Vodafone & Co: Beweis-Software für langsames Internet legt Anschluss lahm

3 Minuten
Seit dieser Woche kannst du deinem Internetanbieter beweisen, dass er dir eine zu schlechte Leitung liefert und dein Internet zu langsam ist. Na ja, du kannst es theoretisch beweisen – praktisch ist das kompliziert. Zu kompliziert. Ein Kommentar.
Frau blickt geshockt auf ihr Smartphone
Bildquelle: fizkes/Shutterstock.com

Es klang so gut. Mit einer Software der Bundesnetzagentur kannst du quasi per Knopfdruck beweisen, dass dein Internetanschluss zu langsam ist. Die Software erstellt ein Messprotokoll mit dem du, wenn der Anschluss wirklich zu langsam ist, deinen Anbieter konfrontieren kannst. Da das Protokoll signiert ist, ist die Beweissicherung erbracht. So einfach, so unrealistisch. Denn der Weg zu dem Messprotokoll ist lang, voller Hürden, braucht viel Zeit und setzt deine Familie faktisch offline. Und somit ist sie vollkommen unpraktikabel.

Denn damit deine Messung am Ende wirklich genau und gültig ist, reicht es nicht, dass du deinen Rechner per LAN-Kabel mit dem Router verbindest. Für einige Nutzer dürfte das im Zeitalter des WLAN schon eine Herausforderung sein. WLAN ist jedoch nicht uneingeschränkt geeignet, die Datenraten zu transportieren, die Anschlüsse jenseits der 250 Mbit/s liefern sollen.

WLAN mehrere Tage stundenweise außer Betrieb

So weit, so gut. Im Rahmen der Messserie sollst du aber auch das WLAN an deinem Router ausschalten und auch weitere LAN-Verbindungen trennen. Das soll dazu dienen, dass sichergestellt ist, dass kein weiterer Datentraffic die Messung beeinflusst. Was nachvollziehbar ist, ist dennoch fernab jeglicher Praxis. Denn es ist bei der Beweisführung nicht damit getan, dass du kurz einmal dein WLAN ausschaltest, misst und alle gehen wieder online.

Vielmehr sollst du an drei verschiedenen Kalendertagen jeweils zehn Messungen machen. Zwischen den Messungen sollen mindestens fünf Minuten liegen, einmal sogar mindestens drei Stunden. Bei jeder einzelnen dieser Messungen, die pro Tag im besten Fall etwa vier Stunden dauern, muss das WLAN aus und dein Heimnetzwerk somit offline sein. Bei jeder einzelnen Messung musst du sechsmal per Klick bestätigen, dass niemand ein LAN-Kabel nutzt, WLAN aus ist, du keinen VPN nutzt, dein Router auf aktuellem Stand es, dein Messrechner keine parallelen Daten überträgt und auch der Energiesparmodus des Rechners ausgeschaltet ist. Erst dann kannst du messen – sieben Klicks pro Messung, zehnmal am Tag an drei Tagen.

Keine Benachrichtigung, keine automatische Messserie

Doch dabei wird es vermutlich nicht bleiben. Denn genauso wenig, wie die Software diese Messserie im Hintergrund automatisch durchführt, so wenig informiert sie dich aktiv, wenn der Mindestabstand zwischen zwei Messungen um ist. So werden aus fünf Minuten dann auch schnell zehn, aus drei Stunden vier oder fünf. Und schnell aus drei Messtagen vier, fünf oder sechs. Denn nur, wenn du alle zehn Messungen an einem Tag erledigt hast, gilt dein Messtag als erfolgreich.

Fraglich bleibt auch, wie genau die Messungen sind. Denn während uns andere Speedtests für unseren Anschluss mit 1.000 Mbit glaubwürdige 900 bis 980 Mbit/s liefern, sind es bei der offiziellen Mess-App nur wenige Sekunden vorher oder nachher bei ansonsten unverändertem Setting oftmals weniger als 500 Mbit/s.

Damit die App ein Erfolg wird und du als Verbraucher wirklich bei langsamen Internetleitungen eine praktikable Gegenwehr hast, sollte die Bundesnetzagentur dringend nachsteuern und wenigstens eine automatische Messreihe, die dann vier Stunden dauert, ermöglichen. In dieser Form dürfte die App nur für Hardcore-Frustrierte sinnvoll und für alle anderen ein Schuss in den Ofen sein.

Deine Technik. Deine Meinung.

