Amazon greift durch: Kunden soll eines nie wieder passieren

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Amazon schätzt seine Kunden und will ihnen eigenen Angaben zufolge das beste Einkaufserlebnis bieten. Nun ist ein weiterer Schlag gegen die Bewertungs-Mafia gelungen. Der Konzern spricht davon, Betrügern das Handwerk gelegt zu haben. Doch das ist längst nicht das Ende.
Amazon greift durch: Kunden soll eines nie wieder passieren
Amazon greift durch: Kunden soll eines nie wieder passierenBildquelle: Blasius Kawalkowski / inside digital

Das Geschäft mit gekauften Bewertungen bei Amazon floriert. Ob gute Rezensionen, um sein Produkt gut dastehen zu lassen oder schlechte Bewertungen für den Artikel der Konkurrenz: Das Vertrauen der Käufer in die Bewertungen sinkt. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Artikel bei Amazon nicht nur echte Bewertungen erhalten. Es gibt Unternehmen, die Rezensionen und Bewertungen einfach kaufen. Amazon verliert zusehends die Kontrolle über seinen eigenen Online-Shop.

Amazon kennt die Probleme und geht dagegen vor

Das weiß man bei Amazon auch selbst ganz genau: „Kunden sagen uns, dass Produktbewertungen eine der nützlichsten Funktionen in unserem Online-Shop sind und ein Hauptgrund, warum sie gerne bei Amazon einkaufen. Bewertungen geben Kunden das Vertrauen, ein Produkt zu kaufen oder nicht zu kaufen.“ Allerdings seien Bewertungen nur dann von Vorteil, wenn sie die tatsächlichen Erfahrungen der Menschen mit einem Produkt genau widerspiegeln.

Vor etwa einem Jahr hat Amazon deshalb bekannte Anbieter gesperrt, die Kunden mit Gutscheinen zu einer positiven Bewertung verleitet haben. Wir haben auch so einen Gutschein bei einem Produkttest erhalten und zeigen dir, wie der Trick funktioniert. Nun ist Amazon der nächste Schlag gegen die Bewertungs-Agenturen gelungen.

Der nächste Schlag gegen die „Betrüger“

Wie der Konzern angibt, habe man kürzlich rechtliche Schritte gegen die großen Agenturen für gefälschte Bewertungen Fivestar Marketing, Matronex und AppSally eingeleitet. „Alle drei Unternehmen haben nun ihre betrügerischen Systeme gestoppt“, heißt es. Die Bewertungs-Agenturen sind unter anderem auch in Deutschland tätig. Amazon spricht davon, dass infolgedessen fast 350.000 Menschen, die über Websites der Agenturen gefälschte und irreführende Produktbewertungen schreiben, das nicht mehr bei Amazon tun können. Bei Fivestar Marketing etwa ist Amazon verschwunden. Bewertungen lassen sich aber für viele weitere Online-Shops und -Portale kaufen, wie die folgende Bildschirmaufnahme zeigt.

Bei Fivestar Marketing lassen sich keine Bewertungen mehr für Amazon kaufen.
Bei Fivestar Marketing lassen sich keine Bewertungen mehr für Amazon kaufen.

Amazon: unglaublich kundenorientiert

Der US-Konzern gibt an, dass weltweit mehr als 10.000 Mitarbeiter daran arbeiten, den Online-Shop vor Betrug und Missbrauch zu schützen. Dazu gehöre auch die Verhinderung gefälschter Bewertungen. Amazon verwende eine Kombination aus maschineller Lerntechnologie und erfahrenen Ermittlern, um jede Bewertung zu analysieren, bevor sie angezeigt wird.

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Amazon bezeichnet die Bewertungs-Portale als Betrüger und will Agenturen für gefälschte Bewertungen zur Rechenschaft ziehen. „Unsere erfahrenen Ermittler, Anwälte, Analysten und andere Spezialisten spüren diese Unternehmen auf, stellen Beweise über ihre Arbeitsweise zusammen und reichen dann Klagen ein, um sie zu schließen.“ Das Ziel sei es, Kunden und Vertriebspartnern das beste Einkaufserlebnis zu bieten.

