9-Euro-Ticket: Die Flatrate bleibt, der Preis steigt

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Das 9-Euro-Ticket ist in diesen Tagen in aller Munde. Ganze Familien nutzen den Fahrschein aus dem ersten Entlastungspaket der Bundesregierung, um preiswert von A nach B zu reisen – teilweise sogar auf der Langstrecke. Aber wie geht es ab Ende August weiter, wenn das 9-Euro-Ticket ausläuft?
RegionalExpress und S-Bahn in Berlin
Wie teuer wird der Nachfolger des 9-Euro-Tickets? Jetzt gibt es einen neuen Vorschlag.Bildquelle: Pierre Adenis / Deutsche Bahn AG

Klar zu sein scheint: In der bisherigen Form wird es das 9-Euro-Ticket ab September nicht mehr geben. Es wäre schlicht nicht finanzierbar, verheißt es aus Regierungskreisen. Wird das günstige Reisen und Pendeln mit dem Nahverkehr also wieder ähnlich teuer wie vor dem Ukraine-Krieg? In Zeiten, weiter steigender Gas– und Strompreise und einer von der EU-Kommission für das laufende Jahr für Deutschland kalkulierten Inflation in Höhe von 7,9 Prozent, ist das eigentlich kaum vorstellbar. Der Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) hat jetzt einen neuen Vorschlag ins Spiel gebracht.

Aus 9-Euro-Ticket soll Klimaticket werden

VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff schlägt ein bundesweites Klimaticket vor. Sozusagen eine bundesweit gültige Flatrate für den öffentlichen Personennahverkehr (OPNV). Diese Flatrate soll 69 Euro kosten und als einfache Fahrtberechtigung in der 2. Klasse gelten. Das wäre ein etwas anderer Ansatz als beispielsweise in Österreich, wo das Klimaticket Ö zwar etwas teurer, dafür aber auch landesweit im Fernverkehr gültig ist.

Wolff sagt: „Die Branche ist in der Lage, ab dem 1. September ein solches Klimaticket anzubieten. Dafür bräuchten wir allerdings sehr schnell einen entsprechenden Auftrag seitens der Politik. In einem zweiten Schritt für den 1. Januar 2023 könnten dann zum Beispiel sozialpolitisch wünschenswerte Varianten vorbereitet werden.“

Heißt: Zunächst soll das Klimaticket als eine Art „BahnCard 100 für den ÖPNV“ primär eine Art Ersatzangebot unter anderem für alle Autofahrer sein, die für den Weg zur Arbeit auf ihren Pkw verzichten. Ab 2023 könnte es dann preislich reduzierte ÖPNV-Angebote für all jene geben, die sich 69 Euro für ein Monatsticket nicht leisten können – gegebenenfalls mit gewissen (zeitlichen) Einschränkungen. Wie bisher soll es nach Wolffs Vorstellungen aber auch weiter regional gültige Angebote für Gelegenheitsfahrer geben. Zum Beispiel 24-Stunden-Tickets.

Bundesregierung berät noch über ein passendes Nachfolge-Angebot

Ob das 69-Euro-Ticket in der vom VDV vorgeschlagenen Ausführung tatsächlich kommt? Noch längst nicht entschieden. Grünen-Chefin Ricarda Lang erklärte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ): „Über das Modell werden wir in der Koalition beraten, klar ist aber: Es braucht eine Anschlussregelung, die wie vom Bundesverkehrsminister vorgeschlagen möglichst bundeseinheitlich gilt und dabei günstig ist, also auch sozial.“

Das 9-Euro-Ticket findet in der Bevölkerung große Zustimmung. Mehr als 31 Millionen Nutzer hatten das Ticket im Juni gebucht. Die Kosten für ein Nachfolge-Ticket schätzt der VDV auf etwa 2 Milliarden Euro pro Jahr. Die Verbraucherzentralen hatten jüngst ein Ticket für 29 Euro pro Monat ins Spiel gebracht. Das käme einem in der Vergangenheit schon häufiger diskutierten 365-Euro-Ticket (1 Euro pro Tag) recht nahe.

Bildquellen

  • Das 9-Euro-Ticket: Thorsten Neuhetzki
  • 9-Euro-Ticket: Die Flatrate bleibt, der Preis steigt: Pierre Adenis / Deutsche Bahn AG

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16 KOMMENTARE

  1. Dieter Tillmann

    365€ Bürgerticket, so hätten alle was davon, es würden mehr die ÖPNV und die Fahrräder genutzt. Die Autobahnen und die Umwelt hätten auch ihren Nutzen davon.

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  2. Reinhold

    Wenn man mich fragen würde…
    Nahverkehr Tagesticket 3€
    Wochenticket:15€
    Monatsticket: 40€
    Jahreskarte: 365€
    Ich hab mir das 9€ Ticket geholt und vielleicht 2-3 Mal benutzt um meine Familie zu besuchen oder in die nächste Stadt zu fahren. Ursprünglich hatte mich schon der Hinweg 9€ gekostet.

    Es muss Veränderungen geben im ÖPV aktuell gibt sich Auto und Zug preislich nicht viel. Oft ist das Auto günstiger gewesen bei 1,20€/L. Dazu kommt aber das Bus und Bahn sehr unbequem ist und auch umständlich. Zuhause ist die nächste Busstation mehr als 2 KM vom Haus weg. Usw.

    Die angaben, welche ich oben genannt habe würde den ÖPV sehr attraktiv für den Pendler machen.