11 KOMMENTARE

  1. Reinhard Pape

    Vielleicht sollte man ‚mal auf die etablierten Routerhersteller wie z.B. AVM zugehen; deren Systeme hängen ja gewissermaßen direkt am Draht und viele (gerade Fritzboxen) verfügen ja ohnehin schon über diverse Servicefunktionen für Aufzeichnungen, Benachrichtigungen und zur Automation. Über genug Ressourcen sollten die Boxen eigentlich verfügen, um sporadische Messungen zentral durchzuführen.

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  2. Marco

    Die grundsätzliche Idee hinter diesen Messungen ist schon sinnvoll. Aber im Alltag ist zum einen das hier beschriebene Prozedere schon weitab jeglicher Lebensrealität und zum anderen ist der Aufbau der Netze der Internetanbieter natürlich nicht so optimal das alle Netze aus allen Netzen gleich gut zu erreichen sind.

    Das was auch im Artikel beschrieben wird (1000 Mbit bei einer Messung und mit der offiziellen App danach nicht mehr als 500) zeigt dieses Problem auf.

    Sinnvoller ist es meiner Meinung nach mehrere Speedtests verschiedener Anbieter zu nutzen anstatt sich auf einen einzigen Anbieter zu konzentrieren und diese Ergebnisse dann seinem eigenen Internetanbieter mitzuteilen.

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  3. Pracht

    Genau dieser Ablauf nötigt die Kunden sich mal mit der Technik auseinanderzusetzen.

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  4. Michael

    Ich kann den Lesern dieses Artikels nur raten: Probiert die App einfach aus. Wenn es wirklich Probleme gibt, wendet Euch einfach an jemanden, der sich damit vielleicht etwas mehr auskennt. So schwierig, wie es in diesem einseitigen Artikel dargestellt wird, ist es nun wirklich nicht.
    Ganz im Gegenteil: Endlich wurde auch die Upload-Performance integriert. Somit können sich jetzt auch die Leute zur Wehr setzen, bei denen es hauptsächlich Probleme im Upload gibt.
    Besser man beschäftigt sich mit der App ein bißchen, als den Providern sinnlos Geld in den Mund zu stopfen, die Verträge verkaufen, wo sie schon vorher genau wissen, dass sie die gar nicht erfüllen können.

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  5. George

    Ich würde behaupten und es auch nachvollziehen können, wenn die Mess-App und dieses Gesetz allgemein eher für die „Hardcore-Frustrierten“ ist. Mal ehrlich, wenn eine Leitung 10% weniger Download liefert als geworben, würde ich mir nie im Leben selbst ein voll automatisiertes Messverfahren antun, damit ich 5% oder 10% im Monat weniger zahlen kann.
    Mit nur z. B. 50% der Leistung dagegen schon.
    PS. Ich habe auch nicht erwartet, dass man gesagt hätte: „mach mal drei Messungen bei speedtest.xyz und das geht“, auch die hier kritisierte Anzahl der Klicks ist in Ordnung, aber die Gesamtzahl der Messungen und deren Abstände sind zu viel…
    Vielleicht erstellt jemand bald einen Script, um den Prozess zu automatisieren (aber ich habe hier nichts von persönlichen Daten etc. gelesen, sollte man sich nicht irgendwie verifizieren müssen?).

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  6. Stefan Espunkt

    Ganz schlechte Überschrift!
    Vodafone ist momentan der einzige Anbieter der hier Abhilfe anbietet.
    Zumindest für Anschlüsse funktionsfähig ist es zumindest im ehemaligen Unitymedia Gebiet. Der Vodafone Speedtest Plus https://speedtest.vodafone.de/
    Erzeugt eine ID mit der der Kundendienst die Ergebnisse einsehen kann. Auch wird hier eine 3. Messung vorgenommen bei der die Strecke Netz-Anbieter -> Modem/Router (aka Fritzbox) separat gemessen wird um erste Rückschlüsse ziehen zu können ob das Problem im Haus (zumeist im WLAN) oder auf der Strecke dorthin Auftritt.
    Diese 3. Messung wird nur eingeleitet wenn bei den ersten beiden die Werte ausserhalb der Toleranz liegen.
    Entsprechende Schnittstellen gibt es also bereits man muss sie nur nutzen.
    Zugegeben ganz zuverlässig ist auch dies nicht aber besser als das was die Bundesnetzagentur zu bieten hat.

