wir in Zeiten von Fake News nicht unterstützen und meinen euch künftig, wenn ihr bei offensichtlicher Scharlatanerie nicht Tacheles redet!

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    • Thorsten Neuhetzki Thorsten Neuhetzki inside digital Team

      Eine Meinung haben wir. Und auch Rückgrat. Eine Meinung ist aber ein Kommentar. Ein Kommentar ist keine Nachricht. Und dies war eine Nachricht, die sich auf den Transport der Nachricht konzentrierte, dass das Teil verboten ist. Es sollte kein Esoterik-Aufklärtext werden. Hinzukommt: Manchmal ist es besser und stärker, ein solches Zitat so anzumoderieren, wie ich es getan habe, statt zu versuchen, Schwurbler mit Fakten auseinanderzunehmen. Leider kommt das offenbar nicht bei jedem an.

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  3. Avatar Mėnuo

    Ihr habt keine Meinung zu solchen Betrügern? Ernsthaft Was seid ihr für ein Portal? Ist ja widerlich! Wir lesen unsere Technik-Nachrichten zukünftig woanders! 🙁

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    • Thorsten Neuhetzki Thorsten Neuhetzki inside digital Team

      Eine Meinung haben wir. Eine Meinung ist aber ein Kommentar. Ein Kommentar ist keine Nachricht. Und dies war eine Nachricht, die sich auf den Transport der Nachricht konzentrierte, dass das Teil verboten ist. Es sollte kein Esoterik-Aufklärtext werden. Und eben auch kein Kommentar. Viel Spaß beim Lesen auf anderen Seiten, die Meinung und Nachrichten nicht auseinander halten können. Gibts leider genug von.

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  4. Avatar Mac

    Das ist eine Frechheit. 20Watt Störleistung im Nahbereich, aber der Amateurfunker, der seine Antenne auf einem Mast fern der Bevölkerung betreibt bei ähnlicher Leistung ist hier böse?
    Man kann von so einer isotärischen Weltverschwörer Firma auch nichts anderes erwarten. Und wer so einen Scheiß kauft und denkt, das man Wasser mit ein bisschen Funkwellen eine Selbstheilungskraft verleiht, der gehört einfach in die Klapse! Du kannst das Wasser damit heiß machen, wenn die Frequnz deutlich höher ware, aber mehr nicht. Selbst elektronische Entkalker machen nachweislich nichts!

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  5. Avatar Igor_P

    Wieso sollte die Redaktion Stellung beziehen? Haben die die fehlerhafte Konformitätserklärung zu verantworten? Und was hat das mit Rückgrat zu tun, jemanden anonym in den Kommentaren Untätigkeit vorzuwerfen? Der Artikel ist mMn neutral und informativ, so wie er in einer modernen zivilisierten Zeit auch sein sollte. Vermutlich sind wir in Wahrheit noch weit davon entfernt. Oder die Leute sind schon so an Populismus, Propaganda, Hetze, Narzismus und Werbung gewöhnt, kennen das praktisch garnicht mehr anders. Ich danke dem Autor für den sachlichen Bericht, und werde hier in Zukunft öfter lesen!

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  6. Avatar Lup S.

    Wie der Hersteller zugibt, kommt die abgestrahle Leistung im 2m Band tatsaechlich durch den Betrieb zustande. Damit erzeugt das Geraet sogar selbst die bisher in keinem LEXIKON
    verzeichnete Amateurfunk-Krankheit. Wenn daher fuer den Betrieb des Geraetes eine Abschirmung notwendig ist, sollte der Hersteller diese umgehend an seine Kunde liefern. Wenn schon der nutzlose und gefaehrliche Inhalt der Schachtel einen so hohen Verkaufs-Preis erbringt, wird die krankheitsverhindernde, noetige Abschirmung wohl weitere Tausender erfordern. Schade, um den wirklichen Materialverbrauch zu ermitteln, muesste man ein solches Geraetle mal zerlegen. Viel, den Preis rechtfertigendes Material, kann bei der Grosse nicht enthalten sein! – 20 Millionen Umsatz fuer gefaehrlichen Plunder zu kassieren, bedeutet ein geniales Marketingkonzept. Wieso man wegen des >inside digital< Berichtes diese Publikation nicht mehr lesen will, zeigt klar auf, dass Esoterik von
    manchen auch bei genauer Beschreibung nicht verstanden wird. Caveat emptor!

