Änderung bei der Bahn: So schnell wirst du jetzt zum Schwarzfahrer

3 Minuten
Mit Beginn des neuen Jahres gibt es bei der Deutschen Bahn eine Änderung. Wenn du sie nicht beachtest, wirst du ganz schnell ungewollt zum Schwarzfahrer. Das galt schon immer für den Nahverkehr, jetzt aber auch für den Fernverkehr.
DB Fahrkartenautomat
Bildquelle: Deutsche Bahn

Bislang lief es mitunter so: Du kommst von einem Termin und willst schnell nach Hause. Also steigst du schnell in den ICE der schon am Bahnsteig steht – ohne Ticket. Wenn dich der Zugbegleiter bei der Kontrolle ohne Ticket antrifft, verkauft er sie dir. Ganz offiziell – ohne Strafe. Das Ticket kaufst du zum sogenannten Bordpreis. Das bedeutet, du zahlst einen deftigen Aufpreis von 17 Euro pro Ticket der Bahn. Doch die Bahn wird diese Möglichkeit, Tickets zu kaufen, Anfang 2022 abschaffen.

Bahn: Nur 1 Prozent der Fahrgäste nutzen den Bordpreis

Auf Anfrage teilte uns eine Sprecherin der Bahn Anfang des Jahres mit, dass Tickets im Zug aktuell von weniger als 1 Prozent aller Kunden genutzt werden. „Bei diesen Reisenden handelt es sich um Vielreisende und Geschäftsreisende, die mit unseren Vertriebskanälen gut vertraut sind. Nur im Einzelfall – etwa unter Zeitdruck – greifen diese Kunden mangels Alternativen im Zug auf den Bordverkauf zurück.“

Als Alternative hat die Bahn schon im Frühjahr den DB-Navigator aufgebohrt. Dort kannst du seitdem nach Abfahrt des ICE oder IC dein Ticket für die Bahn buchen. Bis zu zehn Minuten nach Abfahrt des Zuges ist diese Buchung möglich. Das geht übrigens auch über die Webseite bahn.de. Der Bahn ist wichtig, mit diesem Verfahren auch für spontan Reisende ein Angebot zu machen, noch ein Ticket zu kaufen. In einigen Fällen reicht die Zeit zum Kauf am Automaten schlichtweg nicht mehr aus.

DB Navigator hilft nicht immer: So wirst du zum Schwarzfahrer

Keine Lösung ist die Buchung im DB Navigator für alle Fahrgäste, die kein Smartphone nutzen und auch keinen Laptop dabei haben. Auch wenn der Akku leer ist oder du gar nicht für die Nutzung der App angemeldet bist, ist die längere Buchungsfrist im Zug für dich keine Alternative zum bisherigen Bordpreis. Denn die Konsequenz für dich als Fahrgast könnte lauten, dass du zum Schwarzfahrer wirst, wenn du kein Ticket hast.

Dabei könnte es sogar unverschuldet dazu kommen, etwa wenn im Reisezentrum zu lange Warteschlangen sind oder der Ticket-Automat defekt ist. Diskussionen mit dem Zugbegleiter sind oft müßig.

Übrigens: Für den Nahverkehr gelten die Regelungen zum Bahn-Ticket nicht. Hier gelten innerhalb der Verkehrsverbünde eigene Regelungen. Wirst du beispielsweise in Berlin und Brandenburg bei einer Fahrt innerhalb dieser Bundesländer ohne Fahrkarte angetroffen, giltst du direkt als Schwarzfahrer. Eine Buchung von Verbundtickets wird auch weiterhin nicht nach Abfahrt des Zuges möglich sein. Das gilt auch bei Verbund-übergreifenden Fahrten im Nahverkehr und bei Fahrten mit dem Nahverkehr, die sich zum Hauptbahnhof bringen sollen. Das gilt allerdings unabhängig von der neuen Regelung im Fernverkehr.

Deine Technik. Deine Meinung.

8 KOMMENTARE

  1. Stefan Krienke

    Man ist nicht plötzlich Schwarzfahrer! Das war man vorher auch schon. Fahren ohne gültiger Fahrkarte war schon immer falsch. Die DB hatte aus Kulanz im Fernverkehr noch Fahrkarten verkauft.
    Das fällt nun weg.
    Ich habe auch ne Kinokarte, wenn ich nen Film sehe und bezahle nicht erst bei der Kontrolle und jammere dann Rum, dass ich soooo knapp erst da war.
    In den Niederlanden ist man ohne Fahrschein grundsätzlich schon mal weit über 100€ los.
    Die Idioten, die auf ne „Freifahrt“ hoffen, sind nun off