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  7. Frank Rendas

    Ja, da hat der Staat ja mal wieder etwas entwickelt, ohne Sinn und Verstand. Das WLAN ausschalten und alle LAN Leitungen entfernen, da brauche ich dann eher wieder ein paar Stunden um wieder alles neu einzurichten. Habe 6 LAN Leitungen im Haus vom
    Keller bis in die 3. Etage verlegt, habe 5 Powerlines, 12 Thermostate für die Heizung, Laptop, Taplet, Drucker und natürlich Handys im WLAN und es sollen noch einige Geräte mit Home Technik folgen, einige Steckdosen sind schon integriert. Und Fernsehen ist auch über LAN geschaltet. Ja wie schon hier beschrieben ich habe auch Fritzbox und da kann ich genau nachschauen, wie die Downloads und Uploaded sind, wird Grafisch dargestellt und es wird genau angezeigt, wo der nächste Anschlussverteiler der Telekom steht, bei mir sind es 124m, laut Fritzbox. Und wenn ich dass alles Ausschalten soll, damit ich eine ungefähre Messung bekomme, nein Danke. Da müssen die Entwickler sich noch ein wenig anstrengen, damit es auch einen Sinn macht.

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  8. Arnie

    Diese Schritte sind doch alle sinnvoll und notwendig um ein aussagekräftiges Ergebnis zu liefern. Die manuellen Klicks vielleicht weniger, sollen aber vermutlich davor absichern, dass einem vergeworfen wird die Messung vergessen zu haben und andere Geräte doch noch angeschlossen haben.

    Wer davon überfordert ist wird einfach damit leben müssen. Die meisten Beschwerden über „langsames Internet“ sind nun mal schlechtes WLAN und Traffic anderer Nutzer.

    Die Diskrepanz zwischen dem Test der Bundesnetzagentur und die speedtest Webseiten hat eine einfache Erklärung: Diese Webseiten suchen sich die besten Server für den Anschluss aus. Das eignet sich vielleicht, um die Geschwindigkeit der „letzten Meile“ herauszufinden, ist aber nicht repräsentativ für die alltägliche Internetnutzung. Da kommt es auf Infrastruktur des Providers an, dass man zu möglichst vielen Servern in verschiedenen Netzen und Ländern eine Schnelle Verbindung aufbauen kann.

    Wenn man nur den schnellsten Server verwendet, sind das nur schöngerechnete Ergebnisse.

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  9. Bernd

    Mein Vertrag mit 2 Mbit/s (zwei!) funktioniert seit Jahren tadellos für oftmals zwei Nutzer gleichzeitig incl. Videoabruf. Deshalb mein Tipp: keine teuren, unrealistischen Verträge abschliessen.

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  10. Blubb

    2 Mbit/s inkl. Videoabruf, is klar^^

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  11. Ernst ALBUS

    Na, das ist doch perfekt!! So läuft das doch immer und überall in DE!! Es wird ein Problem offenbar und Vater Staat sorgt dann dafür, dass eine neue Regel „hinzugefügt“ wird. Wer sich ein wenig mit unserem Rechtssystem beschäftigt, wird irgendwann begreifen, dass dies System hat. Ein Anlass zur eigentlichen Verbesserung wird immer umgewandelt in einen TITEL, der VIEL VERSPRICHT, aber genau wie hier IN DER PRAXIS gar nichts bringt und es oft nur noch schlimmer macht. Grob gesagt, ist das eine systematische „Verarsche“ und sonst nichts. Ich beschäftige mich damit seit über 20 Jahren und es ist Fakt, dass unsere gesamtes Rechtssystem auf solche Effekte aufgebaut ist, wo vorne ein TITEL steht, der suggeriert, jetzt wird es besser! Und hinten alles wieder rausgenommen wird, durch Ausschluss-Kataloge, neuen Bedingungen, die es vorher nicht gegeben hat oder Übergangsfristen, die oft erst in einem anderen Paragraphen zu finden sind. Oder wie hier, ein derart perverses Prozedere voraussetzt wird, damit einer evtl. Kompensation erhält, dass man dazu gar keine Lust mehr hat. Also, wird einfach so weitergemacht, als ob nichts geschehen wäre. Setzt man das mal gedanklich um, wird erst jetzt klar, dass die, die ihre Dinge durchbringen wollen, immer das erhalten durch solch krude Geschichten und UNS das extra Millionen jedes Jahr kostet, von denen ja keiner spricht – aus gutem Grund!

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