So erkennst du falsche Bewertungen

Was man bei Sterne-Bewertungen bei Amazon wissen sollte: Sie bilden keinen Durchschnittswert aus allen Rezensionen dar. Laut Stiftung Warentest berechnet ein Algorithmus die Sterne nach festen Kriterien – etwa wie alt eine Bewertung ist, wie nützlich andere Kunden sie fanden oder ob es sich um einen verifizierten Kauf handelt. „Zwei dieser Faktoren lassen sich leicht manipulieren. Das erklärt, warum unter scheinbar tollen Vier-Sterne-Produkten oft viele schlechte Kritiken stehen“, so die Tester.

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Zudem solltest du dich nicht von vielen positiven Bewertungen beein­drucken lassen. Lies lieber die negativen Rezensionen und suche nach Über­einstimmungen. Beschweren sich viele Käufer etwa über eine schlechte Akkulaufzeit bei einem Handy, kann das ein Indiz für einen Makel sein. Darüber hinaus gibt es eine Internetseite, die Amazon-Produktbewertungen analysiert und Bewertungen herausfiltert, die möglicherweise manipuliert sind. Einfach einen Link zu dem Produkt aus dem Online-Shop eingeben und du siehst auf einen Blick, ob es etwas Verdächtiges gibt.

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Bildquellen

  • Bei Fivestar Marketing lassen sich keine Bewertungen mehr für Amazon kaufen.: Screenshot Fivestar Marketing
  • So viel Geld kann man Amazon-Bewertungen verdienen: Blasius Kawalkowski
  • Amazon greift durch: Kunden soll eines nie wieder passieren: Blasius Kawalkowski / inside digital
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4 KOMMENTARE

  1. Frei

    Zitat: …Amazon schätzt seine Kunden und will ihnen eigenen Angaben zufolge das beste Einkaufserlebnis bieten…
    Dem muss man leider widersprechen: Amazon duldet viele Gauner / Betrüger auf der Plattform, die mit falschen, mehrdeutigen oder täuschend weggelassenen Angaben zu Eigenschaft der Produkte, versuchen die Kunden zu täuschen und zu betrügen. Viele Kunden haben nicht ausreichend Sachkunde, um solche Gaunereien auf ersten Blick zu bemerken. Darauf spekulieren die Betrüger.
    Amazon duldet diese Kriminelle, mutmaßlich nur um nicht auf Provisionen von diesen Verbrecher nicht verzichten zu müssen.
    Einige Beispiele:
    Mehrdeutige Anpreisungen: in Überschrift (Z. B. Bei Beamer/Cams) wird in der Überschrift mit 4K angepriesen (4K = 4096 * 2160) Danach im Text im kleingedruckten wird aber nur 1080 Pixel angegeben.
    Verschwiegene Angaben: Z. B.: Bei Miracast- Sticks, wird die Anzahl der Bilder pro Sekunde verschwiegen.
    Falschangaben: in Überschrift wird GPS Trecker angepriesen. Gelifert wird aber Träcker ohne GPS Empfänger, der nur nach anderen ungenaueren Parameter versucht zu trecken.
    Bei Beschwerden antwortet Amazon dann, sie können 30 Tage lang zurücksenden.
    Aber den Schaden den die Betrüger durch zurücksenden verursachen, ist oft teurer als der Warenwert. Der betrogene Kunde muss aufgrund von betrügerischen Angaben der Gauner auf Amazon, Aufwand und Zeit investieren in: Produkt aussuchen + bestellen + bezahlen + auf Zusteller warten oder Sendung abhollen + auspacken + Bedienungsanleitung lesen + Gerät inbetriebnehmen + mit Geräte verschiedener Test durchführen + bei fehlenden Eigenschaft Storno anmelden + einpacken + zum Spediteur bringen + Rückzahlung überwachen + und weitere Aufwendungen die hier nicht aufgeführt sind. Dazu kommt Buchung für Bezahlung und Buchung für Rückzahlung, für die er bei Steuerberater Buchungsgebühr bezahlen muss.
    Alles nur weil betrügerische Gauner, mit falschen Angaben geworben haben, und Amazon es großzügig duldet!