    Antwort
    • Bianca Kotewicz

      Ich finde diese Regelung ganz toll aber statt woanders Milliarden Euro zu investieren sollte an Bahnhöfen investiert werden zb an JEDEM das ein oder zwei Fahrkarten Automaten Stehen und das auch garantiert ist das diese IMMER funktionieren!!!!!
      Oder/und eine App für die Lokführer oder deren Personal wo sie beim anhalten direkt eine Nachricht erhalten hier sind die Automaten defekt hier könnte es sein das man in der Bahn verkaufen muss.
      Mir ist dies schon oft Passiert zb von RZ nach Travemünde keine Möglichkeit für Fahrkarte kaufen nur ein Automat und dieser war mutwillig zerstört.
      Aber was auch noch wichtig ist meine Mitmenschen die auf Hilfsmittel angewiesen sind nicht jeder Bahnhof verfügt über ein Behindertengerechten Zugang geschweige über Fahrstuhl und wenn doch sind diese kaputt 😩 !
      Also sollte dies noch Mal überdacht werden und erstmal diese Sicherheit geschaffen werden dann wird es auch weniger!

      Antwort
  2. Yunus

    Das macht absolut kein Sinn aus dem Einfachen Grund das nicht jeder Bahnhof ein Ticket-Verkaufsstelle oder Automaten anbietet was dazu führt das man Das Ticket im Zug kaufen muss…

    Antwort
    • Werner Weiskönig

      Dann muss die Deutsche Bahn bitte die Voraussetzungen erst schaffen.
      Der Bahnhof Wüstenbrand/Hohenstein-Ernstthal verfügt weder über einen Fahrkartenautomaten noch ist er behinderengerecht ausgebaut.
      Zum ersteren Problem……wo soll das Ticket gelöst werden…? Die Bahn kann nicht verlangen, daß jeder über ein Smartphone verfügt und die Fahrkarte auf einer App lädt….!
      In Richtung Chemnitz / Dresden ist der Ausstieg auf Gleis 2 und das bedeutet, daß eine Unterführung (jeweils eine Treppe bergab und bergauf) genommen werden muss.
      Es ist für Behinderte, Rollstuhlfahrer, Fahrgäste mit Kinderwagen oder auch schwerem Gepäck eine absolute Zumutung bzw. generell nicht lösbar für einem Alleinteisenden.
      Jeder Bahnhof muss für jeden Reisenden die Mindestanforderungen erfüllen…..Es kann nicht sein, daß ein Behinderter im Krankenfahrzeug ( elektr.oder manuell betriebener Rollstuhl ) oder auch jeder andere Bürger mit gesundheitlicher Einschränkung bzw.mit den mitgeführten Gepäck ( Koffer, Kinderwagen ,Fahrrad etc. keine Möglichkeit hat, diese Barriere auf eine andere Art zu bewältigen.
      Es gibt an diesem Bahnhof keinen Lift bzw. Fahrstuhl bzw. Überführung der Gleisanlagen, vom Bahnsteig 2 auf die ortsinterne Infrastruktur.
      Jeder Bürger, auch derjenige, der nicht hier wohnhaft ist , sondern auf Besuch etc. kommt….muss die Möglichkeit des freien Zugangs zu den Bahnsteigen haben und nicht, wie es erst kürzlich der Fall war, auf die Hilfe von mindestens 4 erwachsenen Personen angewiesen sein…..

      Antwort
  3. Space Odyssee

    Kann man die Tickets nicht via App kaufen? Wenn dem so ist, wo ist dann das Problem?

    Antwort
  4. Leena

    Ich finde es nicht ok, dass sofort die Absicht unterstellt wird, nicht zahlen zu WOLLEN. In Finnland z. B. gibt es immer einen Zugteil mit der Aufschrift lippumyynti. Dort steigen die ein, die noch ein Ticket brauchen und können es dort erwerben. Wer ein Ticket hat, steigt im anderen Bereich ein. Dass eventuell mal einer schummelt, ist nicht auszuschließen, aber es wird nicht direkt unterstellt. Wird die Person ausfindig gemacht, zahlt sie eben den Fahrpreis auf dem Sitzplatz nach. Diese Vorgehensweise würde ich mir hier auch wünschen.

    Antwort
  5. Benjamin Leu

    Bekannte von mir wohnen in Holthusen der Bahnhof ist genau so wie bei dem Herrn weißkönig sowohl nicht behindertengerecht(trotz haltestange und Rolli Aufkleber) und es gibt weder einen Automaten noch eine Info Säule Leute mit Fahrrädern Rolli Fahrer oder Kinderwagen haben schlichtweg dort keine Chance sobald man von dort aus einsteigt ist man automatisch ein schwarzfahrer klasse

    Antwort
  6. Nick

    Man kann Servicewüste immer noch steigern. Meine Eltern haben weder Smartphone noch Internet, und der Bahnhof zu Hause verkauft keine Fernfahrkarten mehr. Nur noch in der Kreisstadt.
    Gut, dass jetzt Covid ist und sie kaum aus dem Haus gehen, geschweige denn verreisen..

    Antwort

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

VERWANDTE ARTIKEL