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  3. Tina Falkenstern

    Prinzipiell finde ich die Idee super, beim Preis muss ich dann aber schon sagen, daß bietet für mich als Autofahrer wenig Anreiz. Ich habe das 9 Euro Ticket in Juli genutzt, und es waren volle Züge und wirklich ALLE Züge kamen zu spät. Sorry liebe DB, aber ihr bekommt es einfach nicht hin

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  4. Wolfgang Schrader

    Das 9 Euro Ticket ist schon soweit ganz in Ordnung, aber in Zukunft wird sich der Preis nicht halten sein! Ich wuerde auch z.B. 69 € dafuer ausgeben!

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  5. Micha

    Da verlieren doe so viele Kunden 69 pro Monat mit die zugefügt die Verspätung haben gar kein Stecker oder so unangenehm und kein Platz

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  6. Gerlinde

    Hallo also ich bin viel Zug gefahren
    Das hat schon was gebracht die könnten das Ticket zb auf 29 Eur. festlegen so jedes Jahr für die Sommermonate Juni Juli August attraktiv auch für Familien schon allein bei uns wo ich wohne um in die City zu kommen 10 km Tagesticket kostet 08,60 eur zu teuer Vergleich Mannheim 09 Euro einfach also ich weiß nicht das Ganze muss attraktiver werden öfters Verspätungen volle Züge da muss sich was ändern

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  7. Janine

    Ich würde es gut finden wenn das 9 Euro ticket bleiben würde das wäre eine gute Idee fahre sehr viel mit Bussen und Zügen

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  8. Wolfgang Schmidt

    Habe im Monat 1200 km an die Arbeit, dadurch belaufen sich die reinen Spritkosten zurzeit durchschnittlich auf 180 €.
    Daher wäre ich gerne bereit 69€ im Monat für das Bahn fahren zu zahlen.

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  9. A. Burggraf

    Ich als ALG2 Empfänger nutze zur Zeit das 9€ Ticket als Alternative für das für meine Begriffe mit fast 40€ fast unbezahbare Sozialticket.
    Ich würde mich freuen wenn es als günstigere Alternative mit etwas höherem Preis bleiben würde.

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  10. Daniel

    Meine Meinung: Ausbau der Bahnstrecken, erhöhen Frequenz der Busse in Ländlichen Gegenden, kosten reduzieren der Bahntickets auf ein Maß das alle Autofahrer nicht viel überlegen müssen ob sie heute und in Zukunft mit den Öffentlichen fahren.
    Hoffe das unsere Regierung so schnell wie möglich hierzu eine Vernünftige und Plausible Lösungen findet, andere Länder können es auch. Unsere Natur / unser Klima würde sich auch darüber freuen, unsere Nachfahren erst 😉

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  11. Sementha K

    Ich würde mal das 29€Ticket im Vormund nehmen da sich ja nicht viele das 69€Ticket leisten können wie ich ALG2 habe,fahre zwar wenig Bahn Busse usw aber um Eltern oder Freunde zu besuchen ist ein 29€Ticket schon eher angebracht

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  12. Marcel

    Also man muss Mal ganz deutlich sagen dass unsere tolle Puppenspielertruppe/ Regierung alle Menschen mit keinem oder wenig Einkommen / oder unter der Armutsgrenze lebenden Personen einfach im Stich lässt. Es ist wichtiger einen Tag zu diskutieren wie das Ticket dann heißt.das wirft Fragen auf woher sollen die Leute 365 Euro nehmen wenn der Kühlschrank am 20. Leer ist.????

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  13. Frauke Pramor

    Das 29 Euroticket wäre die sozialste Lösung, damit auch Rentner im unteren Rentenniveau und Grundsicherungsempfänger etwas davon haben
    69 Euro ist für diese Gruppe schlicht unbezahlbar.

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  14. Martin

    Alles tolle Ideen, nur sollten die Verkehrsbetriebe dann auch in die Lage versetzt werden, die zusätzlichen Fahrgäste zu stemmen. Und zwar ohne dass man sich wie in der Sardinenbüchse vorkommt.

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  15. Carsten P.

    Unter den aktuellen Bedingungen bzw. unter Beibehaltung der Möglichkeiten mit dem 9-Euro-Ticket in zeitlicher wie lokaler Hinsicht (monatlich bundesweite ÖPNV-Nutzung rund um die Uhr, soweit es die aktuellen Schienenverkehrs-Leistungen ohnehin hergeben), würde ich als ALG-II-Empfänger dafür auch zwischen 40 und 70 Euro hinblättern, da es wirklich eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten eröffnet.
    In Betracht gezogen werden sollten allerdings noch Aspekte wie mehr Wagen-Einheiten pro Zugfahrt oder Relation, jedoch regional auch fairere Konditionen für die Bediensteten der jeweiligen EVUs bzw. Bus-Unternehmen, denn unter Berücksichtigung der aktuellen Beschäftigungs-Bedingungen kann ich den Unmut etlicher Mitarbeiter der betreffenden Unternehmen verstehen und könnte sogar einen Streik je nach Forderungen unter den entsprechenden Bedingungen tolerieren.
    Es braucht einen Ruck und dieser Ruck muss wirklich bis in die Regierungsspitzen spürbar sein und sich wie ein „Sozialbeben“ auf der nach oben offenen Lichtblick-Skala auch für möglicherweise involvierte Lobbyisten bemerkbar machen.

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  16. Elisabeth

    Warum kein vergünstigstes Ticket für 15.- € monatlich mit einem Radius von bsp. 50 km.
    Das gauglerische 1 € Ticket bedeutet ~ 30 Euro pro Monat, gilt für das Bundesgebiet. Im Vergleich sind Fahrten für kürzere regionale Strecken sicher wesentlich häufiger als „mitbezahlte“ Reisen quer durchs Land.

    Einer regional begrenzte günstige Variante würde ich regelmäßig kaufen, die andere nicht.

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