    Nach deutschen Recht gemäß BGB, müssten solche Aufwendungen durch den Verursacher (betrügerische Anbieter) vollständig ersetzt werden. (u.a. §§ 437 + 284 + ggf. 439 NGB). Das durchzusetzen ist auf Amazon praktisch nicht möglich, weil Amazon davon nichts wissen will! Viele der Anbieter verkaufen unter Nicks, sitzen im Ausland und sind von Deutschland aus praktisch nicht haftbar zu machen. Hier müsste Amazon zum Schutz ihrer Kunden, den verursachten Schaden aus der Storno Reserve des betrügerischen Händler bezahlen, tut es aber nicht. Mutmaßlich weil Amazon die Provisionen von Betrüger wichtiger sind, als Interessen der Amazon Kunden! Das ist de facto Amazons Mittäterschaft bei Betrug, durch Duldung.
    Amazon argumentiert auch, bei so vielen Produkten ist es nicht möglich. Dabei könnten intelligente SQL Abfragen in Datenbanken schnell und leicht solche Betrüger mit guten Ergebnis aussieben. Z.B.: In Überschrift 4K, und im klein gedruckten Angebotstext 1080 ist schwer verdächtigt. Amazon müsste es nur an wenigen Tagen praktizieren, und dazu bei offesichtlichen Betrugsversuch Konventionalstrafen verhängen, dann wären die meisten Amazon-Betrüger ausgesiebt und ehrlich.
    Dazu schwarze Liste: betrügerischer Anbieter Y zahlte heute X Euro Strafe.

    Amazon schadet auch Kundeninteressen durch total nicht transparente Suchmaschine:
    Bei Einstellung „durch Amazon empfohlen“ ( = Produkte bei den Amazon am meisten verdient, oder für die Platzierung bezahlt wurde) werden die günstigsten Produkte nicht angezeigt. Diese Treffer sind einigermaßen zuverlässig.
    Wählt der Kunde aber (günstigsten Preis) dann wird die Trefferanzeige mit nicht gesuchten Produkten zugemüllt, sodass finden von gesuchten Produkt meistens praktisch unmöglich ist. Das macht Amazon um ihren Profit zu optimieren, zum Nachteil der Kunden. Der Kunde soll nicht das günstigste kaufen, sondern dass kaufen was Amazon den meisten Profit bringt. Dass es auch eine Art von Betrug!
    Außerdem fehlt bei Amazon die die Suche: „Kaufpreis inklusive Versandkosten“. Das unterstützt Betrüger die mit geringen Produktpreis locken, und spekulieren darauf dass der Kunde die erheblich überteuerten Versandkosten übersieht.
    Z.B. Textilien für 0,06 € mit 9.90 € Versandkosten.

    Wahrscheinlich ist den Meisten von Euch diese Betrug nicht bewusst geworden, aber ihr seid alle dadurch Betroffenen und benachteiligt!

    Antwort
    • Frei

      Diktiersoftware Fehler:
      NGB = BGB.

      Antwort
  2. Kannekann

    Amazon bekommt das nicht in den griff.
    Ich habe eben geschaut, es gibt mehrere rang 1 bewerter us Deutschland die u.a. auch vine tester sind, die sich Agenten aus den telegram gruppen hochgezogen haben. Mir und anderen testern wurde geld geboten wenn wir seine bewertungen als nützlich markiere.

    Egal was Amazon macht, man ist nachwie vor nur auf der sicheren seite wenn man vorher negative anschaut.

    Antwort
  3. Szau

    Tz ich gebe auch 5* ab und bekomme das Geld wieder und dazu darf ich das Produkt behalten

    Gibt genug Telegram Gruppen 🤣

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