Bezahlen in Deutschland: Kartenzahlung ja, Mobile Payment nein

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So laut die Rufe der Bargeld-Fans auch sind, die Deutschen bezahlen im Alltag mehrheitlich bargeldlos. Doch das neue mobile Payment hat sich noch nicht durchgesetzt. Zu dem Ergebnis kommt zumindest eine aktuelle Forsa-Studie.
Ein Handy mit Google-Pay-App wird im Café an ein Kartenterminal gehalten
Bildquelle: Paypal

Beim Einkaufen im stationären Handel bekommen bargeldlose Bezahlmittel wie Kreditkarte oder Girocard (ehemals EC-Karte) den Vorzug vor Bargeld. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Auftrag von PayPal durchgeführte repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Sie hat das Bezahlverhalten der Deutschen untersucht. Demnach zahlen 54 Prozent der Befragten beim Einkaufen überwiegend bargeldlos. Besonders groß ist der Anteil in der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen: 67 Prozent kommen hier ohne Bargeld aus.

Konsumenten wollen Auswahlmöglichkeit

Die Befragten wollen nicht gezwungen werden, mit Bargeld zu zahlen, heißt es in der Studie. Verbraucher möchten unabhängig davon, wie viel Bargeld sie dabei haben, auch spontan einkaufen können. Außerdem antworten knapp zwei Drittel der Befragten, dass sie selbst entscheiden möchten, wie sie bezahlen. Insbesondere bei Ämtern und Behörden, in Restaurants und öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Straßenbahn stört es sie, dass ihnen diese Entscheidungsfreiheit fehlt, wenn sie ausschließlich mit Bargeld zahlen können.

Wie zahlen die Deutschen in fünf Jahren?

Die überwiegende Mehrheit der Befragten ist sicher, dass in den nächsten fünf Jahren in Deutschland seltener mit Bargeld bezahlt werden wird. Knapp 80 Prozent sind dieser Ansicht. Befragt nach ihrem persönlichen künftigen Bezahlverhalten geben jedoch lediglich 43 Prozent an, in den nächsten fünf Jahren seltener mit Bargeld zu bezahlen als heute. Mit 51 Prozent geht etwas mehr als die Hälfte davon aus, Bargeld genauso häufig einzusetzen wie heute. Entsprechend halten fast zwei Drittel eine Entwicklung zum bargeldlosen Alltag wie in Schweden nicht für wünschenswert. Das sehen insbesondere die Älteren so. In der Altersgruppe ab 50 Jahre vertreten mehr als 70 Prozent diese Meinung.

Bis die Deutschen neuen Bezahloptionen Vertrauen schenken, dauert es lange. 42 Prozent bleiben bei ihren bevorzugten Zahlungsmitteln, auch wenn die Auswahl der Optionen zunimmt. Gleichzeitig gibt etwas mehr als die Hälfte an, neuen Zahlungsmitteln gegenüber aufgeschlossen zu sein, wenn diese sich über eine gewisse Zeit bewährt haben.

Mobile Payment: Noch viel Luft nach oben

Noch nicht etabliert hat sich demnach Mobile Payment, also das Bezahlen mit dem Smartphone im Ladengeschäft. Besonders deutlich wird dies daran, dass zwar neun von zehn Befragten ein Smartphone besitzen, jedoch nicht einmal jeder zehnte Smartphone-Besitzer bereits im Ladengeschäft damit bezahlt hat. Nur sieben Prozent haben bisher das Handy benutzt, um damit zu bezahlen. Interessant dabei: Die Quote bei den Männern liegt bei zehn Prozent, bei Frauen nur bei vier Prozent. Das gilt auch bei der Frage nach der Bereitschaft, mit dem Handy zu bezahlen. Insgesamt können sich 40 Prozent der Befragten vorstellen, mit dem Smartphone an der Ladenkasse zu zahlen, jedoch nur 30 Prozent der Frauen gegenüber knapp 50 Prozent der Männer.

Der Auftraggeber der Studie Paypal hat mit Google Pay für Android eine Kooperation. Alle Android-Nutzer können Google Pay nutzen, indem eine virtuelle Mastercard hinterlegt wird, die über das Paypal-Konto des Nutzers berechnet wird.

Auf die Frage, was die Befragten beim Verlassen des Hauses eher greifen würden, wenn nur ein Gegenstand möglich ist, entschieden sich 66 Prozent für das Portemonnaie. Lediglich 31 Prozent gaben an, nur mit dem Handy das Haus zu verlassen. Tatsächlich ist mit dem Smartphone heute schon fast alles machbar: Bezahlen, Fahrkarten kaufen, Girokonto führen und Kundenkarten verwalten. Lediglich Führerschein und Personalausweis lassen sich in Deutschland noch nicht über das Handy darstellen.

 

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2 KOMMENTARE

  1. Ich würde mich als Techie der ersten Stunde bezeichnen, der jeden technischen Trend lange bevor er Trend wurde, gemacht hat. Großer Verfechter vom Onlinebanking, damals noch Home Banking genannt, während meine Freunde auch 10 Jahre danach am Kontoauszugsdrucker standen. Alles wurde per Karte bezahlt, Münzen+Scheine hatte ich quasi für mich abgeschafft.

    Vor einigen Jahren habe ich meine Abschlussarbeit über E-Commerce und Kartenzahlung geschrieben. Dabei natürlich sehr viel recherchiert, was ich noch nicht wusste, welchen Zugriff die USA, deren Banken, Institute und Geheimdienste haben. Das war noch vor NSA, Prism & Co.

    Auf jeden Fall zahle ich seit dieser Arbeit anstatt bisher 90% Karte / 10% bar genau umgekehrt. Heute zahle ich fast ausschließlich in Bar, habe ein (gefühlt) prall gefülltes Portemonnaie und muss immer schmunzeln, wenn die Leute vor mir an der Kasse ihre kontaktlosen Karten, Handys oder Payback (gehört American Express 😉 zücken.
    Und wenn ich dann am Bezahlen bin, müssen die Kassiererinnen den Bezahlvorgang oft abbrechen, da sie voreilig Kartenzahlung vermuten (aufgrund meines jüngeren Alters und des Kaufbetrags) und ich aber bar bezahle. Die Spitze des Eisbergs war neulich ein Autokauf (etwas über 20 Tausend), den ich unbedingt bar begleichen wollte und der Verkäufer die angestaubten Formulare zur Barzahlung herauskramen musste.

    Trends mitmachen? Kann doch jeder. Einen Trend setzen, DAS zählt! Spaß beiseite: Leute, lasst euch von der drohenden Bargeldabschaffung und der ständigen Überwachung nicht einschüchtern – und zahlt cash! Danke $-)

  2. Ich zahle im Supermarkt tatsächlich am liebsten bar. Nicht weil ich altmodisch bin, sondern einfach meine Ausgaben besser im Blick habe. Ich finde aber auch Kartenzahlung nicht verkehrt, wenn es mal größere Einkäufe sind und dann auch gerne kontaktlos. Ich weiß allerdings wirklich nicht, welchen Vorteil dann mobiles bezahlen im Supermarkt/Geschäft für mich haben soll. Denn das geht genauso langsam oder schnell, wie die Karte an das Lesegerät zu halten. Und wenn ich etwas immer dabei und griffbereit habe, ist es die Geldbörse.

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