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  7. Avatar Sascha Schröder

    Die Funkamateure machen also wegen ihrer „schädlichen Strahlung“ dieses Gerät erst notwendig?
    Ich hätte gerne mal den Schaltplan dieses Geräts gesehen, und vor allen Dingen physikalische Analysen des „vitalisierten Wassers“…..
    Und dann mal sehen, wer zuletzt lacht.
    Die Funkamateure, die ihre Sachkenntnis mittels entsprechender Prüfung nachweisen müssen, oder eine Firma, die einfach irgendeine Frequenz nimmt, weil „Whatever“

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  8. Avatar Per

    Amateurfunkkrankheit – ja, die hab ich! Dachte aber immer, die würde GAS (Gear Aquisition Syndrom) heißen… 😉

    Aber Spaß bei Seite: Ich fürchte, wer 8.000 Euro für so ein völlig unnützesTeil ausgegeben hat, wird es auch weiterhin benutzen. Denn 1. „merkt ja keiner“ und 2. „sind ja nur die Amateurfunker, die ich störe“.

    Allerdings nutzen die Funkamateure nur den Bereich zwischen 144 und 146 MHz. Der viel größere gestörte Bereich wird z.B. von Unternehmen und BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) genutzt. Und da die Sendeleistung der Wasseraufbereiter mit 20W wirklich sehr hoch ist (viele Funkgeräte senden mit 0,5W kilometerweit), sollte sich jeder Wasseraufbereiter-Nutzer bewusst sein, dass die Benutzung des Geräts vermutlich nicht unentdeckt bleiben wird und weitere (teure!) Konsequenzen zur Folge haben wird.
    Also besser die Gelegenheit nutzen und den Hersteller des Geräts auf Schadenersatz (= Rückerstattung der 8.000 Euro) in Anspruch nehnen.

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  9. Avatar Erich Rieder

    Ich, als Amateurfunker, meine das ganze CE taugt nichts.
    Schade dass auch die Frequenzen verschmutzt werden (wie anderes auch).
    Habe den Bericht auch im USKA Forum gelinkt (Union Schweizer Radioamateure)
    Überall soll Einhalt geboten werden.

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  10. Avatar Ulf J. Froitzheim

    Das einzige, was man der Redaktion vorwerfen, ist das Wort „Wasseraufbereiter“. Das Ding ist irgendwas, macht aber garantiert nichts mit dem Wasser. Ich nenne es Wasserverschwurbler. Interessant ist jedenfalls, dass jemand aus dieser Ecke ein Gerät verscherbelt, das nach den Maßstäben seiner Klientel eine Quelle von Elektrosmog darstellt.

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  11. Avatar Ein Amateurfunkkranker

    Wer wegschaut, macht mit: Bisher war ich der Meinung, bei der BNetzA wird Recht und Gesetz reguliert. Offenbar nur für die „Dummen“: Wie so oft in unserer Zeit scheint es aber hier aus so zu sein, dass wirtschaftliche Interessen schwerer wiegen, als die von „Amateurfunk-Kranken“, die zwar jede Abrechnungsperiode immer brav ihre Frequenznutzungsbeiträge zur „Bereitstellung“ sauberer Betriebsfrequenzen bezahlen, jedoch, wenn eine Störung des Funkdienstes vorhanden ist, wird sie oft kleingeredet, oder ausgesessen. Spätestens, nachdem das ehemalige Bundespostministerium aufgelöst, und das Resort dem Bundeswirtschaftsministerium unterstellt wurde, ist leicht nachvollziehbar, warum das so zu sein scheint…
    Cui bono?

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