Apple Keynote: Viele tolle Ideen, viele offene Fragen

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Die erste Apple Keynote des noch jungen Jahres 2019 ist Geschichte. Und erstmals stellte Apple nicht Hardware in den Fokus, sondern Software. Das war gewöhnungsbedürftig. Doch das, was Apple zu vermitteln hatte, machte durchaus Lust auf mehr. Für deutsche Apple-Fans bleiben aber viele ungeklärte Fragen.
Tim Cook auf Apple Event
Bildquelle: Apple

Apple TV+, Apple Arcade, Apple News+, Apple Card… Das Produktfeuerwerk von Apple fiel dieses mal etwas anders aus als gewohnt. Anders als bei bisherigen Keynotes ging es primär darum, neue Dienste vorzustellen. Denn eines ist spätestens seit Montagabend klar: Das iPhone bekommt innerhalb des Apple-Konzerns mit Blick auf die Umsätze starke Konkurrenz. Und doch bleiben so manche Fragen offen.

Wenn Apple zu einer Keynote einlädt, kann man inzwischen davon ausgehen, dass man Zeit einplanen muss. So war es auch am Montagabend. Rund 100 Minuten standen Apple-Chef Tim Cook und seine Mitstreiter aus dem Management auf der Bühne des Steve Jobs Theater am Firmensitz im kalifornischen Cupertino. Denn es galt einige neue Produkte zu präsentieren.

Apple Event – Software ist der neue Star

Das Besondere dieses Mal: Hardware spielte keine nennenswerte Rolle. Keine neuen iPhones, keine neuen iPads und auch keine neuen Macs. Der Star war die Software. Neue Dienste, mit denen Apple in Zukunft viel Geld verdienen möchte.

Bestes Beispiel: Viel wurde bereits im Vorfeld des ersten großen Apple Events des Jahres über den neuen Video-Streamingdienst von Apple, Apple TV+, spekuliert. Nach der nun erfolgten Vorstellung ist klar: Apple TV+ wird Teil der TV App von Apple, die massiv erweitert und umgebaut wird. Sie steht künftig nicht nur auf iPhones und iPads zur Verfügung, sondern ab Herbst auch auf Mac-Rechnern.

Und das ist nicht alles. Auch auf diversen Smart-TVs namhafter Hersteller und selbst über Amazon FireTV und den zugehörigen TV-Stick wird die TV-App von Apple nutzbar sein. Die Botschaft von Apple ist klar: Der neue Streamingdienst soll so vielen Nutzern wie möglich zur Verfügung stehen. Mit so vielen Inhalten wie möglich. Denn auch Angebote von konkurrierenden Streamingdiensten sollen über die TV-App von Apple in Form von einzelnen Kanälen abrufbar sein. In einer Mitteilung verwies Apple unter anderem auf Inhalte von HBO („Game of Thrones“, „Westworld“ etc.) und Showtime („Ray Donovan, „Billions“ etc.).

Und trotzdem reiben sich viele Apple-Fans und Analysten auch Stunden nach der Apple-Keynote noch verwundert die Augen. Denn viele Details hat Apple für sich behalten. Zwar trafen sich Stars wie Steven Spielberg, J.J. Abrams, Jennifer Aniston, Reese Witherspoon und die in den USA extrem beliebte Oprah Winfrey auf der Apple-Bühne zum Stelldichein, um erste Details zu neuen Inhalten zu präsentieren, die exklusiv bei Apple TV+ zu sehen sein werden. Auch Bibo, der riesige, gelbe Kanarienvogel aus der Sesamstraße, hatte seine fünf Minuten im Apple-Programm. Viele Einblicke in den Streamingdienst selbst und zu dessen Aufbau gestattete Apple aber nicht.

Apple TV+Quelle: Apple

Preise? Unbekannt!

Auch die vielleicht wichtigste Botschaft blieb Apple schuldig: den Preis. Monatliches Abo? Pay per View, also Bezahlung pro Abruf? Apple-Fans müssen sich mit Blick auf Details zu Apple TV+ weiter in Geduld üben. Und zwar noch mehrere Monate. Denn erst zum Jahresende soll Apple TV+ an den Start gehen. Der Hintergrund dürfte klar sein: Dann werden neue Version der bekannten Apple-Betriebssysteme, MacOS und iOS, erwartet. Und in diesen dürfte Apple TV+ ebenso tief verankert sein wie die neue Gaming-Flatrate Apple Arcade. Zu der Apple gleichermaßen tiefergehende Details und eine Preis offen lies.

Bei aller Enttäuschung über fehlende Antworten zu den neuen Apple-Diensten bleibt trotzdem ein insgesamt positiver Gesamteindruck. Denn die Apple Keynote machte deutlich, welchen Stellenwert digitale Angebote für Apple inzwischen haben. Zwar bleibt der Nachrichtendienst Apple News samt Premium-Upgrade Apple News+ bis auf weiteres englischsprachigen Ländern (USA, Kanada, Australien, Großbritannien) vorbehalten und auch die virtuelle Kreditkarte Apple Card ist bisher nur für die USA angekündigt. Doch Apple zeigt deutlich, in welche Richtung sich das eigene Geschäft mehr und mehr entwickelt. Für deutsche Kunden aufgrund fehlender Verfügbarkeit sicher nicht immer erfreulich, Apple vermittelt die klare Marschrichtung: Hardware allein spielt nicht mehr die erste Geige im Apfel-Konzern. Nicht zuletzt auch aufgrund stark eingebrochener iPhone-Verkäufe.

Klare Apple-Botschaft: Datenschutz ist uns wichtig!

Und noch etwas ist Apple positiv anzurechnen: Fast beiläufig verwies der US-Konzern bei der Vorstellung seiner neuen Dienste noch auf andere interessante Neuigkeiten. Datenschutz und Privatsphäre werden im Apple-Kosmos zunehmend an Bedeutung gewinnen. So ist beispielsweise beim neuen Spiele-Abo-Service Apple Arcade das Werbetracking ausdrücklich ausgeschlossen. „Apple Arcade Spiele sind perfekt für Familien, respektieren die Privatsphäre der Nutzer und verzichten auf Werbung“, sagt Apples Marketing-Chef Phil Schiller.

Und auch bei der virtuellen Kreditkarte, Apple Card, die tief in der App Wallet verankert sein wird, setzt Apple auf ein neues Maß an Datenschutz und Sicherheit. Eine eindeutige Kartennummer wird nur auf dem iPhone erstellt und dort verschlüsselt gespeichert. Eine Nutzung der Karte wird per Face ID (Gesichtserkennung) oder Touch ID (Fingerabdrucksensor) autorisiert. Apple verspricht: Eine einzigartige Sicherheits- und Datenschutzarchitektur macht es für Apple unmöglich, zu sehen, wo der Kunde eingekauft, was er sich geleistet und wie viel er bezahlt hat.  

Im Verlauf der Apple Keynote wurde Apple nicht müde, immer und immer wieder zu erwähnen, die Privatsphäre seiner Kunden zu achten. Man wolle mit Angeboten Geld verdienen, nicht mit persönlichen Daten. Schon jetzt darf man gespannt sein, wann Apple weitere Details zu seinen neuen Diensten vorstellen und mit der Öffentlichkeit teilen wird. So oder so: Die Entwicklung der Produktwelt von Apple dürfte spannend bleiben.

 

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