9-Euro-Ticket: Fahrrad-Verbot im Zug im Sommer?

4 Minuten
Ab 1. Juni soll das 9-Euro-Ticket gelten, mit dem du bundesweit Bus und (Regional-)Bahn fahren kannst. Doch es werden die Stimmen lauter, die das Ticket kritisieren und sogar die Mitnahme von Fahrrädern verbieten wollen.
Werden Fahrräder im Zug im Sommer verboten?
Werden Fahrräder im Zug im Sommer verboten?Bildquelle: Pfeiffed / Pixabay

In einer YouGov-Umfrage, die die Meinungsforscher im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa gemacht haben, wird deutlich: Das 9-Euro-Ticket wird ein Urlaubsticket. Denn wie verschiedene Medien unter Berufung auf die dpa berichten, werden 51 Prozent der Befragten das Ticket nutzen, um touristische Ausflüge zu machen. Das befeuert die Befürchtung der Bahn-Unternehmen und Verkehrsverbünde, dass es in den Regionalzügen zur Sommerzeit voller wird als üblich.

Mehr Züge fahren zu lassen, das ist aber nicht einfach zu möglich. Abgesehen von den finanziellen Fragen fehlt es auch an entsprechenden Zügen und noch viel mehr an Lokführern und weiterem Zugpersonal. Zudem sind manche Bahnstrecken, wie etwa der Hindenburgdamm nach Sylt, schon heute so stark ausgelastet, dass gar keine weiteren Züge fahren könnten. Entsprechend wird es, bis auf wenige Ausnahmen, bei dem Angebot an Bahnverbindungen bleiben, die heute im Fahrplan stehen.

„Hier ist in der Vergangenheit zu sehr auf den Preis geschaut worden. Im Ergebnis haben die Unternehmen heute keine Reserven, weder an Fahrzeugen noch an Personal.“ Das sagt der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der DB Regio Ralf Damde. Diese Reserven aber brauche es in den kommenden Wochen. Nicht nur in der Infrastruktur, im Fahrbetrieb und in den Bahnhöfen, auch in der Instandhaltung und bei der Sicherheit. Schwierig könne es werden, „wenn ein erhöhtes Reisendenaufkommen auf andere Probleme trifft, wie etwa verspätete oder zu kurze Züge, defekte Toiletten, fehlende Informationen“, sagt auch der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates bei DB Sicherheit, Gerd Galdirs. „Wir brauchen zusätzliches Personal für Service, Ein- und Ausstieg, für die Reisendenlenkung.“

Fahrradmitnahme schon zu normalen Zeiten problematisch

Gerade bei Tagesausflügen liegt auch das Bedürfnis der Fahrgäste nahe, ein Fahrrad mitzunehmen. Denn so lassen sich Regionen wie der Spreewald im Osten Deutschland, Inseln wie Rügen und Usedom oder die Lüneburger Heide in Norddeutschland prima mit dem Rad erkunden. Doch das Problem: Die Stellplätze für die Räder in einem Regionalexpress sind begrenzt. Schon zu normalen Ferienzeiten ist es beispielsweise bei Fahrten von Berlin in Richtung Norden Glück, ob man mit dem Fahrrad an einem Samstagmorgen überhaupt in den Zug hineinkommt.

Jetzt meldet sich auch der Fahrgastverband Pro Bahn zu Wort. In der Rheinischen Post sagt Karl-Peter Naumann von dem Verband, dass auf bestimmten Strecken die Fahrradmitnahme ausgeschlossen werden sollte. Das sei die einzige Möglichkeit, noch mehr Chaos zu verhindern. Der Nachteil: Mit einem solchen Verbot würde man womöglich auch jene Fahrgäste treffen, die Ihr Fahrrad jeden Morgen als Bestandteil des Arbeitsweges für den Weg von und zum Bahnhof mitnehmen. Auch würde man womöglich schon langfristig geplante Fahrradurlaube unmöglich machen. Das betrifft beispielsweise Fahrgäste, die mit dem eigenen Rad eine Fähre nach Schweden nutzen wollen und mit der Bahn anreisen wollten.

Wer über ein solches Verbot zu entscheiden hätte, ist unklar. Denn letztlich fahren die meisten Regionalzüge im Auftrag der Verkehrsverbünde oder der Bundesländer. Bei den Bestellungen und Ausschreibungen spielen auch die Fahrradplätze eine Rolle, sodass es den Bahnunternehmen nicht möglich sein dürfte, die Mitnahme von Rädern generell zu verbieten. Ein solches regionales Verbot müsste vermutlich der Besteller der Bahnverbindung – also das Land oder der Verkehrsverbund – aussprechen. Einzig aus Sicherheitsgründen könnte für einzelne Züge vor Ort ein Mitnahmeverbot erlassen werden.

Fahrrad nicht in 9-Euro-Ticket enthalten

Wichtig auch ohne Verbot: Die Mitnahme des Fahrrads ist nicht Bestandteil des 9-Euro-Tickets. Eine Fahrkarte für das Rad muss extra gekauft werden. Ein Fahrrad-Tagesticket für den Nahverkehr kostet 6 Euro – ist aber keine Garantie, dass du das Rad auch tatsächlich mitnehmen kannst.

Einzige Ausnahme: Wenn in einem Verkehrsverbund die Mitnahme generell kostenlos ist oder sie in einem Abo enthalten ist, dann gilt das zumindest nach aktuellem Stand auch beim 9-Euro-Ticket. Allerdings nur innerhalb des jeweiligen Verbundes. Tipps für das Reisen mit dem Rad im Regionalexpress hat die Bahn auf ihrer Webseite zusammengestellt.

Was mit dem 9-Euro-Ticket außerdem nicht möglich ist, zeigen wir dir in einem weiteren Artikel.

Deine Technik. Deine Meinung.

2 KOMMENTARE

  1. Georg Bognar

    Erstmal mitnehmen lassen. Falls zu Kaos kommt, im Juli auf den Strecken verbieten, wo oft Kaos war!

    Antwort
  2. Gundi

    Fahrräder könnten auch durch gestaffelte Preise ein wenig gelenkt werden. Nachts in der Münchner U-Bahn haben leicht 100 Räder Platz, im Berufsverkehr ist aus gutem Grund die Mitnahme verboten.
    Tageszeitbezogen, streckenbezogen, vielleicht sogar wetterbezogen, ließe sich die Auslastung besser verteilen. Wenn ich vom Tagesausflug ins Voralpenland von Seeshaupt bis Starnberg oder Gauting das Radl mitnehmen darf, wäre es ja möglich, dann noch mal in die Pedale zu treten, um einen höheren Preis zu vermeiden. Kompliziert und marktwirtschaftlich das Gegenteil von kalkulierbarem Verkehr für alle. Allerdings ist das 9-Euro-Ticket auch eine seltsame Stilblüte. Und ich würde als erstes den Schnäppchen-Sparpreis der Bahn abschaffen und dafür alle Normal-Tickets günstiger machen

    Antwort

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein